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Vor 300 Jahren, am 26. Jänne 1699, wurde in Karlowit (dem heutigen Sremski Karlovci bei Novi Sad nordwestlich von Belgrad) ein Friedensvertra zwischen Österreich, Polen, Venedig und dem Osmanischen Reich unterzeichnet, der nac einem 16jährigen Krieg türkischen Plänen ein Ende setzte, den Islam gewaltsam nac Mitteleuropa zu tragen. Der Sieger Österreich stieg in die Reihe der europäische Großmächte auf.
Die gescheiterte Belagerung Wiens 1683 war der vorläufig letzte Versuch der Osmanen ihr Reich durch einen direkten und militärischen Angriff zu vergrößern. Von da a sollten sie sich, abgesehen von kleineren erfolgreichen Vorstößen, bis zum Ende ihre Reiches im Ersten Weltkrieg nur mehr in Verteidigungstellung gegen die europäische Mächte befinden.
Nach ihrem Sieg vor Wien am 12. September 1683 wollten die Alliierten kaiserliche und Reichstruppen, die mit ihnen verbündeten Polen und kurz darauf die Venezianer die Gunst der Stunde zu weiteren Vorstößen gegen die Türken und die von ihnen unterstützten unzufriedenen ungarischen Magnaten unter Führung von Emmeric Tököly nützen. Ungarns Städte und Dörfer mußten einzeln eingenommen werden, doch ka es vielerorts parallel zum Vordringen der Alliierten zu Erhebungen gegen die türkische Besatzer. Noch 1183 fielen Gran (Esztergom) und Leutschau (Levoca in der heutige Slowakei), 1684 Vac (Waitzen) nördlich von Pest, 1685 Neuhäusel (Nove Zamky) und Kascha (Kosice), beide in der heutigen Slowakei, sowie Arad.
Mit tatkräftiger Förderung durch Papst Innozenz XI. (16761989) wurde im Mär 1684 die "Heilige" Liga zwischen Kaiser Leopold I., Polen und die "Serenissima Repubblica" Venedig gegen das Osmanische Reich geschlossen. Eine in gleichen Jahr vom Kaiser gewährte Amnestie schwächte den Anhang des ungarische Rebellenführers Tököly, der in der Folge von den Türken einige Zeit gefangengesetz wurde.
1686 wurde ein Siegesjahr: Ofen (Buda) fiel am 2. September in die Hände des vo Herzog Karl V. von Lothringen und dem bayerischen Kurfürsten Max Emanuel geführte kaiserlichen Heeres, in dessen Reihen auch Schwaben, Franken, Sachsen, Brandenburger un ein schwedisches Kontingent kämpften. Der Sieg löste große Begeisterung in ganz Europ aus. Ein Heereskorps war nach Siebenbürgen gezogen, wo es Fürst Michael Apafy nötigte ein Bündnis mit dem Kaiser gegen die Türken zu schließen, weitere Korps säuberte Oberungarn, Slawonien und Gebiete an der Drau von den Türken. Fünfkirchen (Pecs) Kaloca, Siklos, Kaposvar und Szegedin waren bis Wintereinbruch erobert.
1687 siegten die kaiserlichen Truppen am Berg Harsany bei Mohacs, Eger (Erlau) wurd erobert. Mit dem Fall von Szekesfehervar (Stuhlweißenburg) und Munkacs 1688 war ei Großteil Ungarns von den Türken befreit. Max Emanuel eroberte im gleichen Jahr Belgrad Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden (genannt "Türkenlouis") 1691 Nis, der We nach Sofia und sogar Konstantinopel war so gut wie frei.
Erfolge errang auch die inzwischen im dalmatinischen Hinterland, Bosnien, Albanie operierende venezianische Armee. Unter Führung des Feldherrn und späteren Doge Francesco Morosini gelang ihr die Eroberung Moreas (Peloponnes) und 1687 die Einnahme vo Athen. Bei der Beschießung von Athen wurde die Akropolis schwer beschädigt, da Parthenon, in dem sich ein türkisches Pulvermagazin befand, durch eine venezianisch Granate zerstört.
1690 gingen Belgrad und Nis wieder verloren, in Siebenbürgen regten sich wiede Anhänger des vom neuen und fähigen Großwesir Mustafa Köprülü freigelassene Tököly. Viele kaiserliche und Reichstruppen, die zu dieser Zeit in den Bergen Serbien und Bosniens gegen die Türken kämpften, mußten an den Rhein verlegt werden, wo de französische König Ludwig XIV. den Pfälzischen Erbfolgekrieg (16881697 provoziert hatte damit war Deutschland zum ersten Mal in seiner Geschichte mi einem Zweifrontenkrieg konfrontiert, sieht man von den Ereignissen des Dreißigjährige Krieges ab, in dem Franzosen und Schweden gegen das Reich kämpften.
Die erneut vordringenden Türken wurden erst 1691 von Markgraf Ludwig Wilhelm be Slankamen (am rechten Donauufer gegenüber der Theiß-Mündung) geschlagen. 1692 konnte die kaiserlichen Truppen noch Nagyvarad (Großwardein, das heutige Oradea in Rumänien erobern. Dann verlangsamen Führungsschwächen das Tempo ihres Vormarsches. Befehlshabe der kaiserlichen Truppen war zu dieser Zeit Kurfürst Friedrich August von Sachsen, wege seines Körperkräfte "August der Starke" genannt. Seinen amourösen Abenteuer und der Mätressenwirtschaft an seinem Hof, über die ganz Europa klatschte, stande dürftige militärische Leistungen gegenüber: Seine Ambitionen auf den polnischen Thro wurden von Wien gefördert, weil man ihn so von seinem erfolglosen Kommando entbinde konnte, ohne ihn zu brüskieren.
Als er als August II. 1697 den polnischen Königsthron bestieg, wurde auf Empfehlun des ehemaligen Verteidigers Wiens während der Zweiten Türkenbelagerung, Ernst Rüdige von Starhemberg, Prinz Eugen von Savoyen-Carignan der Oberbefehl übertragen. Der Prin hatte eine kometenhafte militärische Karriere hinter sich: als Freiwilliger 1683 in da kaiserliche Heer aufgenommen, 1685 Generalfeldwachtmeister, 168 Feldmarschalleutnant 1690 General der Kavallerie, 1693 zehn Jahre nach seinem Eintritt in das Hee Feldmarschall. Am 11. September 1697 errang er bei Zenta an der Theiß eine glänzenden Sieg über die von Sultan Mustafa II. (16951703) persönlich geführte osmanischen Truppen. Großwesir Elmas Mehmet Pascha fiel, der Sultan floh mit den Reste seines Heeres nach Temesvar. Der gesamte Nachschub, die Kriegskasse des Sultans und desse Siegel, das Symbol seiner Macht und Würde, fielen in die Hände des Siegers.
Inzwischen war ein neuer Feind gegen die Osmanen aufgetreten: das Russische Reich unte Zar Peter dem Großen. Er nahm 1696 Asow ein, damit verfügten sein Reich und die von ih neu geschaffene Flotte erstmals über einen Hafen am Schwarzen Meer. Erst jetzt erklärt sich der Sultan zu Verhandlungen bereit, inzwischen waren aber auch die europäische Mächte aufgewacht. Sie fürchteten, ihre jeweiligen Rivalen könnten unter Umständen da geschwächte Osmanische Reich angreifen und Konstantinopel mit seiner einmalige strategischen Lage einnehmen. England (durch seinen Botschafter bei der Hohen Pforte, Lor Paget) und Holland boten sich als Vermittler an. Im Oktober 1698 trat in Karlowitz die Friedenskonferenz zusammen. Das Gebäude, in dem die 72tägigen Verhandlungen geführ wurden, mußte vier Türen enthalten, damit die Beauftragten des Kaisers, des Sultans, de Königs von Polen und des Dogen von Venedig gleichzeitig eintreten konnten.
Der Sultan verlor an Kaiser Leopold fast ganz Ungarn (mit Ausnahme des Banat Temesvar), Kroatien, Slawonien und Siebenbürgen, an Polen Podolien und Teile der Ukraine an Venedig Morea (Peloponnes) ohne Lepanto (das heutige Navpaktos) und andere Städte Artikel 20 untersagte die Unterstützung von Aufstandsbewegungen in einem de anderen Staaten. Mit Rußland wurde ein Waffenstillstand geschlossen, de Friede erst 1700 in Konstantinopel; dieser russisch-türkische Vertrag sollte nur bi 1711 halten.
Nach Unterzeichnung der Verträge am 26. Jänner 1699 reiste der polnische Delegiert heim, die anderen begaben sich mit ihrem Gefolge in das Bergland, wo die Grenze zwische Kroatien, dem venezianischen Dalmatien und dem türkischen Bosnien festgelegt werde sollte. Die dortige Bevölkerung achtete keine der Mächte hoch, Haiduken überfielen die Diplomaten und raubten sie aus.
Karlowitz machte nicht nur alle Pläne der Osmanen für künftige Eroberungen zunichte Der Friedensvertrag erkannte ausdrücklich an, daß die politische Situation de Osmanischen Reiches in Zukunft eine wichtige Sache aller größeren europäischen Mächt war, auch dann, wenn man sich nicht im Kriegszustand mit den Türken befand. |
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