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Als Muammar al-Ghaddafi nach langem Tauziehen die "Lockerbie-Attentäter" oder präziser gesagt, jene zwei Libyer, denen die Sprengung eine "Panam"-Maschine vorgeworfen wird , an ein schottisches Gericht in de Niederlanden auslieferte, sahen sich Politiker und Kommentatoren bestätigt: Immer stram Sanktionen verhängen! Denn wenn das Volk leidet ("gegen welches man natürlic überhaupt nichts hat"), wird dieses über kurz oder lang die eigene Regierung zu Kapitulation zwingen.
Doch die Sache ist nur vordergründig plausibel: Denn einerseits waren die Boykottmaßnahmen für Libyen zwar lästig, doch hatte das Volk anders als etwa in Irak keineswegs am Hungertuch zu nagen. Andererseits müßte der libysch Staatschef wohl gewußt haben, daß man eigene Geheimdienstleute nicht preisgeben kann ohne die Loyalität aller anderen zu erschüttern, und daß sich die Preisgegebene ihrerseits gegen ihn wenden könnten, um die eigene Haut zu retten. Hatte also Ghaddaf vielleicht nur deswegen der Auslieferung zugestimmt, weil er aufgrund bestimmte Informationen oder Beweisstücke wußte, daß die beiden Landsleute gar nicht als Täte in Frage kommen und daß sich der Prozeß zur Blamage für seine Feinde entwickeln würde Bereits vergangene Woche konnte OB-Mittelmeerkorrespondent Gregor M. Manousaki bedenkliche Lücken in der Beweisführung der Ankläger offenlegen. Und die Zweifel mehre sich. Da tauchte etwa ein iranischer Überläufer auf, der Lockerbie und andere Anschläg erst jüngst dem Iran zuschrieb. Im Prozeß sind überdies ernsthaft "technische" Probleme aufgetreten: Erstens gibt es eine neue Expertise derzufolge die Explosion sehr nahe an der Außenhaut des Flugzeugs erfolgt sein soll. Z nahe für die bislang aufrechterhaltene Behauptung, die Detonation habe im Gepäckabtei stattgefunden. Das würde bedeuten, daß sie nicht durch eine (von den Libyern?) als Koffer aufgegebene Bombe ausgelöst worden sein kann. Auch gibt es Ungereimtheiten, wa den Zündmechanismus betrifft: Ein als Kronzeuge der Anklage vorgesehener Schweize behauptet (nach einer ihm lange Zeit vorenthaltenen Besichtigung), daß die Fragmente vo zwei verschiedenen Mechanismen stammen, seine Firma hatte in den 80er Jahre erwiesenermaßen elektronische Schaltuhren an Libyen geliefert. Und schließlich waren die Zünderfragmente in Lockerbie ausgerechnet von einem Agenten "gefunden" worden den die CIA inzwischen wegen wiederholter Fälschung von Beweismitteln aus dem Diens entlassen hat.
"Nun, wir wollen den Tatsachenfeststellungen von Gerichten nicht vorgreifen, woh aber wollen wir inständig hoffen", spottete ein Prozeßbeobachter, "daß de umgefallene Kronzeuge und natürlich auch die beiden Angeklagten mindestens bis zum End des Prozesses am Leben bleiben." (Und das ist keineswegs so selbstverständlich, wen man etwa an das Schicksal des österreichischen "Briefbombenattentäters" Fran Fuchs denkt: Zunächst war bekanntlich die Bombenserie rechtsextremistischen Verschwörer angekreidet worden, die "im Dunstkreis" von Haiders FPÖ gesucht wurden. Dan aber stellte sich ein aus linkem Milieu kommender Psychopath mit geringer Schulbildung als "genialer Einzeltäter" heraus! Und noch ehe der Justizminister einer erstmal seit 30 Jahren nichtsozialistischen Regierung den Fall hätte neu aufrollen können beging der Verurteilte Selbstmord: Obwohl er weder Hände noch Prothesen hatte, gelang e ihm in einem unbeobachteten Augenblick, aus dem Kabel seines elektrischen Rasierapparat eine Schlinge zu knüpfen und sich flugs an einem zufällig in der Zellenwand befindliche Nagel zu erhängen.)
Vielleicht hätte man sich in Lockerbie statt auf die CIA gleich auf die wahren Profi verlassen sollen. Denn es ist leider kein Novum, gefälschte Beweismittel zu Rechtfertigung von Sanktionen, Präventivkriegen, Strafexpeditionen un Vergeltungsschlägen zu nutzen immer nach dem Motto "Augen um Äuglein Gebisse um Zahn". Auch bei den Moskauer Bombenanschlägen, die zum Vorwand für de "zweiten" Tschetschenienkrieg dienten, gibt es bis heute keinen Beweis für ein tschetschenische Täterschaft.
Libyen ist übrigens insofern schlecht dran, als Tripolis bereits 1804, also kaum dre Jahrzehnte nach Gründung der USA, erstmals von einem US-Marinegeschwader bombardier wurde: Selbst bei bescheidensten Geschichts- und Geographiekenntnissen weiß daher jede kleine Generalstäbler noch aus seiner Kadettenzeit, daß Tripolis ein "target" ist. Der Betrachter allerdings fühlt sich wie vor einem Vexierbild: Die Umrisse vo Tätern und Opfern der beklagten Schurkereien verschwimmen zusehends. Fest steht: Siege und weit überlegene Mächte haben sicher die besseren Karten, wenn die Zuordnung von Gu und Böse vorgenommen wird. Aber sie kennen, zumindest verbal, auch Gnade: Auf jüngste Beschluß hin werden die "Schurkenstaaten" ab sofort "Sorgenstaaten" geheißen. Das klingt fast wie Fürsorge. Gouvernanten sprechen so und handel danach: "Das wollen wir aber nie wieder machen!" heißt nämlich: "Da wirst du nie wieder machen, sonst setzt´s was! Was ich tue, ist meine Sache wei ich größer bin und Wahrheit und Moral vertrete."
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