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Brauchtum damals: Eine Ausstellung rund um die Hochzeit

 
     
 
Zweene schlaffen sichrer ein,/ können sichrer wache seyn/, zweene mögen fester stehn, und dem Glück entgegen gehn ...", dichtete Simon Dach (1605-1659) in seinem Lied "Einsamkeit bringt lauter Noht". Der Memeler schrieb unzählige geistliche und weltliche Lieder, vor allem solche zu Hochzeiten oder zu Taufen. Am bekanntesten ist wohl sein heute noch gern gesungenes Hochzeitslied für Anna Neander: Anke van Tharaw - ein Inbegriff zarter Liebespoesie.

Nicht immer waren es Liebesheiraten, die unsere Vorfahren schlossen, oft spielten auch wirtschaftliche oder andere "vernünftige" Gründe eine nicht unerhebliche Rolle. "Vernünftig" war es auch, wenn in ländlichen Gebieten die Menschen sich meist im Herbst ihr Jawort gaben - wenn die Ernte eingefahren war. Vorher jedoch bemühten sich die Brautwerber (in Masuren) oder die Hochzeitsbitter (im Ermland), um auf die Hochzeit aufmerksam zu machen und die Gäste zu laden. Stolz ritt er daher, der Hochzeitsbitter, auf einem Schimmel, in der rechten Hand einen mit einem Kranz geschmückten Stock. - Oft genug gab es bei dieser Gelegen- heit ein Schnäpschen oder mehr, und mancher Hochzeitsbitter soll Schwierigkeiten gehabt haben, sein Haus sicher zu erreichen ...

Überhaupt war das leibliche Wohl bei einer Hochzeit nicht zu unterschätzen. In Ostdeutschland wurden Äpfel, Nüsse und Fladen unter das Volk verteilt. Und die geladenen Gäste wurden mit einem üppigen Mahl verwöhnt, das bis zu vier Stunden dauern konnte. Anschließend wurde gescherbelt und geschwoft. Daß dies so manches Mal überhand nahm, mag man daran erkennen, daß eine Landesverordnung 1760 im Ermland verbieten mußte, mehr als 24 Gäste zu einer Hochzeit einzuladen. Besitzer und Schulzen (Bürgermeister) durften 16, Instleute und Tagelöhner acht Gäste laden. Außerdem war das Schießen auf einer Hochzeit strengstens verbote
n!

Polterabend wurde selbstverständlich auch gefeiert, um die bösen Geister zu verscheuchen. Einige versuchten es mit ausgedientem Porzellan, das auf die Erde geschleudert wurde, andere mit wassergefüllten Flaschen, die gegen die Wand des Hochzeithauses prallten und dort zerplatzten. Überhaupt spielte der Aberglaube eine nicht unerhebliche Rolle beim Hochzeitmachen: So soll man sich während der Hinfahrt zur Kirche nicht umsehen und den Wagen nicht anhalten, sonst gibt es ein Unglück. Nur einen Myrtenkranz zur Trauung mitnehmen, bei zweien stirbt der Mann bald nach der Hochzeit! Vor dem Altar dicht beeinander stehen, damit sich der Tod nicht dazwischen drängen kann. Für die Braut: Während der Trauung auf dem Rock des Bräutigams knien, dann hat sie in der Ehe später das Sagen. Nach der Trauung auf dem Weg vom Altar nach draußen nicht umsehen, sonst holt der Tod bald einen der Eheleute ... Und wenn dann endlich alles geklappt hat, dann wird so mancher zufrieden seufzen: "Op jeden Pott paßt n Deckel." So lautet denn auch der Titel einer Ausstellung, die noch bis zum 9. November im Kreismuseum Prinzeßhof in Itzehoe bei Hamburg, Kirchenstraße 20, zu sehen ist (dienstags bis sonntags 10 bis 12 Uhr und 15 bis 17.30 Uhr). Gezeigt werden Gegenstände, Kleider, Fotos und Dokumente rund um die Hochzeit, darunter kostbare Brautkleider (die erst seit dem 20. Jahrhundert in Stadt und Land weiß waren, ansonsten trug man festliche dunkle Kleidung) aus verschiedenen Epochen. Besonders sehenswert Kleider aus dem 18. und 19. Jahrhundert, aber auch Braut- und Trachtenkronen aus Schleswig-Holstein sowie Aussteuer und Brautschmuck. Im Heimatmuseum am Wasserturm 4 A in 25551 Hohenlockstedt werden parallel dazu eine Liebeslaube, aber vor allem Informationen und Exponate zu Trauungen in der Nachkriegszeit gezeigt (sonntags 14 bis 17 Uhr). Peter van Lohuizen

Brautpaar im Jahr 1887: Erst seit dem 20. Jahrhundert trägt die Braut üblicherweise ein weißes Kleid, zuvor war es meist ein dunkles, vor allem aber festliches Kleid
 
     
     
 
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