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Wenn Menschen sterben

 
     
 
Wer einmal am Bett eines Sterbenden gesessen, wer die Hand dieses Menschen gehalten und ihm zugehört hat, der wird diese Momente kaum vergessen. Man möchte Trost spenden und kann es nicht. Man möchte - bei nahen Angehörigen - noch einmal all das sagen, was man in guten Zeiten sich nicht zu sagen getraut hat. Und der Sterbende? Kann er sagen, was ihm auf dem Herzen liegt, was ihn bewegt in den letzten Tagen und Stunden? Kann er darüber sprechen, welche Ängste und Hoffnungen ihn bewegen? 23 Frauen und Männer haben das Schweigen gebrochen und mit der Journalistin Beate Lakotta gesprochen, über ihre Empfindungen, ihre Gedanken über den Tod und die Frage nach dem Danach. Der Fotograf
Walter Schels hat die Gesichter der Männer und Frauen mit der Kamera festgehalten und überaus eindrucksvolle Porträts geschaffen.

Die Fotografien, aufgenommen kurze Zeit vor und unmittelbar nach dem Tod, ergreifen. Zu sehen sind sie derzeit auf einer Wanderausstellung und in einem Buch, das unter dem Titel Noch mal Leben vor dem Tod. Wenn Menschen sterben (Deutsche Verlagsanstalt, München, 224 Seiten mit 71 Duotone-Abbildungen, gebunden mit Schutzumschlag, 39,90 Euro) erschienen ist.

Kaum etwas geschieht heute so im Verborgenen wie das Sterben. Menschen werden in Krankenhäusern in die kleinsten Zimmer abgeschoben, wo sie ihren letzten Stunden entgegensehen. Kaum einer, der noch zu Hause sterben darf. Einigen ist es vergönnt, in einem Hospiz dem Tod schmerzfrei und so bewußt wie möglich zu begegnen. Beate Lakotta und Walter Schels, die für ihre Arbeit mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurden, haben diese Hospize aufgesucht und Menschen am Ende ihres Lebens porträtiert.

Die Ausstellung "Noch mal Leben" ist bis zum 28. August im Mainzer Dom- und Diözesanmuseum zu sehen, vom 9. September bis 9. Oktober im Kreuzherrensaal im ehemaligen Kreuzherrenkloster Memmingen, vom 26. Oktober bis etwa 10. Januar 2006 im Berliner Willy-Brandt-Haus und vom 14. Mai bis 3. August 2006 im Kunstmuseum des Schweizer Kantons Thurgau in der Kartause Ittingen, Warth.

In einer Zeit, da Sterben immer noch ein Tabuthema ist, sind Ausstellung und Buch zweifellos ein wichtiger Beitrag zum Thema Lebensende. Sie sind unsentimental und dennoch berührend; sie machen sogar Mut, im Tod auch eine Erlösung zu sehen. "Der Umgang mit sterbenden Menschen kann Alltag werden, aber keine Routine", schreibt Beate Lakotta und zitiert eine Schwester in einem Berliner Hospiz: "Man denkt, man härtet ab, aber das Gegenteil ist der Fall. Man weicht auf." "Unsere Vorstellung vom Sterben", so Lakotta, "ist während dieser Arbeit konkreter geworden. Natürlich haben wir dabei oft an unseren eigenen Tod gedacht, und das verändert den Blick auf unser Leben. Wir möchten keine einzige Begegnung missen." Es waren Begegnungen mit Menschen, die sich in ihr Schicksal dreingaben, aber auch mit solchen, die ihre Ängste hinausschrien, Menschen wie du und ich eben.

 Gesichter eines Menschen: Im Alltag eine Kämpferin, im Tod friedlich und entspannt
 
     
     
 
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