A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
     
 
     
 

Aufbau und Missionierung

 
     
 
Als Bischof Friedrich v. Hausen im Jahre 1274 verstorben war, wählte das von ihm 1264 verkleinerte und in den Deutschen Orden inkorporierte kulmische Domkapitel den Ordensbruder Werner aus seiner Mitte zum Nachfolger. Der Elekt Werner begab sich nach Lyon, wo Papst Gregor X. längere Zeit Hof hielt und wo der neue Erzbischof Johann I. von Riga seine eigene Konfirmation betrieb. Als Metropolit von Preußen erlaubte der Erzbischof dem Elekten, sich von einem beliebigen Bischof weihen zu lassen, befahl ihm aber gleichzeitig, den Obödienzeid auf ihn zu leisten.

Bereits im März 1275 siegelte Bischof Werner seine erste Urkunde in Kulmsee. Das erhaltene Siegel zeigt ihn mit erhobener Schwurhand und mit dem Bischofstab in der Linken.

Bischof Werner von Kulm (1274–1291) stammte aus Deutschland, jedoch sind Einzelheiten seiner Herkunft und seines Lebenswegs nicht überliefert.

Wegen der Besitzungen des Bistums Kujavien auf kulmischem Gebiet geriet Bischof Werner mit dem benachbarten Bischof Thomas von Plotzk in Streit, obwohl dessen Vorgänger auf alle Rechte im Kulmerland Verzicht geleistet hatte. Um 1251 war Bischof Andreas von Plozk mit Ländereien im Löbauer Gebiet, nahe der masowischen Grenze, abgefunden worden. Erst 1289 gelang Landmeister Meinhard von Querfurt bei einem Treffen in Thorn die Schlichtung. Bischof Thomas erhielt als Zugabe das Gut Orseschau samt Kirche sowie 40 Hufen Land.

Im Jahre 1291 verlieh Bischof Werner seinem Domkapitel 300 Hufen Land mit dem Berg "Cornichium" in der Löbau, auf dem um 1300 die Kapitelsburg Kauernik erbaut wurde.

Am 17. Juni 1291 erteilte der Landmeister Meinhard von Querfurt der Stadt Graudenz das Gründungsprivileg. Offensichtlich war hieran der Kulmer Bischof beteiligt, denn das Siegel der Stadt zeigt den Bischof auf einem mit zwei Türmchen verzierten Thron sitzend.

Nach einem 17jährigen Pontifikat verstarb Bischof Werner von Kulm am 20. Oktober 1291.

Bischof Heinrich Schenk (1292–1301) konnte schon bald die Nachfolge antreten, nachdem er als Mitglied des Kulmer Domkapitels von diesem erwählt worden war. Mit seinem Kapitelbruder Mag. Heinrich von Münsterberg war er nach Livland gereist und hatte dort durch den Erzbischof Johann die Konfirmation empfangen. Wenig später wurde ihm die bischöfliche Weihe erteilt.

Sein Siegel von 1293 ist überliefert. Es zeigt ihn im Bischofsornat mit Stab. Die Umschrift lautet: + FRIS • HEINRICH • DEI • GRA • CVLMENSIS • EPI.

Bischof Heinrich entstammte einer Ministerialenfamilie aus Deutschland; der gelegentlich erwähnte Beiname Pincerna weist hierauf hin. Um 1291 erschien er als "frater Hinricus" unter den Kanonikern des Kulmer Kapitels. Demnach ist er wohl Priesterbruder des Deutschen Ordens
gewesen.

Aus seiner neun Jahre dauernden Amtszeit als Bischof von Kulm sind keine Besonderheiten überliefert. Bischof Heinrich starb am 25. November 1301.

Bischof Hermann v. Oettingen (1303–1311) stammte aus Böhmen. Er war als Deutschordenspriester seit 1294 Beichtvater des Königs Wenzel II. von Böhmen (1278–1305) aus dem Hause der Przemisliden gewesen, das traditionell gute Beziehungen zum Deutschen Orden hatte. Das Domkapitel von Kulm entsprach bereitwillig dem Wunsch König Wenzels und wählte den Ordensmann zum Bischof. Offenbar bereiteten auch die Bestätigung durch den Erzbischof und die Weihe bei der hochrangigen Fürsprache keinerlei Schwierigkeiten.

Die erste Urkunde des neuen Bischofs stammt vom 16. Mai 1303, und sie ist mit seinem Siegel versehen. Es zeigt ihn mit Bischofstab und erhobener Schwurhand. Die Umschrift hat den Text: + S • FRATRIS • HERMANNI • DEI • GRA • CVLMENSIS • ECCLIE • EPI.

In der Jacobs-Kirche zu Thorn deuten noch teilweise erhaltene Buchstaben des Tonplattenfrieses im Chor auf sein Wirken hin; unter der Jahreszahl 1309 kann man noch heute lesen: … VENERABILIS DOMINVS HERMANNVS EPISCOPVS …

Bischof Hermann wählte Löbau zum neuen Sitz der Kulmer Bischöfe. Bereits sein Vorgänger hatte mit dem Wiederaufbau der von den Sudauern um 1269 zerstörten Stadt und Burg begonnen. Beide waren ringsum von Gräben und Mauern umgeben und bildeten eine Einheit. Bereits zu Beginn seiner Amtszeit erteilte der Bischof seiner Residenzstadt die Handfeste. Deshalb wohl zeigt das alte Stadtsiegel von Löbau den Bischof zwischen zwei Bäumen stehend.

Fast fünf Jahrhunderte hindurch blieb Löbau Bischofssitz, bis die Residenz um 1781 nach Kulmsee zurückverlegt wurde. Bald danach verfiel das Schloß, das nach einem Blitzschlag ausgebrannt war. Es wurde abgebrochen bis auf das alte gotische Torgewände, das noch heute von der einstigen Größe der alten Bischofsburg kündet.

Im eigentlichen Kulmerland entstand während der Amtszeit Bischof Hermanns ein bischöfliches Schloß am Ufer des Friedecksees. Es lag am Rande der späteren Stadt Briesen, die nacheinander die Namen Wambrez, Vrambesia, Wredeck und Friedeck hatte. Sie verdankt ihr Entstehen diesem Bischof, wenn auch bereits Bischof Heidenreich (1245–1263) um 1251 den Bau einer Stiftskirche in Vambresia (Briesen) angeordnet hatte, die um 1300 in Stein erbaut worden ist.

Nach einer segensreichen Amtszeit verstarb Bischof Hermann am 13. Juni 1311.

Als sechsten kulmischen Bischof wählte das Domkapitel aus seinen Reihen im Wege des Kompromisses den Domherrn Eberhard. Doch als dieser gemeinsam mit einem Abgesandten des Kapitels zum Metropoliten nach Riga reiste, verweigerte Erzbischof Friedrich (1304–1341) ihm genauso wie vorher den Elekten von Pomesanien und Samland Bestätigung und Weihe. Das Verhalten des ordensfeindlichen Metropoliten ist mit andauerndem Streit zwischen ihm und dem deutschen Orden zu erklären.

Alle drei Erwählten gingen daraufhin an den päpstlichen Hof in Avignon, um dort ihre Einsetzung zu betreiben.

Nach Verhandlungen mit der Kurie beauftragte Papst Clemens V. den Kardinaldiakon Jacob Colomna mit der Prüfung der Wahlverfahren.

Durch den Tod des Papstes im Jahre 1314 verzögerte sich die Angelegenheit erheblich. Sein Nachfolger Johannes XXI. erneuerte zwar den Untersuchungsauftrag, doch noch vor der Entscheidung verstarb der kulmische Elekt Eberhard im August 1318 in Avignon. Jetzt stand die Besetzung des Bischofsstuhls dem Papst selber zu, denn alle an der Kurie erledigten Bistümer waren den Päpsten reserviert.

Der erwählte Kulmer Domherr Eberhard hat also nie die Weihe als Bischof erlangt.

Nunmehr konnte Papst Johannes XXI. (1316–1334) seinen favorisierten Beichtvater providieren. Bischof Nicolaus I. Afri (1319–1323) wurde durch die päpstliche Provisionsbulle vom 18. Oktober 1319 eingesetzt, die auch eine ausführliche Darstellung der Untersuchungsergebnisse enthielt. Die Bischofsweihe nahm Kardinalbischof Berengar von Tusculum am päpstlichen Hof zu Avignon vor.

Als erster Bischof von Kulm nannte sich der Neue "Bischof von Gottes Gnaden und des apostolischen Stuhls Klugheit".

Dieser Bischof entstammte dem polnischen Adelsgeschlecht Powal. Er war Dominikaner und als solcher zuerst Prior in Krakau, danach bis 1318 deren Provinzialprior für Polen und zuletzt Pönitentar, d. h. der Beichtvater des Papstes.

Herkunft und fehlende Bindung zum Deutschen Orden führten sogleich nach seiner Ankunft in Kulm zu heftigem Streit. In einer Beschwerdeschrift erhob der neue Bischof schwere Vorwürfe gegen den Orden. Seine Stellung im Land war derartig schlecht, daß er sein Bistum schon bald wieder verließ. In seiner kurzen Amtszeit waren ihm keine Erfolge beschieden.

Bischof Nicolaus I. starb bereits am 27. September 1323 am päpstlichen Hof zu Avignon.

 

 
     
     
 
Diese Seite als Bookmark speichern:
 
     
     
     

     
 

Weitere empfehlenswerte Seiten:

e

Die Briten gründen Niedersachsen

Leiden im Verborgenen

 
 
Erhalten:
kulmer land
bischof der heimatvertriebenen
 

 

   
 
 
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
WISSEN48 | ÜBERBLICK | THEMEN | DAS PROJEKT | SUCHE | RECHTLICHE HINWEISE | IMPRESSUM
Copyright © 2010 All rights reserved. Wissensarchiv