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Programm oder Software?

 
     
 
Politiker aller Parteien setzen sich neuerdings nachdrücklich für den Schutz der deutschen Sprache vor Überfremdung ein. Die Arbeit des Vereins Deutsche Sprache (VDS) zeigt Wirkungen.

FDP-Chef Wolfgang Gerhardt warnt: "Die Flut von Anglizismen, die aus den Medien, der Werbung, Produktbeschreibungen und dem technikgestützten Paralleluniversum auf uns niedergeht, ist eine Gewalt, die nicht vom Volke ausgeht. Sie wird ihm aufgepropft."

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse
(SPD) ruft zum gesellschaftlichen Widerstand gegen die "Sprachverhunzung" auf. Was vor allem in den Medien "an sprachlich-moralischer Verluderung stattfindet, ist immer schwerer zu ertragen".

Der rheinland-pfälzische CDU-Landesvorsitzende Christoph Böhr fordert: "Politik, Sprachwissenschaft und Bildung müssen zusammenwirken. Warum soll in deutschsprachigen Gebrauchsanweisungen und Produktwerbungen nicht ,Rechner‘ statt ,Computer‘, ,Luftkissen‘ statt ,Airbag‘, ,Programm‘ statt ,Software‘ stehen?"

Die Grünen-Politikerin Antje Vollmer, Vizepräsidentin des Bundestages, beklagt: "Schrille, modische und expertenlastige Anglizismen schließen ohne Not viele Menschen von der Verständigung aus."

Bayerns Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU) und Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) äußern Sympathie für ein "Sprachschutzgesetz". Diepgen plädiert für einen "kulturellen Verbraucherschutz".

Als nicht zielführend versteht Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin die Debatte um ein Sprachschutzgesetz: "Wir brauchen kein Sprachschutzgesetz und damit keine Sprachpolizei. Der Staat sollte sich in den Prozeß, dem eine lebendige Sprache immer unterworfen ist, nicht einmischen." Nida-Rümelin warnt vor einer Ausgrenzung des Englischen. "Wir brauchen international in vielen Bereichen eine Lingua Franca." Daß in den Naturwissenschaften und in der Technik, aber auch in der Wirtschaft Englisch zum internationalen Verständigungsmittel geworden ist, sei eindeutig. "Wer dagegen opponiert, der leugnet eine Realität. Mehr noch: er behindert den zunehmend globalen Austausch."

Diese Aussagen Nida-Rümelings nennt der frühere Bundestagsabgeordnete L. Opoczinski, der im Verein Deutsche Sprache (VDS) den Arbeitskreis "CDU für gutes Deutsch" leitet, "im höchsten Maße ignorant". Der Kulturstaatsminister begreife offensichtlich die ganze Problematik nicht und könne daher einer seiner wichtigsten kulturpolitischen Aufgaben nicht nachkommen. Er solle daher zurücktreten. Der Bundespräsident, der unlängst den übermäßigen Gebrauch von Anglizismen als "albern und dumm" bezeichnet hatte, werde diesen Minister "sicher besonders gern entlassen". EB

 
     
     
 
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