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Kleinode ostpreußischen Kunsthandwerks

 
     
 
Die prachtvollen Farben Cadiner Rot, Kobaltblau und Gold werden auch auf dem diesjährigen Deutschlandtreffen der Ostdeutschland in der Neuen Messe Leipzig wieder viele Freunde der Cadiner Majolika begeistern. Der Kulturabteilung der Freundeskreis Ostdeutschland ist es wieder gelungen, bedeutende Privatsammler zu bewegen, einige excellente Stücke auf dieser Ausstellung zu zeigen. Die Kleinode ostdeutschen Kunsthandwerks
werden in Halle 3 am 22. und 23. Juni präsentiert und künden so von der Kunstfertigkeit der Töpfer, Maler und Bildhauer, die in Cadinen einst gewirkt haben.

Reiche Tonlager um Cadinen und an einem Teil der Haffküste hatten es mit sich gebracht, daß dort Ziegeleien entstanden waren, so auch auf dem Rittergut Cadinen, das eine Handstrichziegelei besaß. Cadinen, in der Nähe von Elbing gelegen und 1255 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, wechselte mehrmals den Besitzer. Zu besonderer Bedeutung gelangte es, als am 15. Dezember 1898 Kaiser Wilhelm II. das Gut erwarb. Er ließ die Handstrichziegelei modernisieren und für die Arbeiter Häuser im englischen Landhausstil errichten. 1904 dann wurde die Arbeit in der Majolika-Werkstatt aufgenommen. Maler und Handwerker kamen aus Cadinen und den Nachbarorten, aber auch von weit her. Zunächst entstanden dort auf Wunsch des Kaisers Nachbildungen griechisch-etruskischer Vasen und Schalen, später auch solche der altitalienischen Majoliken der Renaissance, ebenso Wandteller und Vasen aus der gleichen Zeit.

Baukeramik aus Cadinen verbreitete den Ruf der Werkstätten bis ins Reich. Jeder Entwurf bildete ein in sich geschlossenes Ganzes und unterschied sich dadurch von herkömmlicher, serienmäßiger Baukeramik. Vornehmlich U-Bahnhöfe in der Hauptstadt wurden mit Cadiner Majolika geschmückt. Erhalten blieb nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg nur die Eingangs- decken des Bahnhofs Reichskanzlerplatz, jetzt Theodor-Heuss-Platz. Auch der Hamburger alte Elbtunnel oder ein Bildnis Kaiser Wilhelms II. im Hotel Atlantic kündet von der Kunstfertigkeit der Cadiner Werkstätten.

Nach dem Ersten Weltkrieg brachte Wilhelm Dietrich die Werkstätten zu neuer künstlerischer Blüte. Namhafte Künstler stellten ihre Modelle zur Nachbildung zur Verfügung. Vor allem die Tiergruppen wurden geschätzt, etwa die Elche von Arthur Steiner oder die Pferde von Albert Hinrich Hussmann. Tafelgeschirr, Aschenbecher, Wandteller, Vasen, aber auch Kacheln und Fliesen fanden ihre Abnehmer. Oft wurden auch andere Materialien wie Bernstein oder Silber mit dem feinen Ton kombiniert. Wie kunstvoll, davon kann man sich an zwei Tagen nun in Leipzig auf dem Deutschlandtreffen überzeugen.

Fototext: Adolph von Menzel: Adresse zum 50jährigen Jubiläum der Firma

Fototext: Heckmann (Deckfarben, Gold, 1869; SMPK Berlin, Kupferstich-Kabinett) aus dem besprochenen Buc
 
     
     
 
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