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Eisige Zeiten

 
     
 
In jüngster Zeit bekamen die Befürworter eines "Zentrums gegen Vertreibungen" mit Sitz in Berlin viel Zustimmung zu spüren. So konnte die gleichnamige Stiftung den Bankmanager Hilmar Kopper für das Amt ihres Schatzmeisters gewinnen.

Aber auch die internationale Riege der Gegner machte sich bemerkbar und zeigte, an welch hartnäckigen Tabus das Vorhaben des Bundes der Vertriebenen (BdV) rührt, das im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg
an die Leiden einer großen Zahl von Deutschen erinnern soll.

Zur Debatte stand das Thema unter anderem Ende April auf einer Konferenz der Kultus- minister der Bundesrepublik Deutschland, Österreichs, Polens, Tschechiens, Ungarns und der Slowakei in Warschau.

Dabei einigte man sich auf das Alternativkonzept eines "Europäischen Netzwerkes Zwangsmigration und Vertreibung". Weil ein "Zentrum gegen Vertreibungen" in Berlin nach Meinung der deutschen Kulturstaatsministerin Christina Weiss "überflüssig" sei, wird von offizieller Seite eine europaweite Vernetzung bestehender Museen und Forschungsstätten, Archive und Denkmäler zu Vertreibungsfragen ins Auge gefaßt.

Die in Warschau vertretenen Länder haben zu diesem Zweck jeweils eigene "Experten" berufen, die in den kommenden Monaten genauere Vorschläge für ein Gesamtkonzept erarbeiten sollen. Im Herbst will man dann in Budapest erneut zusammenkommen.

Bislang steht zum Beispiel die Organisation einer Wanderausstellung sowie die Einrichtung einer Datenbank mit Zeitzeugeninterviews und Bildern im Raum.

Eisiger Gegenwind schlug dem BdV aus Moskau entgegen. Das dortige Außenministerium wandte sich strikt gegen das "Zentrum gegen Vertreibungen". In einer polemischen Erklärung vom 5. Mai ließ es verlauten: "Versuche, besondere Aufmerksamkeit auf den Schaden für die Deutschen zu richten, den sie durch den Zweiten Weltkrieg hinnehmen mußten, erinnern die Staaten, die Opfer der faschistischen Aggression waren, immer wieder an das viel größere Unheil und an die Leiden, die ihnen angetan wurden."

Intellektuell zumindest teilweise anspruchsvoller ist die jüngste Ausgabe der vom Goethe-Institut herausgegebenen Zeitschrift Kafka (Folge 13). Sie widmet sich ganz dem Thema "Vertreibung" und läßt so interessante Stimmen wie die Karl Schlögels oder Petr Príhodas zu Wort kommen ("Kafka", Albrechtstr. 19, 10117 Berlin, Tel.: 030-22488966). (MS)

 
     
     
 
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