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Bereits das römische Imperium erkannte in der Benennung von Straßen ein Mittel zu Demonstration politischer Macht. Das Mittelalter in Deutschland dagegen machte davon nu wenig Gebrauch und beschränkte sich zumeist auf unpolitische Dinge wie Flur-, Berufs oder Heiligennamen. Erst das 19. Jahrhundert entdeckte den Straßennamen als politische Instrument, und im 20. Jahrhundert schließlich haben die Kaskaden der Geschichte ein wahre Flut von Straßenbe- und -umbennungen hervorgerufen.
Wenn aber dieses Virus nicht davor haltmacht, auch als billige Wahlkampfpropaganda zu dienen, so ist das dann mehr als nur eine lokale Posse. Ein trauriges Beispiel fü derartige Dreistigkeiten bot leider jetzt die Hauptstadt Berlin. Namen vo Straßen in der Metropole sind zwar zunächst Sache der verschiedenen Bezirke. Der Sena hatte sich aber bereits vor zwei Jahren mit dem Bund abgesprochen, in unmittelbarer Näh des Reichstags zwei Straßen nach zwei Exponenten der (west)deut-schen Politik zu benennen: Konrad Adenauer (CDU) und Willy Brandt (SPD), die, nota bene, beide schon mi ihren Namen Straßen oder Plätze übergenug zieren.
Zumindest im Hinblick auf Brandt fiel die Umbenennung den Herrschenden leicht, ging e doch nur um die nach dem preußischen Generalstabschef Helmuth Graf von Moltke benannt Straße. Im Grunde also nur ein weiteres Beispiel für politische Korrektheit, das es da wie billig, zu liefern galt. Die Straßenschilder für Brandt und Adenauer sollte allerdings, das baten sich Senat und Bund aus, erst nach Beendigung der Baumaßnahme feierlich enthüllt werden. Und dieses Bauende ist noch lange nicht in Sicht.
Alles Unsinn, dachte sich aber der immer weniger in der Gunst der Wähler für die Wah am 10. Oktober in Berlin stehende Spitzenkandidat der SPD, Walter Momper, und mobilisiert den SPD-Baustadtrat für eine vorzeitige Enthüllung des Schildes mit dem hehren Name Brandt. Gesagt, getan, und weil es eine wohlfeile Wahlkampfaktion war, eilte auch Kanzle Schröder zum Fototermin mit Momper herbei. Man habe nur auf ein Symbol aufmerksam mache wollen, auf das die Berliner SPD stolz sein könne, hieß es in aller Bescheidenheit. Vo nicht unähnlichen Ambitionen geleitet, war auch die Berliner CDU, die von de Momper-Aktivitäten Wind bekommen hatte, und flugs schon am Vortag das Straßenschild mi Adenauers Namen enthüllte.
Sieht man einmal davon ab, daß Berlin für Adenauer nicht immer eine Herzenssache war so hat auch der 79. Ehrenbürger der Stadt, Willy Brandt, bei seinem Gang durch die deutsche Geschichte möglicherweise nicht nur eine blütenweiße Weste getragen. Just zu vorzeitigen Enthüllung seines Namens im Regierungsviertel wartete der "Spiegel" mit neuen Einzelheiten zu dem nie zur Ruhe gekommenen Rumoren zu Brandts angebliche Agententätigkeit während des Zweiten Weltkrieges auf. Zudem war andernorts vermute worden, der Emigrant aus Deutschland könne auch ein sowjetischer Einflußagent gewese sein.
Selbst wenn dieses sich alles als Schall und Rauch erweisen sollte, solcherlei fich den Senat zumindest bei Straßennamen grundsätzlich wenig an. Wie anders ist es zu erklären, daß es beispielsweise im Bezirk Friedrichshain bis heute ein Richard-Sorge-Straße gibt, benannt nach einem Top-Spion der Sowjetunion zum Schade Deutschlands. Beschämend war andererseits der Eiertanz bei der Rückbenennung de einstigen Schlesischen Bahnhofs. Beim Wegfall der protzigen DDR-Bezeichnung Hauptbahnho konnte man sich allenthalben auf die nicht minder SED-geprägte Bezeichnung Ostbahnho einigen.
Im Grunde aber ist die Inflation der deutschen Geschichte mit der Tilgung des Namen von Generalstabschef Moltke nur um eine Nuance weitergedreht worden. Ansonsten ist es wi mit den Staatsfinanzen: Erst wenn alles weg ist, kommt die Stunde der Wahrheit auf
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