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Europa - ein gottloser Kontinent?

 
     
 
Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen - so steht es in der Präambel unseres Grundgesetzes. Und die ersten sechs Kanzler der Bundesrepublik Deutschland beschworen beim Amtsantritt: "So wahr mir Gott helfe!" Erst Kanzler Nummer sieben glaubte, darauf verzichten zu können - auch (aber nicht nur) aus diesem Grunde kann man darüber nachdenken, ob die Sieben wirklich eine Glückszahl ist. Eine unter himmlischer Erleuchtung und göttlichem Beistand stehende Politik jedenfalls haben wir uns etwas anders vorgestellt.

Und nun setzt man uns, neben Landesverfassungen und Grundgesetz, auch noch eine Europäische Verfassung
obendrauf. Ob wir die wirklich brauchen, ist keineswegs gewiß. Ganz gewiß aber ist, daß in dieser EU-Verfassung etwas, das wir in Europa und besonders in Deutschland dringend bräuchten, nicht stehen wird: der Bezug auf die "Verantwortung vor Gott".

Dieses künftige Europa - genauer: jener Teil des Kontinents, der in der EU organisiert ist - soll nach dem Willen seiner politischen Gestalter weltoffen und weltanschaulich ungebunden sein. Konservative Parteien, auch die mit dem C (für "christlich") im Namen, haben anfangs versucht, etwas mehr "Gott" unterzubringen; die Bemühungen waren allerdings ebenso halbherzig wie erfolglos.

Pragmatiker mögen einwerfen: Diese Europa-Verfassung beschreibt eben ganz zutreffend, in welcher geistigen Verfassung sich dieses Europa befindet. Stimmt - aber muß man sich damit abfinden? Ist es wirklich schicksalhaft, sozusagen gottgewollt, das dieser Kontinent sich von seinen zweitausend Jahre alten religiösen, geistigen, kulturellen, moralischen Wurzeln löst?

Die EU will eine Wertegemeinschaft sein. Aber welche Werte? Diejenigen, die mit "Verantwortung vor Gott und den Menschen" knapp, aber allumfassend und zutreffend beschrieben sind? Oder nur noch jene Werte, die an der Börse gehandelt werden? Die gegenwärtige Diskussion über Steuern und Abgaben, Wirtschaft, Finanzen und Arbeitsmarkt verstellt den Blick für die wirklichen mittel- und langfristigen Probleme unserer Gesellschaft: die systematische Aushöhlung und Zerstörung aller seit Jahrhunderten bewährten Traditionen. Man mag sie "christliche Grundwerte" oder "preußische Tugenden" nennen, gemeint ist immer dasselbe - die moralische, geistige, rechtliche und religiöse Basis, auf der menschliches Zusammenleben gedeihen und sich positiv entwickeln kann.

Europa braucht Gott. Nicht irgendein "göttliches Wesen", sondern den Gott des Alten und Neuen Testaments, den Gott des Apostels Petrus und seiner Nachfolger, den Gott Martin Luthers. Als "fortschrittliche" Geister (beziehungsweise Ungeister) nach fast zwei Jahrtausenden christlicher Prägung auf die abartige Idee kamen, diesen Gott für tot zu erklären, stellten sie die Weichen in die total falsche Richtung. Nahezu alle unsere gegenwärtigen Probleme, auch die oben erwähnten rein materiellen, haben letztlich hier ihre Ursache.

Daher dürfen wir uns nicht mit der reinen Zustandsbeschreibung einer gottlosen, entchristlichten Gesellschaft abfinden - wenn schon eine Europa-Verfassung, dann muß an ihrem Anfang Gott stehen, und zwar der Gott des christlichen Abendlandes. Wird darauf verzichtet, können wir auch gleich auf die ganze EU-Verfassung verzichten.
 
     
     
 
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