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Schwerstarbeiter in seinem Beruf

 
     
 
Obwohl er schon vor 17 Jahren die Bühne des Lebens verließ, rufen das Theater und seine Zunft weiter nach Persönlichkeiten wie Werner Hinz. Unsere schnellebige Zeit läßt einen Gedenktag wie diesen leicht vergessen, darum erst recht eine Erinnerung an den Staatsschauspieler zum 100. Geburtstag am 18. Januar. Mit seinem Namen ist eine lange, erfüllte Theaterzeit verbunden. "Er kann scheint s alles", schrieb Friedrich Luft zum 70. Geburtstag 1973, begeistert von dem ungewöhnlich breiten Repertoire des Schauspielers.

Ein Star werden, das wollte der Berliner Kaufmanns
sohn nie, aber nach zwei abgebrochenen Ausbildungen - die Reclam-Bücher immer parat - ging s mit Volldampf zur Bühne. Schon seinen Lehrern fiel die schauspielerische Begabung auf. Der Besuch der Max-Reinhardt-Schule war der erste Schritt zum heiß erträumten Beruf. Hier begegnete er dem gleichgesinnten 26jährigen Hans Schwei-kart, der einer der bedeutendsten Theatermänner des Landes werden sollte. Für Schweikart war der Eleve Hinz "ein blonder, blauäugiger junger Mann, den ich nur Lars Hanson nannte - so sehr glich er dem bezaubernden Jüngling des schwedischen Stummfilms".

Am Deutschen Theater in Berlin debütierte Werner Hinz 1922 als Melchior Gabler in Wedekinds "Frühlings Erwachen". Gesellenjahre, wie er sie nannte, führten ihn nach Wilhelmshaven, Oldenburg, Zürich und Darmstadt. 1932 wurde er ans Deutsche Schauspielhaus in Hamburg engagiert. Zwei Jahre später kam Ehmi Bessel ins Ensemble. Ihrer ersten Bühnenpartnerschaft in "Maria Magdalena" (er der Leonhard, sie die Klara) folgten 45 Ehejahre.

Das Kriegsende erlebte Werner Hinz in Hamburg. In Berlin ging s weiter, an der Volksbühne und ab 1947 am Deutschen Theater, wo auch Ehefrau Ehmi spielte. Hier verkörperte er - wie 1971 am Wiener Burgtheater (Regie: Hans Schweikart) - unter anderem den Schuster Voigt in "Der Hauptmann von Köpenick". 1955 kehrte Hinz an das Schauspielhaus Hamburg zurück, das ihm bis 1978 ein künstlerisches Zuhause wurde. Er war, um drei herausragende Rollen zu nennen, der Willy Loman in "Der Tod des Handlungsreisenden" mit Ehmi Bessel, und, für Strindberg wie geschaffen, der Edgar im "Totentanz" sowie der Rittmeister in "Der Vater" (Regie: Fritz Kortner).

Auch Film und Fernsehen schenkte er seine erstaunliche Wandlungsfähigkeit. Seine erste Tonfilmrolle übernahm Hinz 1935 in "Der alte und der junge König" mit Emil Jannings. Sehr präsent ist sein Konsul in "Die Buddenbrooks" mit Lil Dagover aus dem Jahr 1959.

Werner Hinz war stets bemüht um Einfachheit, ein Streben, das sich bis ins hohe Alter noch verstärkte. Sohn Knut Hinz, der wie die Geschwister Dinah und Michael den Beruf der Eltern ergriff, beschrieb seinen Vater in einem Fernsehporträt als einen Darsteller, "der sich immer auf der Suche nach einer Rolle mit unglaublicher Leidenschaft und Engage- ment in die Aufgabe gestürzt hat und der nie einen verbindlichen oder konventionellen Weg gesucht hat". Ein Schwerstarbeiter in seinem geliebten Beruf, dem Sprache alles war und dem es gelang, so zeigt es sein Erfolg, sich die vielen, vielen Rollen zu eigen zu machen.

Sein Sich-zurück-Nehmen als Schauspieler und Mensch sei, so meint Tochter Dinah, seine große Kraft gewesen. Hermann Hesse widmete Werner Hinz 1947 als Dank für ein Rezitationsprogramm die Zeilen: "Und Du wirst, geborgen kaum/ Dich um neue Leiden mühen/ Und voll Ungeduld den Raum/ Als der jüngste Stern durchglühen."

Der große Menschendarsteller Hinz stand 1984, wieder mit Ehefrau Ehmi Bessel, in seiner letzten Rolle auf der Bühne der Hamburger Kammerspiele. Wie Martin Held in Berlin begeisterte er in "Einmal Moskau und zurück", einem Stück über das Altwerden. Für seine damalige Bühnentochter Margitta Heyn, übrigens aus Bütow in Pommern, war Hinz ein Vater, den sie sich auch privat gewünscht hätte - "diese Beruhigung, die er ausstrahlte, diese Souveränität, diese Güte". Werner Hinz starb am 10. Februar 1985 in Hamburg, einer Stadt, die ihm zahlreiche Sternstunden des Theaters verdankt. Susanne Deuter

Erste Partnerschaft: Werner Hinz mit Ehmi Bessel in "Maria Magdalena" von Hebbel im Deutschen Schauspielhaus Hamburg (1934)

Geplagter und geliebter Patriarch: Werner Hinz als Großvater in der Verfilmung des Romans "Wenn süß das Mondlicht auf den Hügeln schläft" von Eric Malpass unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner
 
     
     
 
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