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Tage voller Harmonie

 
     
 
Das Jubiläum 600 Jahre Stadt Domnau war Anlaß für eine zweitägige Festveranstaltung. Die Stadt, die – im Kreis Bartenstein gelegen – im Jahr 1400 die Stadtrechte erhielt, zählte vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 3000 Einwohner. Heute verdient Domnau mit nur noch 700 Einwohnern kaum mehr die Bezeichnung Stadt. Häuser und Gebäude verfielen im Laufe der Zeit, die Armut
ist offensichtlich. Nichtsdestotrotz ließen es sich die heutigen Bewohner der sogenannten "Siedlung Domnau" nicht nehmen, an die Tradition und Geschichte der einstigen Stadt zu erinnern und das Jubiläum zu feiern. In enger Zusammenarbeit mit einem russischen Festkomitee hatten der gebürtige Domnauer Fritz Schlifski und Helmut Mischke, stellvertretender Vorsitzender der Kreisgemeinschaft Bartenstein, ein Festprogramm entworfen. Und was an diesem Wochenende auf die Beine gestellt wurde, war – angesichts der eingeschränkten Mittel – durchaus sehenswert. Bereits am Sonnabend vormittag versammelte man sich bei strahlendem Wetter auf dem Marktplatz Domnaus. Aus der Bundesrepublik war ein Reisebus mit etwa 45 früheren Domnauern sowie eine Anzahl Landsleute mit Pkws angereist. Auch aus dem polnisch verwalteten Teil des Kreises Bartenstein war erstmals eine polnische Delegation nach Domnau gekommen. Die Bürgermeisterin Domnaus, Tamara Podskotschaja, begrüßte die Einwohner; ein besonderer Willkommensgruß galt der polnischen Delegation und den Gästen aus der Bundesrepublik.

Fritz Schlifski, der sich engagiert für den Ausbau des Domnauer Gemeindezentrums eingesetzt hat, erhielt von der Bürgermeisterin eine Würdigung und ein Geschenk für seinen Einsatz. Schlifski besitzt ein Jahresvisum und war seit 1992 sage und schreibe 51mal in Nord-Ostdeutschland. Am wichtigsten sind für ihn die Begegnungen mit den Menschen. Der engagierte Ostpreuße hat u. a. auch viele Hilftransporte sowohl in den nördlichen als auch den südlichen Teil Ostdeutschlands organisiert und begleitet. Ob groß oder klein – die Domnauer kennen Fritz Schlifski. Wie sehr die Russen deutschen Einsatz und Hilfeleistungen schätzen und natürlich auch brauchen, läßt sich daraus entnehmen, daß die Bürgermeisterin Schlifski als "unseren besten Freund" bezeichnete. Dieser betonte: "Ich bin heute wieder zu Hause" und freute sich, daß alte und neue Domnauer zusammen feierten. Er überreichte der Bürgermeisterin, die bereits seit über acht Jahren im Amt ist, eine Glocke, damit sie sich allzeit "Gehör verschaffen" könne. Eine Seite der Glocke zierte das alte Domnauer Stadtwappen – die goldene Adlerklaue. Ob dieses Wappen nicht vielleicht wieder für Domnau eingesetzt werden könnte? Die Bürgermeisterin schien dieser Anregung von Fritz Schlifski nicht abgeneigt zu sein.

Die Bürgermeister der umliegenden Kreise überbrachten Grußworte, Glückwünsche und Geschenke zum Jubiläum. Einstimmig wiesen sie darauf hin, daß es ein "Tag der Freude" sein solle. Der Bürgermeister von Friedland betonte, daß kein Haß mehr zwischen den Völkern herrsche, sondern vielmehr die Idee eines vereinten Europa sich Raum schaffe. Die polnische Delegation war besonders gespannt auf "die russische Seite" und bedauerte, daß die langen Wartezeiten an der russisch-polnischen Grenze einen Austausch einschränkten.

Anschließend berichtete eine alte russische Einwohnerin von ihrer Ankunft und ihrem Einzug in Domnau direkt nach dem Zweiten Weltkrieg: "Es war hier alles so schön". Daß es wieder bergauf geht und schöner wird, hat sich Bürgermeisterin Tamara Podskotschaja zum Ziel gesetzt: "Wir machen alles mögliche, um diese Siedlung schöner zu machen". Im Rahmen des "Projekt 2000" werden die Bürgerinnen und Bürger Domnaus ausgezeichnet, die ihre Häuser und Gärten besonders gut herrichten und pflegen. Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten rief die Bürgermeisterin einige Bewohner auf und zeichnete sie mit kleinen Geschenken aus.

Der Chor und eine Tanzgruppe des deutsch-russischen Hauses aus Königsberg sangen deutsche und russische Lieder und führten in farbenfrohen Trachten Volkstänze auf. Auch eine Bartensteiner und eine Domnauer Kindertanzgruppe tanzten und sangen auf dem großen Marktplatz. Nach einem Mittagessen im Gemeindehaus – einem ehemaligen Speicher, der inzwischen unter Federführung Schlifskis ausgebaut wurde – versammelte man sich zu einer kurzen Andacht im Turm der Domnauer Kirche. Das Gotteshaus wird heute zwar als Kornspeicher genutzt, hat aber vor einigen Jahren ein neues Dach erhalten, so daß das Gebäude vor dem weiteren Verfall geschützt ist. Die Kosten für die Dacherneuerung wurden von der Gemeinschaft evangelischer Ostdeutschland sowie von früheren Domnauern aufgebracht.

Am nächsten Tag folgte nach einem Frühkonzert des Blasorchesters Königsberg vor dem Gemeindezentrum der Gottesdienst im Kulturhaus mit Propst Wolfram aus Königsberg, der seiner Gemeinde das Bibelwort "Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn" ans Herz legte. Die heutigen Bewohner Domnaus forderte er auf, ihre Fähigkeiten einzusetzen, die Häuser in Ordnung zu bringen und an einer positiven Entwicklung mitzuwirken. Er hob besonders Gerda Schmidts und Maria Hundsdörffer hervor, die mit ihrem humanitären Einsatz wichtige Anstöße zu einer besseren Entwicklung gegeben haben. Dem 1995 auf deutsche Initiative gegründeten Domnauer Lebensmittelladen gaben die Russen deshalb den Namen "Gerda-Maria". Der Gottesdienst, der in deutsch und russisch gehalten wurde, das gemeinsame Singen der alten Kirchenlieder, schufen eine alles überbrückende Verbindung zwischen Deutschen und Russen. Die Vision eines versöhnten Miteinanders wurde Realität.

Nach den Liedern und Aufführungen der evangelischen Kindergruppe aus der Umgebung Domnaus war der weitere Tagesverlauf geprägt durch Gespräche und persönliche Begegnungen. Es waren Tage der Harmonie. Caroline Meier

 

 
     
     
 
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