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Der Schakal

 
     
 
Scharfen Tobak verbreitete dieser Tage die Berliner "taz", die eine äußerst kluge Geschichte über einen Mann veröffentlichte, dessen Markenzeichen ein roter Schal war und der auch die erste rotgrüne Koalition in den Mauerabbau führte. Frech und dennoch treffend titelt das linke Blatt "Mein Gott, wo ist Walter?". Als Hoffnungsträger habe ihn die SPD zum Herausforderer von Diepgen ausgewählt.

Doch kein Lästern, keine Seitenhiebe, keine rüden markigen Parolen mehr. Vom "König Momper" der 80er Jahre
ist nicht mehr viel übriggeblieben. Die "taz": "Von pointierten Positionen ist der brave Mann weiter entfernt denn je. Und was er auch immer verspricht, etwa die Rücknahme der Koalitionsvereinbarung zur Einführung von Hilfssheriffs, mag man ihm nicht so recht glauben."

Wahrlich keine gute Nachricht, die hierbei den SPD-Spitzenkandidaten, der immer so sehr auf seine Beliebtheit im Ostteil der Stadt pocht, getroffen hat. Aber auch andere Blätter wie die "Berliner Zeitung" sind Momper nicht übermäßig wohl gesonnen. Bissig schrieb die "Welt am Sonntag": "Nach der Maueröffnung meinte Berlins (damals noch) Regierender Bürgermeister Walter Momper, es gehe um Wiedersehen und nicht um Wiedervereinigung. Danach wurde er abgewählt. Jetzt kandidiert er wieder – und murrt gegen Pläne, die ein Stück Mauer zur Erinnerung aufbauen wollen.

Eine Art Hammerschlag bekam der wendehälsige SPD-Spitzenkandidat dieser Tage vom "Berliner Tagesspiegel" verpaßt. Nichts schien an Besonderem geschehen zu sein. Alle Welt – auch in Potsdam – wußte, daß Momper nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik Anfang der 90er Jahre mit katzenhafter Geschwindigkeit zu einem handfesten Baulöwen mutierte. Jetzt aber ließ der clevere Momper ausgerechnet in Potsdam sein, wie es im Volksmund heißt, Momper-Center bauen, das ihm noch viel Ärger bereiten dürfte.

Nicht nur etwa eine Stadtvilla mit Arztpraxen oder Altenheimen soll es sein, sondern auch ein großflächiges Einkaufszentrum ist vorgesehen. Das hat jetzt die Potsdamer insgesamt einigermaßen auf die Palme gebracht, denn in der einstigen Residenzstadt der Hohenzollern ist seit 1990 Center um Center entstanden. Das Ergebnis ist, daß die Fußgängerzone in der barocken Altstadt immer mehr benachteiligt wird.

Besonders kurios ist, daß die bis heute noch immer umstrittene und monströse Anlage "Potsdamer Center" nahe dem Bahnhof noch nicht einmal eröffnet ist. Nun soll nur ein paar Minuten entfernt davon das Momper-Center entstehen. Nur zu verständlich, daß nicht nur bei den Potsdamer Bürgern, sondern auch bei der Stadtverwaltung und da vor allem bei Oberbürgermeister Mathias Platzek Ärger zu Tage tritt. Im übrigen könnte Momper in die pikante Situation geraten, daß er im Berliner Wahlkampf auf die PDS einhauen und sie – umgekehrt – für sein Potsdamer Bauvorhaben hätscheln müßte.

Was sich beim immer noch nicht geklärten Abgang von Ziehvater Lafontaine abzuzeichnen begann, ist dieser Tage Möglichkeit geworden: Vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus rangiert die SPD weit hinter der CDU. 36 Prozent für die CDU, aber nur noch 27 Prozent für die SPD. Die Grünen kämen zwar auf 14 Prozent, würden aber eine Mehrheit im Abgeordnetenhaus nicht erreichen.

 
     
     
 
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