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Neue Dokumentation

 
     
 
Im Herbst des vergangenen Jahres war der neue Friedhof für die Opfer des Lagers Lamsdorf bei Oppeln (Oberschlesien) in Anwesenheit von Erzbischof Alfons Nossol und Bischof Tadeusz Szurman, polnischer und deutscher offizieller Vertreter, Angehöriger der Opfer sowie zahlreicher Mitglieder der deutschen Volksgruppe eröffnet worden.

Darüber hat das "Kriegsgefangenenmuseum in Lambinowice" (d. i. Lamsdorf, der Verf.) in der Verantwortung des Leiters Edmund Nowak und Prof. Gerhard Bartodziejs (Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit) eine Dokumentation in polnischer und deutscher Sprache vorgel
egt. Sie enthält in alphabetischer Reihenfolge zwei Listen mit den Namen, den Geburts- und Sterbedaten sowie den Herkunftsorten der Ermordeten und Verstorbenen, die 1945/46 ohne jedes gerichtliche Verfahren in diesem polnischen Lager festgehalten wurden.

Die erste Liste umfaßt 726 Namen. Sie wurde aufgrund eines 1992 im Standesamt von Falkenberg (Polnisch Niemodlin) entdeckten und von Dr. Edmund Nowak veröffentlichten Verzeichnisses zusammengestellt.

Die zweite Liste enthält 411 Namen und wurde anhand von Archivmaterialien des Bundesarchivs und des Lastenausgleichsarchivs (Bayreuth) angefertigt. Alle 1.137 Opfernamen, die vom Kind bis zum Greis alle Altersstufen umfassen, sind seit dem vorigen Jahr auf Marmortafeln des Friedhofs eingraviert.

Die Herausgeber der Dokumentation betonen in ihrem Vorwort jedoch, daß das Verzeichnis nicht alle Opfer benennt, da nicht alle Namen bekannt sind. Die Untersuchungen gehen jedoch weiter, und die Tafeln werden beim Bekanntwerden weiterer Opfer ergänzt.

Auch die Herkunftsorte der Gefangenen werden festgehalten. Sie stehen auf Findlingen - insgesamt werden 39 Ortschaften von Jakobsdorf bis Bielitzfelde und Neustadt aufgeführt.

Es ist hier nicht der Ort, die lange Diskussion über die Zahl der Opfer von Lamsdorf, die seit der Veröffentlichung des Lagerarztes Heinz Esser und der Prozesse gegen den Lagerkommandanten Czeslaw Geborski, die sich jahrzehntelang hinzogen, in der Diskussion sind, zu beurteilen. Schon die hier benannten Opfer eines Massenverbrechens im polnisch besetzten Schlesien der Nachkriegszeit lassen die Schrecken der Verfolgung der Deutschen in ihren angestammten Heimatgebieten deutlich werden.

Leider werden die Ursachen dafür in dem um Ausgewogenheit bemühten Vorwort der beiden Herausgeber nicht vollständig genannt. Es waren nicht nur der Stalinismus und der Nationalsozialismus, auf den sich die Täter - von denen ei-genartigerweise überhaupt nicht die Rede ist - gestützt haben.

Auch diese notwendige und begrüßenswerte Publikation bedarf also weiterer Ergänzung und an so mancher Stelle auch der Korrektur. Die Anlage des Friedhofs und die jetzt erschienene begleitende Veröffentlichung sind weitere wichtige Schritte zur Erhellung der Vertreibungsverbrechen an den Ostdeutschen. Rüdiger Goldman
 
     
     
 
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