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Hommage an Königsberg

 
     
 
Die Verbindung zu Ostdeutschland ist es, die Bernhard Köster, Halterns Leiter der Stadtbücherei, mittels eines Exlibris auf seinen Namen herstellen wollte. Der Versuch eines anhaltenden Brückenschlags zur deutschen Kultur der Stadt schwebte ihm vor. "Weil mir die Liebe zum deutschen Osten, zu Ost- und Westpreußen mütterlicherseits im Blut liegt." Die Begegnung mit einem in Königsberg lebenden und wirkenden russischen Künstler anläßlich einer Jahrestagung
der Deutschen Exlibris-Gesellschaft in Haltern gab schließlich die Initial- zündung für das sehr dichte, stark narrative Exlibris-Blatt.

Die Erinnerung an ein von Russen geschundenes Königsberg ist für viele noch immer eine offene Wunde. Die Vergangenheit schmerzt. Warum also fiel seine Wahl ausgerechnet auf einen russischen Künstler? "Der Mann, das fühlte ich sofort", so Köster, "hat eine ganz besondere Affinität zu dieser Stadt und ihrem großen Sohn, dem Philosophen Immanuel Kant."

Nicht viel mag übriggeblieben sein von der Geschichte der einstigen Stätte preußischer Krönungen, doch schließt Sergej Tjukanow, der im Herzen von Königsberg sein Atelier hat, die Augen und schaut nach innen, schon fließen die Bilder, laufen ab wie ein Film, denn, wie er sagt: "Hier fühle ich die positive Energie, die hier ausströmt." Das war nicht immer so. Als er sein Atelier in der Nähe eines alten, inzwischen in einen Park umgewandelten Friedhofs hatte, drohten ihn die Bilder zu verlassen.

Für Tjukanow, der vornehmlich seine Kreativität auf großem Raum in Öl und Acryl auslebt, ist inzwischen die Gestaltung von Bucheignerzeichen zur schönsten Nebensache seiner Kunst geworden, wobei sein Mittel zum Zweck die Radierung ist, Zinkätzungen und Aquatinta zum Beispiel. Nicht nur in seinen Exlibris beweist er, daß seine Arbeiten Einheit und Gültigkeit aus einem höchst individuellen, stark surrealistischen Stil entwickelt haben, auch seine Ölgemälde zeugen davon. Seine Nähe zu Hieronymus Bosch und dessen phantastischen Allegorien ist so stark, daß er davon überzeugt ist, in einem früheren Leben dessen Zeitgenosse gewesen zu sein.

Wer sich auf seine Bildwelt einläßt, betritt eine Welt, in der Schiffe abheben und durch die Lüft segeln, wo eine zum Dreispitz umfunktionierte Kogge auf dem Haupt von Kant auf die alte Hansestadt anspielt. Mit seiner Hommage an architektonische Juwelen des alten Königsberg und seinen prominentesten Bürger will er den Betrachter überraschen, ihn bereit machen, alles, was die Seele der Stadt Königsberg ausmachte, ihre Vergangenheit und geistiges Erbe neu zu entdecken und ihr unvergleichbares Fluidum aufzusaugen, neugierig wie ein Kind und durch seine Augen. Eva Masthoff

Sergej Tjukanow: Exlibris im Gedenken an Immanuel Kant und Königsberg (Radierung, 1998)
 
     
     
 
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