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… Kontrolle ist besser

 
     
 
Der Winter beginnt früher in Ostpreuße und legt seine frostige Hand auf manchen baulichen Terminplan. Daß die eigentlic nördliches Klima gewohnten russischen Partner des Kuratoriums Arnau e.V. den Turm de Arnauer Katharinenkirche allen Ernstes noch bis Ende 1999 fertiggestellt haben wollten verblüffte dann doch etwas, zumal die umfangreichen planerischen Vorarbeiten erst in Sommer abgeschlossen waren. Zudem hatten wir unmißverständlich klargestellt, daß ein Wiederherstellung im dort verbreiteten Hau-Ruck-Verfahren – womöglich mit Ziegel aus abgebrochenen historischen deutschen Gebäuden – von uns nicht akzeptiert würde.

Immerhin aber konnte in den Herbstmonaten 1999 der noch vorhandene Turmstump weitgehend saniert werden. Der folgende Winter wurde genutzt, um Lieferanten für die besonders großformatigen Ziegel zu finden. Die Probelieferung einer kleinen russische Ziegelei erwies sich wegen mangeln
der Frostbeständigkeit als allenfalls fü Innenmauerwerk brauchbar. Endlich wurde eine Ziegelei in Estland ausfindig gemacht, die brauchbare Ziegel herstellen und liefern konnte. Die sind inzwischen nach langwierige Zollformalitäten auch tatsächlich eingetroffen.

Bundesrepublikanisches Tempo darf man nicht erwarten. Immerhin geht es voran, den nicht nur der fachkundige Vertreter des Kuratoriums Arnau, sondern nicht zuletzt de Hauptarchitekt des Moskauer staatlichen Instituts für Denkmalrestauration kontrollier – zumeist gemeinsam – regelmäßig die Arbeiten, Korrekturanweisunge eingeschlossen. Anders geht es nicht in diesem Lande, in welchem es kau Handwerkstradition und Ausbildung im deutschen Sinne gibt. Den gelernten und erfahrene Handwerksmeister, auf dessen Fachkenntnisse sich hierzulande der Architekt in aller Rege verlassen kann, sucht man dort vergeblich. Auch befindet sich die technische Ausrüstun vielfach auf dem Stand unserer ersten Nachkriegsjahre.

Da die Arbeitslosigkeit hoch und die Einkommen sehr niedrig sind, is begreiflicherweise der Hang zu einseitigen Eigentumsübertragungen verbreitet. Die Baustelle der Arnauer Kirche mußte also erst einmal durch einen hohen Zaun geschütz werden, nebst laufender Bewachung. Ein weiterer Grund ist die mit Baustellen nun einma verbundene Unfallgefahr. So kann auch der Besuch etwa durch deutsche Touristen derzei nicht verantwortet werden. Verstöße enden mit der fristlosen Entlassung de Wachpersonals.

Wer im Königsberger Gebiet baut, kennt die Schwierigkeiten, weiß, daß ohne laufend persönliche Kontrolle wenig Vernünftiges dabei herauskommt, und das auch noch zu überhöhten Preisen. Von den behördlichen Schwierigkeiten, den oft unklaren Eigentums und Nutzungsrechten ganz zu schweigen. Das Kuratorium Arnau hat anfangs viel Zeit darau verwenden müssen, diese Probleme hinreichend zu lösen. Eine absolute Sicherheit gibt e in einem fremden Machtbereich nicht. Doch sollten wir deshalb die Hände in den Scho legen und die letzten Zeugnisse deutscher mittelalterlicher Kultur verkommen lassen? Wi meinen: nein!

Die russischen Partner sind übrigens bezüglich deutscher Baukunst ausgesproche interessiert und aufgeschlossen. Hier ein kleines Beispiel: Die "merkwürdigen" Holzgerüste in den Turmruinen deutscher Kirchen wußten sich die russischen Baumeiste nicht zu erklären. Standfest waren die Türme auch ohne diese. Durch unser Zusammenarbeit ist jetzt der Begriff "Glockenstuhl" in das russisch Fachrepetoire übernommen worden. In Rußland werden die Kirchenglocken starr aufgehäng und nur angeschlagen. Die durch einen besonderen Glockenstuhl zu bändigenden Schwingunge fallen nicht an. Wie auch immer: was ist ein Kirchturm ohne Glocke? Andererseits ist ein Glocke nicht gerade billig und schließlich müssen wir mit jeder Mark rechnen…

Auf dem Ostdeutschlandtreffen in Leipzig, auf welchem das Kuratorium Arna selbstverständlich mit einem Informationsstand vertreten war, neigte sich die Waage zu positiver Entscheidung. Hier ist es an der Zeit, der Führung der Landsmannschaf Ostdeutschland, die uns mehrfach mit Rat und Tat zur Seite gestanden hatte, wie auch alle Besuchern des Landestreffens aufrichtigen Dank zu sagen. Die Kollekte des Gottesdienste in Leipzig, die für die Arnauer Katharinenkirche bestimmt worden war, soll nach de Willen des Kuratoriums Arnau nicht einfach im "großen" Topf verschwinden sondern den Grundstock für die Anschaffung einer Glocke bilden, die hoffentlich bereit im kommenden Frühjahr vom wiedererrichteten Kirchturm den Beginn einer glücklichere deutsch-russischen Epoche einläuten wird.

Wohlgemerkt: wir wollen die Vergangenheit nicht unter den Teppich kehren, dazu habe wir nicht die geringste Veranlassung, doch können und müssen wir den Blick ohne Hochmut aber erhobenen Hauptes in die Zukunft richten. In die Zukunft auch derer, die nach un kommen und uns an dem messen werden, was wir heute tun oder versäumen. Ralph Schroeder

 
     
     
 
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