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Expo und Informatik-NC: Vision und Wirklichkeit in Deutschland

 
     
 
"Wir sind noch wer!" Die eröffnete Weltausstellung in Hannover soll es der Menschheit zeigen Deutschland ist nicht nur auf der Höhe der Zeit, wir stellen auch die Frage der Zukunf schlechthin: Wie kommen Mensch, Natur und Technik ins Lot?

Zu Recht wendet sich Kanzler Schröder gegen Miesmacherei wie etwa diejenige, daß sic solche Schauen doch erledigt hätten in einer Ära, in der jeder Interessierte alle Wissenswerte "virtuell" auf seinen Computerbildschirm bannen kann. Jene, auc noch so ausgefeilte elektronische Präsentation kann die unmittelbare sinnliche Erfahrun des Neuen nicht ersetzen – das wird die Expo
2000 ihren Besuchern zeigen. Wer nich da war, ist selber schuld.

Aber blicken wir hinter die Kulissen der großen Expo-Bühne Deutschlands, komm Beklemmung auf. Gerade noch wurde uns die Technik-Abstinenz der deutschen Studenten um die Ohren gehauen. Es gibt zu wenig Informatik-Absolventen, per "Green Card" müßten diese nun auf dem ganzen Erdball zusammengesammelt werden.

Kurz darauf der Katzenjammer: Die in den Mittelpunkt gerückten indischen Wunderheile des deutschen Fachkräftemangels nahmen die Botschaft enttäuschend verhalten auf. Gan anders reagierte eine Gruppe von Erdenmenschen, mit der in der aufgeheizten Debatt offenbar niemand mehr gerechnet hatte: die deutsche Jugend selbst.

Kaum war die Botschaft vom Informatikermangel in den Medien, setzten Tausende vo einheimischen Abiturienten zum Sturm auf die Universitäten an, um der Misere schleunigs abzuhelfen. Von wegen – der deutsche Nachwuchs sei träge, unflexibel, ga technikfeindlich! Er reagiert blitzschnell und richtig.

Was nun geschah, macht fassungslos: Die Hochschulen in Berlin, Darmstadt und Dortmun lassen die Rolläden herunter und führen einen Numerus Clausus für Informatik ein, u die Studentenzahlen klein zu halten. Während rund um den Globus nach Experten de Informationstechnologie (IT) gefahndet wird, weist man dem hiesigen Nachwuchs die Tür.

Den einzelnen Unis ist kaum ein Vorwurf zu machen. Ihre jämmerlichen Etats setze ihnen engste Grenzen. Die Politik hat versagt, indem sie die IT-Studienplätze in den 90e Jahren nicht aus-, sondern abbaute. In Hildesheim wurde – unter dem damalige Ministerpräsidenten Gerhard Schröder – 1996 noch der ganze IT-Studiengang komplet gestrichen.

Sofortmaßnahmen, die jetzt großspurig angekündigt werden, sind in der Dimensio kümmerlich. Hinzu kommen strukturelle Verkrustungen: In den USA etwa lehren auc Fachkräfte aus der Wirtschaft zahlreich an den Unis. Dies stellt den erforderliche Praxisbezug her, entlastet die öffentlichen Haushalte und erleichtert den nahtlose Übergang vom Studium zum Beruf. Die weithin umständliche deutsche Hochschulordnung mach die Universitäten offenbar derart unattraktiv für eine Engagement der Wirtschaft, da diese bislang weitgehend die Finger davon ließ.

Es sind abermals also das überholte Regeldickicht, politischer Unverstand un behördliche Schwerfälligkeit, welche die nach wie vor im Übermaß vorhanden Erneuerungskraft der eigenen Jugend lähmen. Wir kennen die Aussagen deutsche Wissenschaftler und Fachkräfte, die ihr Glück letztlich im Ausland suchten, zur Genüge Ja, im Grunde hätte man seinen Weg ja lieber in Deutschland gemacht, aber dies Schwerfälligkeit, die Allmacht der Verhinderer, Bedenkenträger und phantasielose Paragraphenreiter, die habe einen quasi außer Landes getrieben.

Und die spärliche Ausstattung der Hochschulen natürlich: Die staatliche Mittelvergab scheint indirekt in den Händen halboffizieller Interessenverbände und Lobbys zu liegen die ihren ganzen politischen Einfluß aufwenden, um ihre "Töpfe" zu verteidigen. Am Ende wiegen die Bezuschussung von fragwürdigen Stadtteilkulturzentren un "engagierten Initiativen", von Parteistiftungen oder Fahrradbeauftragte schwerer als die Finanzierung von Existenzaufgaben wie Landesverteidigung oder ebe Ausbildung von Technologie-Experten. "Alle müssen sparen", sagt Finanzministe Eichel. Klingt richtig, verrät aber auch einiges über den Verlust der Fähigkeit eindeutige Schwerpunkte zu setzen und dann gegen erheblichen Lobbyistendruc durchzusetzen. Der Wiederaufstieg der US-Wirtschaft in den 80er Jahren hatte radikale Abspecken von Verzichtbarem und massives Investieren in die Zukunftsbereiche zu Voraussetzung. So etwas erfordert freilich Mut und visionäre Kraft.
 
     
     
 
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