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Auf immer geprägt

 
     
 
"Als das erste Opfer eines Krieges gilt die Wahrheit, die Kinder sind sein letztes, denn sie tragen die Erinnerungen an Schrecken, Not und Tod viele Jahrzehnte lang mit sich." Mit diesen Worten kündigt die Deutsche Verlags-Anstalt das Buch "Maikäfer flieg! Hitlers Krieg und die Kinder" an. Der Autor Nicholas Stargardt erinnert sich in seinem Vorwort daran, daß er und sein Bruder ohne Hitler nie geboren worden wären, denn ihr jüdische
r Vater floh vor dem Antisemitismus der NS-Diktatur nach Australien, der Heimat des Autors. "Wir wußten auch, daß die Chancen unseres Vaters, den Nationalsozialismus zu überleben, gering gewesen wären. Aber erst, als ich eine Statistik der deutschen militärischen Verluste las, wurde mir klar, was es für einen Nicht-Juden seiner Generation bedeutete, Hitler zu überleben. 40 Prozent der Männer seines Jahrgangs - 1920 - starben im Krieg, die Hälfte von ihnen 1944 bis 1945."

Aber nicht der damals jungen Männer nimmt der Autor sich in seinem ziemlich umfangreichen Buch an, sondern der Kinder, die teilweise zu den unterschiedlichsten Zeiten vom Krieg in Mitleidenschaft gezogen wurden. "Von einem gewissen Zeitpunkt an hatten viele Kinder früh Verantwortung zu tragen - sei es, weil ihre Eltern in den jüdischen Ghettos vor Hunger zusammengebrochen waren, sei es, weil sie in den Schneestürmen des Jahres 1945 vor der Roten Armee flohen oder während der Bombardierungen in den Luftschutzkellern saßen."

Der 1962 geborene Historiker hat sich einige Kinderschicksale herausgegriffen, anhand derer er die Bedeutung und die Auswirkungen der Zeit auf ihr Leben schildert. Anhand ihrer teils sehr unterschiedlichen Erfahrungen arbeitet er sich durch die Vergangenheit. Janina David, ein jüdischen Mädchen aus dem Warschauer Ghetto, Matin Bergau, ein deutscher Jugendlicher aus Palmnicken in Ostdeutschland, Klaus Seidel, ein Hitlerjunge und Flak-Helfer aus Hamburg, Fritz Theilen, ein "Edelweißpirat" aus Köln und Wanda Przybylska, ein polnisches Mädchen aus Warschau sind einige der Figuren, anhand derer er Geschichte greifbar macht. Aber der Autor personalisiert nicht nur, sondern beschreibt auch allgemeine Entwicklungen. So geht er beispielsweise sehr ausführlich auf das Schicksal von Kindern in NS-Erziehungsheimen ein oder von behinderten Kindern, die frührer oder später fast alle umgebracht wurden.

Erschütternde Schicksale, Fakten und Zahlen zeigen auf, wie nicht nur Krieg, sondern auch Diktatur Kinder beeinflußt und wie sie aufgrund der Tatsache, daß sie nichts anderes kennen, sich unglaublichen Umständen anpassen können.

Am Ende des sehr aufschlußreichen Buches fällt jedoch auf, daß der Australier sein Augenmerk ein wenig zu eindeutig auf die Erlebnisse von jüdischen Kindern geworfen hat, während andere nur kurz erwähnt werden. Da in der Forschung über ersteres schon viel geschrieben worden ist, hätte es nicht geschadet, den etwas zu kurz gekommenen Bereich zumindest gleichwertig zu behandeln.

Nicholas Stargardt: "Maikäfer flieg! Hitlers Krieg und die Kinder", DVA, München 2006, geb., 581 Seiten, 34,90 Euro 5967
 
     
     
 
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