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Es gibt Straßen, die als uralte Verkehrswege voller Geschichte stecken und auf denen es eigentlich unangemessen ist, nur gedankenlos aufs Gaspedal zu treten.
Eine besonders faszinierende Gedankenreise bietet sich auf der mit 3000 Kilometern längsten und mit einer 2000jährigen Vergangenheit zugleich ältesten Ost-West-Magistrale Europas an, die auf bundesdeutschem Gebiet die Bezeichnung B 1 bzw. Ruhrschnellweg trägt und in etwa parallel zu den Autobahnen A 44 und A 2 verläuft. Sie verbindet acht europäische Staaten (Belgien, die Niederlande, die Bundesrepublik Deutschland , Polen, Litauen, Lettland, Estland sowie die Russische Föderation) und ist in ihrer Bedeutung als Transitstrecke nicht minder herausragend als die traditionsreiche Straße Paris Frankfurt/M. Leipzig Moskau.
Das westliche Ende dieser Fernverbindung bildet seit dem Mittelalter die durch ihre Tuche zu großem Reichtum gelangte flämische Handelsstadt Brügge, während den östlichen Abschluß bereits um 1400 das zu Zeiten der Hanse ebenfalls wohlhabende russische Nowgorod darstellte.
Die Straße verdankt ihren Verlauf der günstigen geographischen Lage am Nordrand der mitteleuropäischen Gebirgsformationen. Sie führt meist auf der letzten Erhebung vor der nordeuropäischen Tiefebene entlang und muß nur das Weserbergland und den Teutoburger Wald überqueren. Dabei kreuzt sie fast alle großen nordalpinen Ströme: Maas, Rhein, Weser, Elbe, Oder, Weichsel, Memel und Düna. Zu den wichtigen Städten an ihrem Weg zählen Brüssel, Berlin, Königsberg, Riga, Pleskau und Nowgorod.
Die Ursprünge liegen in den ausgedehnten Feldzügen der römischen Legionen, und im Mittelalter war der sogenannte "Hellweg" zwischen Rhein und Weser die bedeutendste Königsstraße der karolingischen, ottonischen und staufischen Kaiser von Karl dem Großen bis zu Friedrich Barbarossa. Danach entwickelten sich entlang des Handelsweges auch die Wissenschaften, die Reformation und die Aufklärung, die vom Westen bis in die neue Stadt Petersburg gelangte.
Aber auch Heerführer wie Napoleon Bonaparte bedienten sich der Trasse. Schließlich hatte die Verbindung als Preußische Staatsstraße bzw. Reichsstraße 1 zwischen Aachen und Königsberg sowie als russische Magistrale eine Pionierfunktion für neuartige Kommunikationsmittel wie den Chausseebau, die Post und die Telegraphie. Schienenwege wurden parallel zu ihr angelegt und ermöglichten wesentlich den Aufstieg von Zentren der Industriellen Revolution, wie sie sich etwa in Berlin oder im Ruhrgebiet in rasantem Tempo herausbildeten.
Zwei Weltkriege und ein "Eiserner Vorhang" stellten dann den Zweck dieser Straße als entscheidendes Bindeglied zwischen dem Westen und dem Osten des europäischen Kontinents in Frage, ehe der revolutionäre Aufbruch des Jahres 1989 auch hier unsinnige Barrieren niederriß.
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