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Jagdhaus Pait soll wiedererstehen

 
     
 
Wenn es nach dem Willen und nach der Idee der vor kurzem in Königsberg gegründeten "Stiftung zur Unterstützung des Wiederaufbaus von historischen Denkmälern Pait" geht, soll das ehemalige Jagdhaus des letzten deutschen Kaisers in Pait, Kreis Elchniederung, aus einer Ruine als Jagdhaus und als Begegnungsstätte für Ökotouristen wiederauferstehen. Das Gebäudeensemble soll als Begegnungsstätte und Herberge, als Naturschutzstation für Touristen, Wanderer, Naturforscher, Jäger, Ang- ler und Naturfreunde wiederhergestellt beziehungsweise neu errichtet werden.

Zu der dahinterstehenden Motivation äußerte sich der Mitbegründer der Stiftung, A. L. Drownjaschin, in bemerkenswerter Weise: "Mit stummem Vorwurf und trauriger Hoffnungslosigkeit, wie aus leeren Augenhöhlen, schienen uns die Fenster der ungepflegten Gebäude in Pait anzusehen, als wir das erste Mal dort waren. Seit dieser Zeit stand dieses unser Herz bedrückende
Bild vor unseren Augen, jedesmal mit einem Gefühl von Schuld und nicht erfüllten Pflichten. Die Steine schweigen und haben Geduld. Sie schweigen schon mehr als ein halbes Jahrhundert, langsam vor unseren Augen sterbend. Endlich ist uns klar geworden, daß wir, die Menschen, für sie sprechen müssen. Das Leben dem Jagdhaus Pait wiederzugeben können wir leisten, mit Liebe und Hochachtung an das Land, welches wir jetzt bewohnen!"

Im Detail sah beziehungsweise sieht die Planung der Stiftung vor den Wiederaufbau des Jagdhauses Pait und der umliegenden Gebäude als Basis für Ökotourismus und Jagd, die Schaffung eines historischen Jagd-Museums zur Bedeu- tung und Entwick-lung des Elchwaldes, die Schaffung eines Schulungs- und Bildungs-zentrums für Natur- und Um- weltschutz, Ökotourismus und Jagd sowie die Organisation einerseits von Seminaren zu ökologischen und historischen Themenkomplexen und andererseits von Fotoexkursionen in die Elcheinstandsgebiete.

Hauptsponsor für die Umsetzung der Idee und Konzeption ist das privatwirtschaftliche Unternehmen Baltisches Handels-Industrie-Haus "Ressourcen des Nordens" (OOO Baltijski torgowo-promyshlennij dom "ResursySewera") mit Sitz in Königsberg. Das Unternehmen hat das Grundstück samt Gebäude als Eigentum erworben.

Im ehemaligen Dienstgebäude beim Jagdhaus, das bereits rekonstruiert wurde, ist eine Wohnung für den Verwalter und seine Familie eingerichtet worden, sind Gästezimmer mit Dusche und WC für 15 Personen, ein gemütlicher Kaminsaal und ein kleines Museum neu entstanden. Das Museum enthält zahlreiche Exponate, Gemälde, Fotos, Bücher und auch Trophäen, die von der deutschen Historie Zeugnis ablegen. Das ehemalige Jagdhaus des Kaisers wurde entrümpelt, die zugemauerten Fenster geöffnet, die Bausubstanz gesichert und der weitere Verfall aufgehalten. Im Kanal vor dem Jagdhaus liegen Boote, die zu einer beschaulichen Bootsfahrt auf der Pait, Griebe und Inse bis zum Kurischen Haff einladen.

Die Stiftung hat sich von Anfang an um eine Zusammenarbeit und Kooperation mit interessierten Gruppen aus der Bundesrepublik Deutschland bemüht. Sie hat zwei Informationsbroschüren erstellt und ihr Projekt im Deutsch-Russischen Haus in Königsberg vorgestellt sowie im Internet präsent gemacht. Dort kann man sich unter www.Jagdhaus-Pait.com informieren.

Obwohl bisher aus finanziellen Gründen noch keine größere Reklame für das wiederbelebte Jagdhaus Pait getätigt wurde, fanden doch Gruppen und Einzelpersonen aus der Bundesrepublik Deutschland, Schweden, Norwegen und Rußland den Weg in die Elchniederung. Die Forstvereine aus Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern, Wissenschaftler wie Prof. Dr. Kramer und Prof. Heinz Sielmann, der Deutsche Wirtschaftskreis in Königsberg sowie deutsche Touristengruppen und vertriebene oder geflüchtete Ostdeutschland besuchten bereits das ehemalige kaiserliche Jagdhaus, was die Stiftungsmitglieder für zukünftige Aufgaben sehr motiviert hat.

Seit dem Jahre 2001 wird der Vorstand durch den Berliner Jäger und Naturschützer Jürgen Leiste beraten, den man inzwischen zum Vizepräsidenten der Stiftung ernannt hat. Bestärkt und motiviert fühlt sich der Deutsche, der für Detailfragen unter seiner Telefon- und Faxnummer 0 30/ 2 41 52 60 gerne zur Verfügung steht, in seiner Arbeit und seinem Optimismus nicht zuletzt dadurch, daß er bereits im Großen Moosbruch in Hohenbruch ein Natur- und Umweltschutzzentrum für Kinder und Jugendliche mit dem deutschen Verein Anthropos e.V. schaffen konnte. Hier gelang es durch private Initiative, vor 1945 errichtete Gebäude der staatlichen Mooradministration vor dem Verfall zu retten und einer perspektivischen Nutzung zuzuführen.

In Zusammenarbeit zwischen russischen Mitgliedern der Stiftung Pait und Landsleuten aus der Grafschaft Bentheim sowie aus Berlin konnte auch der ehemalige Friedhof von Inse, der sich in der Nähe des Jagdhauses befindet, wieder als Stätte des stillen Gedenkens errichtet werden. Die Mitglieder der Stiftung Pait sehen es als Akt der Menschlichkeit an, sinnlos verwüstete Gräber wieder in einen würdigen Zustand zu bringen und den Makel der Schändung zu tilgen.

Die Renovierungsarbeiten am Jagdhaus wurden auch im nun zu Ende gegangenen Jahr schrittweise fortgesetzt. So konnten die Dächer des Hauptgebäudes und der Nebengebäude durch Eigenleistung mit den wenigen Tourismuseinnahmen des Jahres instandgesetzt werden. In diesem Jahr nun sollen der Kaisersaal und der Vorplatz des Jagdhauses ein neues Aussehen bekommen, bei den wenigen finanziellen Mitteln kein leichtes Unterfangen

Die Stiftung legt ihren Schwerpunkt auf den Erhalt dieser historischen Stätte und möchte mehr und mehr im Bereich des Ökotourismus mit historischem Hintergrund tätig werden, um auch den weiteren Ausbau finanziell absichern zu können. Sponsoren sind sehr dünn gesät, aber immer herzlich willkommen.

Auf der Habenseite der Stiftung ist zweifellos die einmalig schöne Landschaft der Elchniederung zu verbuchen. Das Jagdhaus Pait liegt malerisch am gleichnamigen Flüßchen Pait auf dem Wege nach Inse, von dem nur noch wenige Fischerhäuser die Zeit überstanden haben. Wie im ganzen Königsberger Gebiet erreicht man die Elchniederung nur über schlechte Straßen. Aber der Schlagbaum an der Gilge-Brücke zwi-schen Heinrichswalde und Kucker- neese ist zeitweise verschwunden, so daß man jetzt leichter die Elchniederung und die verbliebenen Reste der Orte im Kahlen Moosbruch, Seckenburg, Tawellenbruch, Dünen, die Grafschaft Rautenburg mit Rauterskirch oder Tawe und Inse besuchen kann. Nur in das Grenzgebiet zwischen dem russisch und dem litauisch verwalteten Teil nach Elchwinkel, ins Bredschuller Moor an Ruß und Skier-with braucht man noch einen "Propusk".

Nach wie vor bestimmen die Flüsse den Zeitlauf in der Elchniederung. Nur wenige Brücken existieren noch. Deshalb ist eine Bootsfahrt auf der Parwe, Laukne, dem Timber oder Seckenburger Kanal, auf dem Nemonienstrom, der Gilge, Tawelle oder Pait besonders eindrucksvoll. An den Ufern der Flüsse liegen die undurchdringlichen Sumpf- und Bruchwälder des Elchwaldes mit ihren großen Mooren. In dieser Wildnis mit seiner unverwechselbaren Fauna und Flora lebt noch das Wappentier Ostdeutschlands, der Elch, dort leben Biber, Fischotter und Wölfe. Zahlreich sind Wildenten, Reiher, Störche, Schnepfenvögel, und am Himmel kreisen Seeadler. Da kann man schon verstehen, daß Kaiser Wilhelm II. hier mehr als einmal seine Zelte aufschlug. H. J. S. / J. L.

Das Haupthaus: Mit instandgesetztem Dach
 
     
     
 
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