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Polens Botschafter sprach am Gendarmenmarkt

 
     
 
Die im konservativ-liberalen Spektrum verortete "Preußische Gesellschaft Berlin-Brandenburg" hat ihren festen Platz im politisch-kulturellen Leben der Hauptstadt.

Ihr geht es nicht um eine Wiederherstellung des Staates Preußen oder gar der Hohenzollernmonarchie, sondern darum, in Zeiten allgemeinen Werteverfalls preußisches Gedankengut und preußische Tugenden als Orientierung für das heutige Leben anzubieten. Diesem Zweck dienen regelmäßige Vortrags- und Diskussionsveranstalt
ungen, Exkursionen usw. Die Liste bekannter Referenten ist lang und beinhaltet Namen wie Wilhelm von Boddien, Alfred Dregger, John Kornblum, Jörg Schönbohm, Julius Schoeps oder Erika Steinbach.

Einen Schwerpunkt ihrer Öffentlichkeitsarbeit sieht die Gesellschaft in der Aufarbeitung der preußisch-(deutsch)-polnischen Geschichte. Immer wieder wird hervorgehoben, daß einige Kerngebiete Preußens - Ostdeutschland, Westpreußen, Pommern, Ostbrandenburg und Schlesien - heute zwar nicht mehr zum deutschen Staatsgebiet gehören, jedoch die Geschichte und Kultur, die bis 1945 auf ihrem Boden stattfand, unverzichtbarer Bestandteil des gesamtdeutschen und des polnischen bzw. russischen Erbes bleibt.

Dem Dialog mit dem östlichen Nachbarn diente am 15. Mai ein Vortrag des polnischen Botschafters Jerzy Kranz über "Polen und Preußen - Vergangenheit und Zukunft". Vor einer ebenso großen wie sachkundigen Zuhörerschaft im Nobelhotel "Hilton" am Gendarmenmarkt vermittelte der Referent einen Überblick über die gut tausendjährigen Beziehungen beider Völker. Besonders bemerkenswert waren allerdings seine Ausführungen zur Gegenwart.

Hier plädierte der Botschafter für eine Aufarbeitung des gesamten Vertreibungsgeschehens auf der Grundlage der historischen Wahrheit. Erleichtert werde dieser Prozeß durch den Wegfall des nationalen Traumas deutsch-russischer Bündnisse auf Kosten Polens, so Kranz. Deren jüngstes Beispiel sei bekanntlich der Ribbentrop-Molotow-Pakt gewesen - die "vierte polnische Teilung". Durch die Entwicklungen nach der Wende, vor allem die Mitgliedschaft Polens in der Nato, habe man dieses Damoklesschwert beseitigt. Das gegenwärtige Verhältnis zwischen Polen und Deutschland charakterisierte Jerzy Kranz als "sans souci", obwohl es noch eine Fülle von Problemen zu überwinden gelte.

Letzteres wurde auch in der abschließenden Diskussion deutlich. Zur Debatte über zweisprachige Ortsschilder im grenznahen Bereich sowie in den Siedlungsgebieten der deutschen Volksgruppe wagte der Referent auf Nachfrage die Prognose, daß diese "mit Sicherheit" kämen, jedoch nur im Falle größerer Orte, die für die gemeinsame Geschichte von Bedeutung seien.

Sorgen bereitet dem Botschafter die weitgehende "Sprachlosigkeit" zwischen den Menschen beiderseits von Oder und Neiße, die - besonders ausgeprägt bei den Deutschen - auch in fehlenden Kenntnissen der Sprache des Nachbarn gründe.

Eine interessante Idee vertrat Jerzy Kranz zum umstrittenen "Zentrum gegen Vertreibungen", wobei er betonte, daß es sich um seine eigene Meinung handle.

Er sprach sich im Sinne einer Kompromißlösung für ein gemeinsames deutsch-polnisches Zentrum mit dem Standort Berlin aus, das einerseits eine Begegnungsstätte sein sollte, andererseits die ganze Breite der deutsch-polnischen Historie dokumentieren müsse. Und dazu gehörten eben auch die Vertreibungen von Polen und Deutschen im 20. Jahrhundert.

Obgleich dieser Ansatz insofern problematisch erscheint, als er die ursprüngliche Idee einer Dokumentationsstätte aller an Deutschen (und zwar nicht nur an jenen aus den Oder-Neiße-Gebieten) verübten Vertreibungen extrem verwässern würde, waren sich wohl alle Zuhörer in einem einig: Dieser Berliner Abend hatte einen fruchtbaren Dialog gebracht, den es fortzusetzen lohnt - sei es in Deutschland oder in Pole
 
     
     
 
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