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Frauenarbeit wird heute noch abschätzig mit einem Handarbeitsverein verglichen. Da würden sich Frauen mittleren Alters einmal in der Woche treffen, um Kochrezepte auszutauschen, neue Strickmuster zu erlernen. Politische Themen würde man den Männern überlassen, allenfalls soziale Fragen in Gesprächen streifen. OB-Redakteurin Peter van Lohuizen sprach mit Uta Lüttich (geboren 1941 als Uta Hennig in Reimannswalde, Kreis Treuburg), Bundesvorsitzende des Ostdeutschen Frauenkreis es, über die Zukunft der Frauenarbeit in der Freundeskreis Ostdeutschland ():
Frau Lüttich, im vergangenen Jahr sind Sie als Nachfolgerin von Hilde Michalski zur Bundesvorsitzenden des Ostdeutschen Frauenkreises gewählt worden. Zunächst einmal herzliche Glückwünsche! Nun aber wird es unsere Leserinnen vor allem interessieren, welche Aufgabe Sie vorher innerhalb der freundschaftlichen Arbeit hatten. Sie verzeihen, wenn ich von dem sogenannten "Stallgeruch" spreche, der bei Ostdeutschland doch eine nicht unerhebliche Rolle spielt.
U. L.: Zunächst einmal möchte ich etwas richtigstellen: Natürlich weiß ich, daß Frauenarbeit leider immer noch mit Klischees behaftet ist, ganz besonders die freundschaftliche Frauenarbeit. Unter dem großen Dach der Frauenarbeit gibt es auch Handarbeits- und Singkreise, Trachten- und Volkstanzgruppen. Sie bereichern die freundschaftliche Frauenarbeit. Politische Themen werden aber keineswegs den Männern überlassen, sondern heiß und temperamentvoll diskutiert. In diesem Zusammenhang möchte ich auf das von der jährlich veranstaltete "Poltische Seminar für Frauen" hinweisen. Das letztjährige Seminarthema lautete "Das Baltikum und das Königsberger Gebiet auf dem Weg in das 21. Jahrhundert". Die Referenten äußerten sich erstaunt und anerkennend über das außerordentlich große Interesse und Fachwissen der Seminarteilnehmerinnen sowie die überaus sachlichen Diskussionen im Anschluß an die Vorträge.
Noch ein Wort zu den sozialen Fragen: Sie werden keineswegs am Rande eines Gesprächs gestreift, unsere Frauen leisten aktive Sozialarbeit, kranke Mitglieder werden besucht und Hilfsleistungen wie Einkaufen, Besorgungen erledigt, sowie Hilfeleistungen am Krankenbett. Mitglieder in Altersheimen und auf Pflegestationen werden besucht. Von den Frauengruppenleiterinnen und ihren unermüdlichen Helferinnen werden wertvollste Sozialarbeiten geleistet nicht nur von den Zivis , nur daß davon niemand in der Öffentlichkeit Notiz nimmt. Ich bin glücklich, daß ich dieser großen ostdeutschen Familie angehöre, und mein Leben ist durch die freundschaftliche Frauenarbeit reicher und erfüllter geworden.
Nun aber herzlichen Dank für Ihre Glückwünsche. Mit dem "Stallgeruch" muß ich Sie leider enttäuschen, der hätte für meine Mutter zugetroffen. Bei uns zu Hause war sie für Ostdeutschland zuständig. Mein Vater, ein Memelländer, liebte die Heimat genauso, hielt sich aber von der freundschaftlichen Arbeit fern. Wir beide begleiteten meine Mutter lediglich zu den großen freundschaftlichen Veranstaltungen. So bin ich was ich heute sehr bedaure erst nach ihrem Tode 1985 in die , Ortsgruppe Stuttgart, eingetreten, mein Vater war bereits 1972 verstorben. Ich habe als ihre Erbin (ich habe keine Geschwister) nicht nur ihr Abonnement des es übernommen, sondern auch ihre Mitgliedschaft in der Stuttgarter -Gruppe. Meine Vorgängerin, Marga Velten, hatte mich dann zu ihrer Nachfolgerin "ausgeguckt", und so wurde ich 1988 einstimmig zur Landesfrauenleiterin Baden-Württembergs gewählt.
Wir gehen mit großen Schritten auf die Jahrtausendwende zu, und manche meinen, Heimatvertriebene seien die Ewiggestrigen, die im 21. Jahrhundert nun wirklich abzudanken hätten. Wo sehen Sie die Aufgaben der Frauenarbeit innerhalb der Freundeskreis Ostdeutschland? Wo möchten Sie Schwerpunkte setzen?
U. L.: Die "Ewiggestrigen", wie viele Jahrzehnte wird uns dies schon vorgeworfen. Ich halte diesen Ausdruck für die Ignoranz der "ewigheutigen". Niemand käme auf die Idee, die Heimatliebe der Schleswig-Holsteiner, Niedersachsen, Hessen, Bayern oder Schwaben als "ewiggestrig" zu titulieren, nur bei uns Heimatvertriebenen wird dieser Ausdruck verwendet. Wir Heimatvertriebenen sind eine stete Mahnung an das Unrecht der Vertreibung, das an uns verübt wurde. Und so eine stete Mahnung ist unbequem, und das Gewissen wird mit dem Unwort der "Ewiggestrigen" beschwichtigt. Ich denke noch manchmal an die Worte meines Vaters (Jahrgang 1897), "zu Fuß würde ich nach Hause gehen", und Zuhause war immer Ostdeutschland. Ich habe durch meine vielen Reisen nach Ostdeutschland die Heimat neu entdeckt und liebengelernt. Ich würde nicht "zu Fuß nach Hause gehen", aber ich würde einen zweiten Wohnsitz in Ostdeutschland anstreben. Ich hoffe auf den Beitritt Polens zur EU ohne Sonderabmachungen in bezug auf Niederlassungsfreiheit und freie Wahl des Wohnsitzes sowie zweisprachige Orts- und Straßennamen.
Die Aufgaben der Frauenarbeit innerhalb der sehe ich in der Bewahrung und Weitergabe unseres kulturellen Erbes, des geistigen und des gegenständlichen in Volkskunst und Brauchtum. Ganz besonders aber in der Heranführung der Kinder und Enkel an die Heimat Ostdeutschland. In Baden-Württemberg wurde eine Gruppe "Junge Familie" gegründet, in Lahr die Gruppe "Großmütter und Enkel", und ich bin sicher, daß es auch in anderen Bundesländern derartige Gruppen gibt.
Schwerpunkte möchte ich setzen im Aufbau der Frauenarbeit in Mitteldeutschland. Im Dezember konnte ich der neu gewählten Landesfrauenleiterin von Brandenburg, Eva Haut, gratulieren. Im November haben wir ein Seminar "Brauchtum und Volkskunst in Ostdeutschland" für einen besonderen Teilnehmerkreis veranstaltet, der in insgesamt 18 Kinder- oder Waisenhäusern in Nord-Ostdeutschland untergebracht war. Dieses Seminar würde ich gerne fortsetzen.
Ganz besonders liegt mir aber am Herzen die Zusammenarbeit und Unterstützung der Deutschen Vereine in Ostdeutschland. Schon seit 1993 führt das Frauenreferat der Seminare und Werkwochen in Oste-rode/Ostdeutschland durch. Auch die Präsentation mit einem Informationsstand auf der "Creativa" in Düsseldorf, bei den Ostdeutschlandtagen in Seeboden und anderen Messen und Veranstaltungen sollte weiter ausgebaut werden.
Für eine der wichtigsten und gelungensten Veranstaltungen halte ich die zweimal jährlich stattfindenden Werkwochen. Sie sind wichtige Konstanten in der Arbeit des Frauenkreises. Erfreulich ist die wachsende Zahl der Teilnehmerinnen aus Mitteldeutschland, aber auch der Deutschen Vereine aus Ostdeutschland. Auch die Zusammenarbeit mit der J halte ich für sehr wichtig. Seit Gründung der J Baden-Württemberg gehöre ich ihr als förderndes Mitglied an. Die J ist unsere Zukunft, aus ihrer Mitte müssen schon in den nächsten zehn Jahren Nachfolger für Orts- und Kreisvorsitzende und auch für Frauengruppenleiterinnen hervorgehen. Wenn uns dies gelingt, dann blicke ich unbesorgt in das 21. Jahrhundert.
Kritiker werfen den Freundeskreisen oft vor, sie seien ohnehin überaltert und das "Problem" würde sich mit der Zeit von selbst lösen. Geben Sie der Frauenarbeit in der Freundeskreis überhaupt noch eine Zukunft?
U. L.: Die betreut in der Bundesrepublik 250 Frauengruppen. Es ist ein offenes Geheimnis, daß nicht nur die Frauengruppen überaltert sind. Bei dieser Frage muß ich an den verstorbenen Preußenschildträger und Landesehrenvorsitzenden Baden-Württembergs, Werner Buxa, denken, der einmal sinngemäß sagte: "Als ich als junger Mann in die Freundeskreis kam, blickten mich lauter alte Gesichter an, heute bin ich selbst ein alter Mann, und mich blicken andere alte Gesichter an. Die Freundeskreis wird immer Zuwachs haben, zwar weniger als in ihren Gründungsjahren, aber es wird auch immer wieder Landsleute geben, die mit dem Eintritt in den dritten Lebensabschnitt, den Vor- oder Altersruhestand, sich an ihre Wurzeln in Ostdeutschland erinnern und mehr über dieses Land in Erfahrung bringen möchten, und das ist heute nur noch über die Freundeskreisen möglich." In diesem Zusammenhang ist die Frauenarbeit in den Freundeskreisen ein äußerst wichtiger und fundamentaler Faktor.
Haben Sie zum Abschluß eine besondere Bitte an unsere Leserinnen? Wie kann man Ihre Arbeit unterstützen?
U. L.: Meine besondere Bitte an die Leserinnen ist, Ostdeutschland stets und bei allen Gelegenheiten nicht nur im Herzen, sondern auch auf der Zunge zu tragen. Über jede fundierte Anregung für die Gestaltung und Weiterentwicklung der Frauenarbeit freue ich mich und werde sie sofern es die finanziellen Möglichkeiten der und des § 96 BVFG zulassen versuchen zu verwirklichen.
Wir danken Ihnen für das Gespräch, Frau Lüttich.
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