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Gedanken zur Zeit: Von Hunnen und Neubürgern

 
     
 
Zwar wird die Anzahl der Bundesbürger immer kleiner, die Meldungen nur darum für "wahr" halten, weil sie sie aus dem Fernsehen oder aus der Zeitung erfahren, doch ist zu befürchten, daß die wirklich mündigen Bürger, die in der Lage sind, selbständig die wirklichen Informationen den Medien zu entnehmen, nicht in der Überzahl sind.

Der im vorigen Jahr verstorbene Publizist Johannes Gross schrieb einmal: "Kluge Herrscher benutzen Sprache, um auch noch den Geist der Untertanen zu beherrschen." Dabei ist es gleichgültig, ob man unter dem "Herrscher" einen autoritären Staatsführer versteht oder die "politische Klasse
", die sich in der Ausübung der Herrschaft einig ist, auch wenn sie unter verschiedenen Parteifahnen einhermarschiert.

Da wird, ohne darüber zu diskutieren, plötzlich wie gleichgeschaltet ein Wort in die Debatte eingebracht, das die Antwort bereits vorwegnimmt. In der jüngsten Zeit war ein Beispiel dafür der Begriff "Zwangsarbeiter" oder noch drastischer "Sklavenarbeiter". Wer wagt zu widersprechen, wenn verlangt wird, für diese offensichtlich malträtierten Menschen müßten viele Milliarden Mark Entschädigungen aufgebracht werden?

Ohne Zweifel sind KZ-Häftlinge, die arbeiten mußten, Zwangsarbeiter gewesen, aber die sind zum allergrößten Teil längst entschädigt worden. Sie erhalten nun zum wiederholten Male Gelder, ohne daß es dafür eine Rechtsgrundlage gäbe. Der andere Teil aber, etwa die Arbeitskräfte, die aus allen Teilen Europas nach Deutschland zur Arbeit kamen, ist in den meisten Fällen freiwillig nach Deutschland gekommen. Sie sind damals entlohnt worden – meist in gleicher Höhe wie die deutschen Arbeitnehmer. Wären sie nicht freiwillig hier gewesen, wie erklärte es sich dann, daß sie auf Kosten der Arbeitgeber nach Hause auf Urlaub fuhren und in der Regel zurückkamen, nicht selten in Begleitung von Freunden und Nachbarn, die auch in Deutschland arbeiten wollten? Aber durch Verwendung der Worte "Zwangsarbeiter" oder gar "Sklavenarbeiter" ist jede kritische Auseinandersetzung mit dem Problem im Keime erstickt.

Ein anderes Beispiel für Manipulation durch das Wort ist der sich durchsetzende Ersatz des Begriffes "Vertreibung" durch "Umsiedlung". Jahrzehnte lang wurden die aus den deutschen Ost- und Südostgebieten Verjagten in der Bundesrepublik als Heimatvertriebene bezeichnet. Die DDR wollte die Vertreibung verschleiern, indem sie jene Menschen in ihrem Bereich "Neusiedler" oder "Neubürger" nannte. Für die Kommunisten gab es keine Vertreibung, höchstens eine "Umsiedlung". Diese Bezeichnung wird zunehmend auch im Westen verwendet. Den Gipfel erreichte weiland Bundespräsident von Weizsäcker, als er in seiner Rede zum 8. Mai aus der Vertreibung eine verniedlichende "erzwungene Wanderschaft" machte.

Die englische Königinmutter ließ kürzlich verlauten, sie benutze für die Deutschen immer noch die Bezeichnung "Huns" = Hunnen. Die Totschlagvokabel war im Ersten Weltkrieg von der britischen psychologischen Kriegführung erfunden, um den deutschen Gegner seines menschlichen Antlitzes zu entkleiden. Eine ähnliche Funktion hatte auf deutscher Seite während des Zweiten Weltkrieges das Wort "Untermensch", das auf vom Bolschewismus geprägte Menschen angewendet wurde. Beides sind Beispiele für die Benutzung der Sprache als Kampfmittel.

Auf Schritt und Tritt begegnen einem solche Manipulationen etwa, indem man für Mecklenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen die Bezeichnung "Ostdeutschland" verwendet, obwohl es sich eindeutig um Mitteldeutschland handelt. Ostdeutschland – das paßt höchstens auf Vorpommern und den östlichen Streifen von Brandenburg sowie für Niederschlesien. Durch die Verwirrung der Begriffe will man vergessen machen, daß der größte Teil Ostdeutschlands von den Siegermächten annektiert wurde.

Ein mündiger Bürger ist nur jener, der die Funktion der Sprache durchschaut und gelernt hat, Begriffsdämonen zu erkennen und zu demaskieren.

 
     
     
 
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