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Kurtchen hat gut gewählt

 
     
 
Der sonnige Morgen hatte Monika T. früh herausgelockt. Sie begab sich, zeitiger als gewohnt, in die Stadt, um ein paar Besorgungen zu machen. Als sie alles erledigt hatte, schlenderte sie über den Rathausplatz, wo sich schon einige Touristen sonnten. Ganz unverhofft begegnete sie hier ihrer langjährigen ostdeutschen Freundin Helga R., die an diesem Morgen ähnlich wie Monika gedacht hatte. Sie freuten sich beide über das Zusammentreffen und fanden auch beide, daß es nun Zeit für eine Tasse Kaffee
sei. Wegen des schönen Wetters setzten sie sich in ein Straßencafé.

"Hier sieht man doch mehr Menschen", meinte Monika. "Wartest auf wem bestimmtes?" neckte Helga sie, Monika lachte. Dann sagte sie: "Ich sitz, seit ich in Rente bin, viel und gern an meinem Küchenfenster, von wo aus ich am besten auf unsere Straße sehen kann. Das hab ich mir so angewöhnt." - "Und? Gibt es da viel Bemerkenswertes?" - "Manchmal ist es ganz interessant zu beobachten, was und wer sich da so zeigt. Bei denen, die immer vorbeikommen, fällt einem schon manches auf."

"Du guckst jetzt so, als wolltest e Beispiel bringen."

"Stimmt! Und zwar fiel mir in letzter Zeit auf, daß der Kurt Kallies, der 2. Vorsitzende von unserem Heimatbund ..."

"Ach, das Kurtche, wie seine Mutter ihn lebenslang nannte."

"Ja der! Mir fiel auf, daß er, seit er verheiratet is, einen viel forscheren Gang hat. Er wirkt jetzt richtig aufgelebt."

"Na, daß er die Marianne zur Frau bekam, ist ja auch e richtiger Glücksfall. So ein liebes Menschenkind! Da wird er den Schmerz um die vor einem Jahr verstorbene Mutter wohl endlich überwunden haben, ohne die ihm sein Leben undenkbar schien, wie er immer sagte!"

"Schade, daß die alte Dame nicht mehr erleben konnte, daß ihr Kurtche sich doch noch in den Hafen der Ehe treiben ließ. Und dazu noch von einer Ostpreußin."

Helga horchte auf. "Eine Ostpreußin ist die Marianne nicht!" - "Aber sicher doch!" - "Nei, nei, Moni, de Marianne ist e gebürtige Schleswig-Holsteinerin!" - "Na, hör mal! Hast du noch nie mitgekriegt, wie die spricht? Bei ihr is in der Aussprache an unverkennbarem Ostpreußisch bald mehr als bei uns beide. Und wir werden doch alle manchmal als ‚Raritäten bezeichnet. Auch in ihrer Art kommt mir de Marianne so ganz vor, wie e Mensch aus unserer Heimat!"

"Das hat andere Gründe, Moni! Die Marianne war ein Waisenkind, und sie wuchs bei ostdeutschen Verwandten auf, die nach dem letzten Krieg als Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein kamen. Diesen Familienbanden blieb sie lebenslang treu. Ihre Art ist das Ergebnis ihres Lebensweges." - "Und das weißt du sicher?" fragte Monika völlig verwundert. "Ganz sicher! Sie hat es mir neulich selbst erzählt."

Monika konnte, was sie da gehört hatte, gar nicht richtig fassen. "So echt! So eingefärbt!" staunte sie ganz unverhohlen. "Ja, und unter Kurtchens Obhut und Einfluß kann davon auch nuscht verlorengehen!" stellte Helga nun heraus. "Ganz gewiß nicht! Bei einem, der bei jeder Zusammenkunft unserer Gruppe ‚Land der dunklen Wälder am liebsten immer zweimal singen lassen möchte, is dahingehend rein gar nuscht zu befürchten!" Diese Tatsache belächelten sie beide. Dann sprachen sie noch dies und das, während sie ihren Kaffee tranken, kamen aber immer wieder auf die Marianne zurück. Beide hatten sie richtig ins Herz geschlossen. "Das Kurtche hat gut gewählt!" Dieser Satz fiel dann auch noch irgendwann, ehe sie auf- brache
 
     
     
 
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