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Vielfältiges Angebot unter einem Dach

 
     
 
Weiß glitzert der Schnee auf den Berggipfeln in der Sonne. Eine Gruppe von Skifahrern saust überschwenglich den Berg hinab, verschwindet aus dem Blickfeld. Das Bild wird dunkel, nur der Schriftzug "Willkommen in der Schweiz" zeichnet sich ab, dann verschwindet auch er, und das Oberlicht geht an. Gegen die plötzliche Helligkeit anblinzelnd lauschen die etwa 20 Zuschauer des Filmvortrages der Einladung des Schweizers Herrn Hämmerli zum Buffet. Der Eidgenosse hat vor kurzem ein Restaurant in Memel eröffnet und umwirbt nun im Simon-Dach-Haus Mitglieder des dort ansässigen "Vereins der Deutschen in Klaipeda".

Bei Wein sowie Pflaumen- und Nußküchlein findet sich das Publikum schnell in Grüppchen zusammen. Die Altersgruppen sind sehr gemischt, man redet hier Deutsch, dort Litauisch. Einige schauen sich auch die ausgestellte Sammlung alter Memeler Postkarten
an, die unter anderem auch zahlreiche Gebäude zeigt, die nur wenige Schritte Fußmarsch entfernt auch heute noch in der Altstadt zu besichtigen sind.

Arnold Piklaps, der Geschäftsführer des Simon-Dach-Hauses, geht von Gruppe zu Gruppe und findet für jeden Besucher ein paar nette Worte. Einige kennt er, Anfang 30, schon fast sein Leben lang, andere zeigen erst seit kurzer Zeit Interesse am Programm des Vereins, der 1989 gegründet worden ist. Seit Oktober 1996 hat dieser sein Domizil in den schön renovierten Räumlichkeiten am Rande der Altstadt. Neben dem Vorführraum mit modernster Technik, der auch als Theater nutzbar ist, verfügt das Haus über eine kleine Bibliothek mit klassischer wie aktueller deutschsprachiger Literatur, Schulungsräume, von denen einer seit 2000 mit Computern inklusive Internetanschluß ausgestattet ist, und Büroräume. In einem der Büros hat der deutsche Verein "Edelweiß-Wolfskinder" seinen Sitz. Auch die Redaktion der Deutschen Nachrichten für Litauen ist in den Räumlichkeiten angesiedelt. Die Redakteurin Jovita Sauleniene erstellt die achtseitige in Deutsch und Litauisch erscheinende Monatszeitung. Hier werden neben dem Programm und den Berichten über Veranstaltungen im Simon-Dach-Haus auch Informationen über die Geschichte Memels und wichtige Meldungen aus der Bundesrepublik Deutschland den Abonnenten nahegebracht, die überwiegend Angehörige der deutschen Volksgruppe in Litauen sind.

An die 600 Mitglieder hat der Verein, allerdings besucht nur ein kleinerer Teil von ihnen die Veranstaltungen, da viele abgeschieden auf dem Land wohnen und für die überwiegend älteren Menschen die Anreise beschwerlich ist. Allerdings nutzen in letzter Zeit auch ver-

mehrt Nichtmitglieder das Angebot. Deutsch- und Computerunterricht, Chor, Theater und Literaturabende ziehen auch immer mehr Litauer an. Dies muß auch sein, denn die Förderung durch die Bundesrepublik Deutschland endet im Jahr 2006. Geschäftsführer Arnold Piklaps wirkt darüber erstaunlicherweise gar nicht so unglücklich. "Vorher", sagt er, "war es egal, was wir angeboten haben, die Finanzierung stand. Heute müssen wir uns immer mehr überlegen, wie wir so viele Leute wie möglich anlocken können. Das ist zwar anstrengend, aber auch reizvoll." Dank der "Anfangsfinanzierung" durch die Bundesregierung bieten die Räumlichkeiten hierfür zumindest schon einmal eine gute Ausgangslage für die verschiedensten Projekte. Zudem hat das Haus auch noch ein ordentlich eingerichtetes Apartment, das Besucher der Stadt an der Memel günstig mieten können. Auch der urige, vor allem von Jugendlichen besuchte Bierkeller im Untergeschoß ist eine Einnahmequelle.

Für die Vorsitzende des "Vereins der Deutschen in Klaipeda", Magdalena Piklaps, ist der Erhalt des Simon-Dach-Hauses bedeutungsvoll. "So wie ein Mensch, hat auch ein Haus seine eigene Biographie und seinen Lebensstil. Das Schicksal eines Hauses wird geprägt von dem Ort, an dem es steht, und von den Menschen, die in diesem Haus arbeiten und es besuchen. Zweifels-

ohne wird die Geschichte des Hauses auch von der Zeit ,geschrieben . Wenn einem Haus wie einem Menschen der Name gegeben wird, wächst es in die Ewigkeit hinein und wird zu einem Symbol. So ist es auch mit dem Simon-Dach-Haus."

Simon-Dach-Haus: "Das Schicksal eines Hauses wird geprägt von dem Ort, an dem es steht, und von den Menschen, die in diesem Haus arbeiten und es besuchen ... Wenn einem Haus wie einem Menschen der Name gegeben wird, wächst es in die Ewigkeit hinein und wird zu einem Symbol." (Magdalena Piklaps)

 
     
     
 
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