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Mundart erforscht

 
     
 
Schon 1759 gab es ein Mundartwörterbuch, das sich mit dem geographischen Raum Preußen befaßte, das "Idioticon Prussicum" von Johann George Bock (1698-1762). Bock, der Professor für Poesie an der Königsberger Albertina war, fand Anregungen durch das schon 1743 erschienene "Hamburgische Idioticon"; erstmals aber lenkte er das Augenmerk der Sprachforscher auf den Osten des niederdeutschen Sprachraums. Ziel war es, einen Beitrag zu einem allgemeinen deutschen Wörterbuch
zu leisten, auch versprach er sich großen Nutzen für die Weiterbildung der deutschen Schriftsprache und ihrer Ausdrucksmöglichkeiten. Aus dem Gedächtnis zeichnete Bock Ausdrücke auf, die er für typisch ostpreußisch hielt. Rund 600 Stichwörter waren es immerhin in wenigen Tagen. Nicht zuletzt wollte Bock damit auch Anregungen geben, weitere Ausdrücke zu sammeln.

26 Jahre später erschien ein weiteres Mundartwörterbuch, das "Preußische Wörterbuch" von George Ernst Sigismund Hennig (1749-1809), der als Pfarrer in Tharau und an der Löbenichtschen Kirche in Königsberg wirkte. 1801 wurde Hennig zum Professor ernannt. Herausgeber des Wörterbuchs war die Königliche Deutsche Gesellschaft zu Königsberg, die 1741 von Coelestin Flottwell (1711-1759) auf Anraten Gottscheds gegründet worden war, um die deutsche Sprache von fremden, sprich französischen Einflüssen zu reinigen. Hennig wurde 1788 Präsident der Gesellschaft. Sein Wörterbuch umfaßte immerhin schon rund 3.000 Stichwörter, von denen die meisten allerdings nicht zur mundartlichen Wortschicht gehören. Das mag daran gelegen haben, daß Hennigs Gewährsleute und Mitarbeiter meist Gelehrte und (oder) Angehörige der oberen sozialen Schicht waren, nicht vom Lande stammten und die niederpreußische Mundart kaum beherrschten.

Gut 100 Jahre nach Hennig kam dann ein neues "Preußisches Wörterbuch" heraus. 1882 bis 1884 erschien in zwei Bänden die Sammlung des Königsberger Rektors der Altstädtischen Mädchenschule Hermann Karl Frischbier (1823-1891). Der Sohn eines Maurers war vertraut mit der niederpreußischen Mundart und mit den Sitten des Volkes. Schon 1864 hatte er einen Band "Preußische Sprichwörter und volksthümliche Redensarten" veröffentlicht; 1867 folgte eine Sammlung "Preußische Volksreime und Volksspiele". Frischbier standen viele Helfer zur Seite, vor allem Kollegen aus dem Lehrerkreis, aber er wertete auch handschriftliche und gedruckte Quellen aus.

Als dann im Jahr 1911 die Preußische Akademie der Wissenschaften Walther Ziesemer beauftragte, ein Mundartwörterbuch für die beiden Provinzen Ost- und Westpreußen zu schaffen, war es dem Herausgeber ein besonderes Anliegen, "die Kontinuität deutscher Sprache im Nordosten von ihren Anfängen in der Ordenszeit bis in die Gegenwart aufzuzeigen" (Riemann). Ziesemer, 1918 Professor und 1922 Ordinarius für deutsche Sprache und Literatur in Königsberg, bemühte sich, "ein möglichst engmaschiges Aufnahmenetz über das ganze Untersuchungsgebiet zu legen", betonte Erhard Riemann, der bereits während seines Studiums mit Ziesemer am Preußischen Wörterbuch zusammenarbeitete, die Fragebogen verzettelte und Wortkarten zeichnete. Von 1935 bis 1939 dann erschien der erste Band mit 13 Lieferungen im Königsberger Verlag Gräfe u. Unzer; bis zum Sommer 1944 folgten neun weitere Lieferungen. Man war bis zum Stichwort "Fingernagel" gekommen. Um das handschriftliche Wörterbucharchiv - immerhin rund eine Million Zettel - vor der heranrückenden Kriegsfurie zu retten, wurde es in 122 Kisten verpackt und auf ein Gut bei Prenzlau in der Uckermark, eine Ausweichstelle der Preußischen Akademie, verlagert. Seitdem gilt es als verschollen ...
 
     
     
 
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