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Ebenso wie die verschiedenen Sozialschichten treten auch die verschiedenen Völker nicht gleichzeitig aus der primitiv-stationären Phase heraus in die Phase der sinkenden Sterberaten = stärkeren Bevölkerungswachstums, und dann der sinkenden Geburtenraten = wieder absinkender Geburtenüberschüsse; es verschieben sich damit die Anteile der ethnischen Gruppen an der Gesamtbevölkerung der Erde. Im 18. und 19. Jh. wuchs die europäische Bevölkerung rascher als die anderer Erdteile, heute wächst sie langsamer (Demographic); Chinesen, Inder und eine Reihe südamerikanischer Völker wachsen gegenwärtig am schnellsten; in den ostund südeuropäischen Ländern liegen die Reproduktionsraten höher als in Nord- und Westeuropa usw. Auch hier liegt also Auslese vor, und zwar Auslese (= stärkeres Wachstum) der weniger entwickelten Völker, die den Zyklus der Bevölkerungsentwicklung noch nicht vollständig durchlaufen haben. Es liegen jedoch keine Beweise dafür vor, daß das Zivilisationsgefälle auf Unterschieden des Intelligenzniveaus beruht, wie das bei der. intraethnischen Differenzierung der Fall ist (-)- Rassenpsychologie). Dagegen verschiebt sich durch solche Wachstumsdifferenzierungen die Rassenzusammensetzung der Erdbevölkerung. Es liegt damit ein spezifisch menschlicher Typus der Auslese vor: die Fortpflanzungsdifferenzierung setzt an modifikatorischen Merkmalen (zivilisatorischer Entwicklungsstand) an, und das Ausleseergebnis (Verschiebung der Rassenzusammensetzung) ist ein Nebeneffekt der Wachstumsdifferenzierung.
Ebenso wie bei der intraethnischen Auslese zeigen das Ausmaß und sogar die Richtung der Auslese erhebliche und zum Teil kurzfristige Schwankungen; so treten immer mehr Völker in die dritte, stationäre Phase (niedrige Sterbe- und Geburtenraten) ein, und auch die noch wachsenden Völker nähern sich fortschreitend einer Stabilisierung. auf einem Niveau niedrigeren Bevölkerungsumsatzes. Bei gleichen Wachstumsraten und gleicher Dauer der Wachstumsphase ergibt sich im Endeffekt ein höherer Anteil der größeren Völker an der Gesamtbevölkerung der Erde als vor Beginn der Wachstumsdifferenzierung, wahrend die ethnischen Einheiten mit den kleineren Kopfzahlen ihren relativen Anteil verringern. Die Entwicklung immer größerer ethnischer Verbände und damit auch Fortpflanzungskreise spiegelt sich u. a. in der Sprachstatistik wider: von den etwa 1500 lebenden Sprachen repräsentieren 22 drei Viertel der Menschheit; für die Zeit vor der Europäisierung der Erde ist ihre Zahl auf mindestens das Doppelte zu schätzen. Auch hier handelt es sich, ebenso wie bei dem Aussterben der Eliten , vielfach nur um ein soziales Erlöschen als ethnisch selbständige Isolate.
Ethnische Klein- und Kleinstgruppen sind jedoch auch in ihrem biologischen Bestand gefährdet. Die Ausbreitung der Europäer hat an vielen Stellen ein Aussterben der Naturvölker (Tasmanier, karibische Indianer) oder eine starke Dezimierung (viele polynesische und melanesische Stämme, nord- und südamerikanische Indianer) und damit auch Aussterben bzw. Dezimierung von Primitivrassen zur Folge gehabt. Es wirkten dabei in wechselnden Anteilen zusammen: gewaltsame Ausrottung durch die zahlenmäßig und waffentechnisch überlegenen Gruppen; die Einschleppung von neuen Seuchen; psychische Apathie durch Zerstörung ethnisch gebundener Wertordnungen, die sich auch in einem Absinken der Geburtenraten oder Aufwuchsziffern auswirkte; die Auflösung von Stammesverbiinden und Familien durch Kontrakt- und Wanderarbeit der jungen Männer u. a.
Viele Naturvölker haben jedoch nach einer Zeit starken Bevölkerungsrückgangs die Anpassungskrisc überwunden und sind zu einer ausgeglichenen oder positiven Bevölkerungsbilanz zurückgekehrt. Dies war immer mit einer Adoption europäischer Kulturgüter bis zur völligen Aufgabe der ethnischen Eigenart (ethnische Dissimilation) verbunden, von denen Hygiene und Gesundheitsdienst, insbesondere die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit demographisch unmittelbar wirksam wurden. Da die betreffenden Gruppen in der Regel später in die Phase sinkender Sterbe- und Geburtenraten eintraten als die europäischen Kolonialvölker, können sie diese zeitweise in den Wachstumsraten überflügeln; so haben zur Zeit die Maori von Neuseeland und eine Reihe nordamerikanischer Indianerstämme höhere Reproduktionsraten als die weiße Bevölkerung. Es ist wahrscheinlich, daß mit fortschreitender kultureller und ethnischer Assimilation (Anähnlichung), d. h. in diesem Falle Europäisierung, sich auch die Unterschiede in den Wachstumsraten weiter ausgleichen werden.
Die Entwicklung der Naturvölker in der Zeit der europäischen Ausbreitung stellt ein Bevölkerungsmodell dar, nach dem auch zahlreiche andere, im einzelnen historisch weniger gut belegte Vorgänge abgelaufen sein dürften. Die Ausbreitung der Kulturvölker vollzieht sich nicht nur durch überlegene Wachstumskapazität der Kulturschöpfer, sondern auch und wohl überwiegend durch ethnische Assimilation ursprünglich eigenständiger ethnischer Gruppen. Wo Unterschiede im Kulturniveau vorliegen, folgt der Assimilationsdruck in der Regel dem zivilisatorischen Gefälle (M ii h 1 in a n n) : das chinesische Volk hat von seinem Ursprungsgebiet im Hoangho-Tal durch die Assimilationskraft seiner Kultur Schritt für Schritt die primitiveren Berg- und Waldstämme der heutigen Südprovinzen eingegliedert; die Altägypter der dynastischen Zeit wuchsen aus einer unterägyptischen Bauernbevölkerung und einer oberägyptischen Hirtenbevölkerung zusammen und assimilierten dann ursprünglich nubische Bevölkerungen bis zum vierten Nilkatarakt; dis Geschichte Roms ist die der politisch-militärischen Expansion eines Teils der Bevölkerung von Latium mit anschließender Latinisierung der zunächst politisch eingegliederten Gruppen usw. Bei zivilisatorischem Gefälle übernehmen die kulturell assimilierten Bevölkerungen mit der höheren Wirtschaftsform auch die entsprechende Bevölkerungskapazität, so daß sie auf gleichem Raum eine größere Bevölkerung ernähren können. Die Aufgabe der ethnischen Eigenständigkeit und Assimilation durch Höherzivilisierte stellt also eine Selektion zugunsten der Assimilierten dar; so findet sich heute der größte Block der (infantil-primitiven) Weddiden in Thailand, wo primitive Dschungelstämme die Reiskultur adoptierten und damit erheblich größere Bevölkerungsdichten erreichten, während andere vorwiegend weddide Stämme Vorder- und Hinterindiens auf dem Wildbeuterniveau mit seiner niedrigen Bevölkerungskapazität blieben. Der Anteil von Bevölkerungswanderungen an der Ausbreitung von Kulturen wurde früher vielfach gegenüber solchen Assimilationsvorgängen überschätzt.
RASSENPOLITIK. Wo ethnische Gruppen verschiedener Rassenstruktur miteinander in Kontakt treten, können auffallende Rassenmerkmale, wie die Hautfarbe, ein gemeinschaftsbildendes Bewußtsein und soziales Handeln hervorbringen. Die häufigste Form, in der sich dies äußert, ist eine Verachtung der Ras-s e n f r e rn d e n, die eine der zahlreichen Formen des E t h n oz e n t r i s m u s bzw. allgemein der Ablehnung des Fremden darstellt. Die Negerfragen in den USA und der Südafrikanischen Union sind die am besten durchforschten Beispiele von Gruppenkonflikten auf Grund bewußt gewordener Rassenunterschiede. Das R a s s e n b e w u ß t s e i li ist jedoch nicht immer primär, sondern es können ethnische, soziale, religiöse oder zivilisatorische Gegensätze, denen Unterschiede der Rassenstruktur parallel laufen, sekundär durch eine Rassenideologie motiviert werden (u. a. Antisemitismus), die sich in neuerer Zeit (insbesondere seit K1 e rn m, 1843, und Gobineau, .1853) auf rassenpsychologische Argumente stützt (i Rassenpsychologie). Bei der kollektiven Beurteilung spielt dann unter Umständen das rassische Erscheinungsbild nur noch eine untergeordnete Rolle; entscheidend ist der Abstammungszusammenhang mit der abgelehnten Gruppe (weiße Neger in den USA; Ariernachweis).
Besteht eine Siedlungsgemeinschaft zwischen Rassenfremden, so können folgende Maßnahmen der politisch oder zivilisatorisch überlegenen Gruppe dem Abschluß gegen die Diskriminierten dienen; sie bilden zusammen im Falle des Kontaktes von Weißen mit farbigen Rassen die Farbenschranke (c o l o r line), a) Hei rats verbote, die gesetzlich oder auch nur Iconventionell verankert sein können. In den USA verbieten 29 Staaten Mischehen zwischen Weißen und Negern; gelegentlich steht auch der außereheliche Geschlechtsverkehr unter Strafe (Südafrikanische Union, nationalsozialistisches Deutschland). b) Die Monopolisierung von sozialer Macht und Ehre (M. Weber): die verachtete Rasse wird in sozialer Abhängigkeit gehalten, sie bildet die Unterschicht, die durch Siebungssperren nach oben abgeschlossen wird. c) Die Segregation, d. h. räumliche Trennung nach Siedlungsgebieten oder Wohnvierteln, in Bildungsanstalten, Verkehrsmitteln usw. (USA, Südafrikanische Union; vgl. auch Ghettos, Reservationen). Die Segregation kann auch von einem Teil der diskriminierten Rasse gewünscht werden, da sie unter Umständen die Möglichkeit des Aufbaus eines selbständigen Sozialkörpers mit unbeschränkten Aufstiegschancen bietet (Bestrebungen Booker Washingtons mit der Negerhochschule Tuskegee als Mittel- punkt).
Heiratsschranken pflegen dauerhafter zu sein als Siebungssperren, jedoch durch illegale Verbindungen aufgelockert zu werden; bei diesen gehören die Männer häufiger als die Frauen der Gruppe an, die den höheren Rang für sich beansprucht, während die trauen strenger vor sexueller Berührung mit der diskriminierten Rasse geschützt werden (Lynchjustiz). Diese bevölkerungsbiologischen Regeln gelten auch für die zahlreichen aus Ethnologie und Bevölkerungsgeschichte bekannten Fälle ethnischer Überlagerung, denen die Errichtung von Heirats- und Siebungssperren folgte (Spartiaten und Periöken; Heloten in Sparta; Kastengesellschaft in Indien; Arioi in Polynesien u. a.). In allen diesen Fällen haben die rassenpolitischen Maßnahmen die A rn a l g a rn a t i o n (Durchmischung) der Bevölkerungsteile zwar verzögert, aber letzten Endes nicht aufgehalten. |
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