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Dichter als Baumeister

 
     
 
Kaum ein großer Literat ist ohne sie ausgekommen, die Häuser und Hütten, die Schlösser, Burgen und Klöster, in denen er die Personen seiner Phantasie schalten und walten läßt. Gottfried Keller, Theodor Fontane oder Heinrich Mann, Tolkien oder Faulkner, Grass oder Dürrenmatt, sie alle skizzierten ihre Raumerfindungen. Spektakulär und nicht gleich nachzuvollziehen etwa die Gänge, die durch das Kloster in Ecos "Der Name der Rose" führten, unheimlich E. T. A. Hoffmann
s "Das öde Haus". Erstmals in einer Ausstellung zu sehen sind denn nun Ecos Skizzen des Klosters. Sehenswert auch Schinkels Gemälde "Schloß am Strom", das aus einem künstlerischen Wettstreit des Baumeisters mit dem Dichter Clemens Brentano entstanden ist.

In der Münchner Ausstellung "Architektur wie sie im Buche steht" geht es nicht um real existierende Bauten und Städte, die schon seit der Antike in Dichtungen und Romanen eine Rolle spielten, sondern um die von Schriftstellern erfundene Architektur, die nach deren Angaben mehr oder weniger genau konkretisiert werden kann. Beschriebene fiktive Bauten und Städte werden durch Modelle, Pläne, Zeichnungen,

Buchillustrationen oder Filmausschnitte sichtbar gemacht. Die architektonischen Bilder und Vorstellungen der Autoren, die erzählten Räume und erdichteten Städte konkretisieren sich somit zu einer nachvollziehbaren Architektur. Der Bogen spannt sich von idealisierten oder phantastischen Beschreibungen von Bauten wie dem Turm zu Babel oder dem himmlischen Jerusalem über die Rekonstruktionsversuche literarisch überlieferter Werke bis zu fiktiven Städten und Gebäuden, die von Schriftstellern selbst gezeichnet wurden oder die Architekten Anregungen zum Planen und Bauen gaben.

Die spannende und facettenreiche Wechselbeziehung zwischen Literatur und Architektur wird im Wandel der Geschichte und Geschichten sichtbar. Die Ausstellung legt Pfade in den "Palast der Erinnerung" (Lars Gustafsson), in dem sich Literatur und architektonische Orte bei jedem Leser treffen.

Wie wichtig es ist, daß der Leser sich in den literarischen Labyrinthen zurechtfindet, hat schon 1950 Arno Schmidt erkannt, der an den Rowohlt Verlag schrieb. Stets habe ich bisher, in allen stories of fiction, mit neugierigem Bedauern vermißt, daß der Dichter einmal seine räumliche Vision dem Leser vorgelegt hätte. Beim Lesen ist es ja stets so, daß der Leser sich die Szenerie in ein kurioses Eigenland verlegt; sollte es nicht von größtem Wert sein, wenn er auch einmal erführe, wie sich der Poet selbst so die Lokalitäten gedacht hat?!" - Das kann man im Architekturmuseum der TU München nun nachholen, zumindest in einigen Fällen.

Die Ausstellung im Architekturmuseum der TU München, Pinakothek der Moderne, Barer Straße 40, 80333 München, ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr
 
     
     
 
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