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Reemtsma-Schau - Der Lack ist ab

 
     
 
Von der Wehrmachtausstellung des Jan Philipp Reemtsma ist der Lack ab. Das zeigt deutlich das Echo, das sie in Halle an der Saale hervorrief. Zwar verkündete die Ausstellungsleiterin Constance Koch stolz, mehr als 20.000 Besucher hätten die Show gesehen, doch ist das angesichts von über einer Viertelmillion Einwohnern nichts.

Schon in Rendsburg blieb die Besucherzahl weit hinter den Erwartungen zurück. In der kleinen holsteinischen Stadt mit ihren 30.000 Einwohnern sahen sich statt der kalkulierten 20.000 nur knapp 10.000 Besucher die Propaganda
an, von denen 56 Prozent aus Schülern bestanden, die in geschlossenen Klassen durch die Ausstellung geschleust wurden. In Halle an der Saale waren es, obwohl die Stadt fast zehnmal so viele Einwohner wie Rendsburg hat, gerade einmal 20.000, darunter ganz offensichtlich wieder zahlreiche Klassen.

In Halle aber geschah etwas, was bislang in Deutschland noch nie beobachtet wurde: Wieder waren die Schulen aufgefordert worden, die Kinder unter Führung in geschlossenen Formationen durch die Ausstellung marschieren zu lassen. Hier aber mußte die Leiterin Constance Koch beklagen, daß 15 Schulklassen ihren von den Lehrern bereits angemeldeten Besuch wieder absagten. Die Eltern haben sich dagegen gewehrt, daß die Kinder einseitig indoktriniert werden. Die Mitteldeutsche Zeitung, die die Ausstellung kritiklos mit Jubelberichten begleitet hatte, ist betrübt darüber, daß man nicht erfährt, um welche Klassen aus welchen Schulen es sich handelte. Vermutlich hätte sie sonst die Eltern zur Selbstkritik aufgefordert. Der für das Schulwesen zuständige Dezernent Halles winkte ab: Der Elternwunsch sei zu respektieren. Es hat sich eben in Halle einiges geändert.

Die Bilanz sieht trübe aus: In Rendsburg bei 30.000 Einwohnern gute 10.000 Besucher, davon über die Hälfte in geschlossenen Schulklassen; in Dortmund bei weit über einer halben Million Einwohnern 35.000 Besucher, davon 23.000 Kinder in geschlossenen Schulklassen; in Halle an der Saale bei über 250.000 Einwohnern nicht mehr als 20.000 Besucher.

Die Ausstellungsleiterin zieht ein "unaufgeregtes Fazit", wie die Mitteldeutsche Zeitung meint. Sie sagte, während in Leipzig täglich bei der Ausstellungsleitung Anrufe von Senioren und natürlich "Nazis" eingegangen seien, "die sich beschwerten, die Darstellungen seien falsch", sei in Halle "eigentlich nichts passiert". Das dürfte sie falsch sehen. Es ist sensationell, daß sich zum ersten Mal Eltern massiv dagegen gewehrt haben, daß ihre Kinder in die Propagandaschau geschleppt werden. Eltern von 15 Schulklassen sagten "nein" zur Manipulation.

Ob dergleichen in Hamburg geschieht, wo die Ausstellung ihre Endstation findet, bleibt abzuwarten. Die Hallenser Eltern jedenfalls haben ein Beispiel für Zivilcourage gegeben. n

Der Münchner Autor Meinrad Frhr. v. Ow, seit Jahren einer der schärfsten Kritiker der Wehrmachtausstellung, hat seine Broschüre "Fragen und kritische Anmerkungen zur Ausstellung ,Verbrechen der Wehrmacht " zum bevorstehenden Ende der Wanderveranstaltung in dritter, ergänzter und aktualisierter Auflage herausgegeben (Preis: 5 €). Bestellungen werden von deran den Autor weitergeleitet.

Fehleinschätzung: Egal wo die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht" gastiert, die Besucherzahlen bleiben hinter den Erwartungen zurück.
 
     
     
 
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