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Es ist bezeichnend für den Verdrängungsmechanismus in Deutschland in Sachen Famili und Kinder: Einen kurzen Tag gab es hier und da eine Schlagzeile oder Meldung. Dann wa das Gespenst der Kinderarmut wieder verschwunden. Dabei redet die Politik immer vollmundi von den Kindern als der Zukunft des Landes. Es sind Lippenbekenntnisse. Denn seit mehr als zehn Jahren, nicht erst seit der jüngsten Studie der Arbeiterwohlfahrt, hat die Familien und Kinderarmut die Altersarmut abgelöst. Der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirat der Studie zog erneut das Fazit: "Kinder und Jugendliche sind die größte von Armu betroffene Gruppe in Deutschland."
Konkret sieht das so aus: Jedes siebte Kind in Deutschland lebt in einem Haushalt vo Sozialhilfeempfängern. Sie haben ein gestörtes Sprach- und Spielverhalten. Sie könne nicht mit den anderen auf Klassenfahrt gehen. Sie sind häufiger krank. Sie kommen ohn Frühstück in Schule und Kindergarten. Viele Sechsjährige schafften den Sprung in die Schule nicht. Ist das zukunftsträchtig? Geht man so mit der Zukunft um?
Das Verhalten der Politik ist dumm, wenn auch erklärbar. Grob betrachtet stellen die Familien mit Kindern zwei Drittel der Wohnbevölkerung, aber nur ein Drittel de Wahlbevölkerung. Wer also Maßnahmen zugunsten der Familien beschließt, der muß mit de Widerstand einer Mehrheit der Wähler rechnen. Da die Wahltermine näher liegen als die Zukunft von Staat und Gesellschaft, haben nur solche Maßnahmen Aussicht auf Erfolg, die anderen nicht wehtun. Zum Beispiel die Wohnungsbauförderung in der Ära Kohl/Waigel Ansonsten herrschte in dieser langen Zeit familienpolitische Stagnation. Mehr noch, de Altkanzler machte auch seine Witzchen über das persönliche generative Verhalten de Deutschen.
Nicht besser machen es die Rotgrünen. Im Gegenteil. Nicht nur, daß Kohls Nachfolge Schröder auch billige Witzchen über "das Kinderkriegen" zum schlechten gibt Seine Koalition strebt eine gesellschaftspolitische Wende an. Sie wil gleichgeschlechtliche Paare auch finanziell fördern, obwohl diese es nicht nötig habe und diese Lebenspartnerschaften auch keine Leistung für die Gesellschaft erbringen. Die Förderung der Familien wird weiter mit zwanzig oder dreißig Silberlingen betrieben. Mi diesem Almosen brüstet man sich. Aber davon kann man noch nicht einmal eine Packun Windeln kaufen.
Der soziale Wandel hat die Familie mit Kindern zu einer Minderheit gemacht. Von diese Minderheit aber lebt die Gesellschaft. Hier wird das Humankapital ge- schaffen, da Solidarität erst ermöglicht.
Jahrzehntelang hat die Gesellschaft diese Ressource ausgebeutet, ähnlich wie die Umwelt. Heute kann man sagen: Die Familie stirbt wie der Wald. Denn niemand wird ger freiwillig arm. Und wenn Kinder das Armutsrisiko Nummer eins sind, dann leuchtet ein, da zwar die meisten jungen Deutschen den Wunsch haben, eine Familie zu gründen und mi Kindern zu leben, aber immer weniger sich diesen Herzenswunsch erfüllen. Das Armutsrisik ist heute der entscheidende Faktor für das Nein zum Kind.
Die Studie der Arbeiterwohlfahrt zeigt nun einige Lösungswege auf, zum Beispiel die Erhöhung des Kindergeldes auf 600 Mark. Es gibt noch andere Möglichkeiten, die Gerechtigkeitslücke zwischen Familien und Kinderlosen, die sich hinter der Armut de Kinder verbirgt, zu überwinden. Etwa ein Erziehungsgehalt, dessen Kosten und Erträge de Deutsche Arbeitskreis für Familienhilfe e.V. hat ausrechnen lassen. Die Restkosten nac Abzug von klar abschätzbaren Einnahmen sind vergleichsweise minimal. Es ginge, es ist nu eine Frage des politischen Willens. Selbst Feministinnen wie Germaine Greer treten jetz offen dafür ein. Weil, wie sie sagen, wir so viel Mütter brauchen, wie wir kriege können. Das sei eine Überlebensfrage.
Ein Ergebnis eines solchen Erziehungslohns zum Beispiel wäre, daß Eltern durch diese Lohn den Kindern wieder Zeit schenken könnten. Schon der große Pädagoge Pestalozz faßte seine Erkenntnisse und Erfahrungen in den drei großen Z zusammen: Die Kinde brauchen von den Eltern Zeit, Zuwendung, Zärtlichkeit. Wenn beide Eltern arbeite müssen, um die Familie irgendwie zu ernähren, dann bleibt kaum ein Z übrig.
Die jüngste Studie, übrigens im Ergebnis deckungsgleich mit den Armutsberichten de Kirchen, Banken, Gewerkschaft, Stiftungen und Hilfswerke, heißt "Gute Kindhei schlechte Kindheit". Sie könnte auch heißen "Gute Zukunft, schlecht Zukunft". Sie belegt, daß in Deutschland die Kurzatmigkeit der Politik in alle großen Parteien zu Verdrängungsmechanismen geführt hat, die selbst die Zukunft a nächsten Wahltermin enden lassen. Diese Visions- und Gedankenarmut ist das Elend, da hinter dem neuen Bericht ahnungsvoll sichtbar wird und das alle betrifft, nicht nur die Kinder. Maria Klausner
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