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Brutstätte für Terroristen

 
     
 
Bei Anschlägen in Großbritannien und Indien wie auch bei den Taliban in Afghanistan scheinen viele Spuren nach Pakistan zu führen. Ist also auch Pakistan ein „Schurkenstaat“? Nein – zumindest solange Washington den pakistanischen Militärmachthaber Muscharraf als Erfüllungsgehilfen im „Krieg gegen den Terror“ sieht. Dieser Krieg im Namen des Phantoms Demokratie ist  de facto ein Krieg gegen „islamisch
en Terror“, und darum fällt es den Islamisten leicht, ihn ihrerseits als „Kreuzzug“ darzustellen. So ergänzen einander die Propagandalügen beider Seiten, denn keinem paßt es ins Konzept, daß auch die Konflikte in und um Pakistan vorwiegend ethnische Ursachen haben.

Gewiß, die Entstehung Pakistans 1947 war vom Gegensatz zwischen Islam und Hinduismus geprägt, denn die „All-indische Muslim-Liga“ wollte einen gemeinsamen Staat für alle Muslime des Vielvölkerreichs Britisch-Indien. Ein Problem war aber, daß es nicht nur islamische und hinduistische Gebiete, sondern auch gemischte gab (und in Indien weiterhin gibt). So kam es zwischen Indien und Pakistan zu einem „Bevölkerungsaustausch“, der mindestens 15 Millionen Menschen betraf und 750000 Todesopfer kostete. Ein Sonderfall war Kaschmir mit zwar weitgehend muslimischer Bevölkerung, doch einem hinduistischen Herrscher, der für Indien optierte: Kaschmir wurde geteilt und war Anlaß für zwei indisch-pakistanische Kriege.

Ein anderes Problem war, daß Pakistan aus zwei weit von einander entfernten Teilen bestand, deren ethnische, kulturelle und ökonomische Unterschiede sich als unüberbrückbar erwiesen – trotz „gemeinsamer Religion“. So kam es 1971 zur Unabhängigkeit des ethnisch fast homogenen Ostteils, der seither Bangladesch heißt.

Die Bewohner des Westteils, der den Namen Pakistan beibehielt, sprechen zwar indoiranische Sprachen, aber die Staatsgrenzen gehen quer durch das Gebiet der vier wichtigsten pakistanischen Volksgruppen. Dieser Umstand und die Unzugänglichkeit von Grenzregionen machen es fast unmöglich, die Staatsgrenzen zu überwachen. Zudem kontrolliert die Regierung kaum die Hälfte des Staatsgebiets, also nur die Ballungszentren und die Garnisonen. Im Rest des Landes, vor allem in Gebirgsregionen, herrschen Stammesgesetze. Einzig die Armee hält den Staat zusammen, und deshalb tritt Präsident Muscharraf meist in Uniform auf.

Auch die Parteinahme der Pakistaner im Nahost-Konflikt rührt nicht bloß daher, daß Jerusalem als drittheiligste Stätte des Islam gilt. Noch gewichtiger ist, daß das „antiimperialistische“ und „friedliebende“ Indien seit Jahrzehnten enge Beziehungen zu Israel unterhält, was vor allem die Atom- und Raketenrüstung der beiden beflügelte – und Pakistan zum Rüstungswettlauf anspornte.

Ethnische und religiöse Zersplitterung, enorme soziale Unterschiede, eine rückständige Wirtschaft, die äußere Bedrohung und obendrein eine korrupte, US-hörige Regierung – all das macht Pakistan zum Nährboden radikaler, antiwestlicher Emotionen, die in den tausenden Koranschulen nur noch religiös „legitimiert“ werden müssen. Daß davon einiges auf Briten pakistanischer Herkunft und Muslime in Indien abfärbt, kann kaum verwundern, denn beide Gruppen haben manchen Grund, sich als Bürger zweiter Klasse fühlen: In Europa hat sich „Multikulti“ längst als brandgefährlicher Volksbetrug entpuppt, und in Indien sind die 135 Millionen Muslime nicht zuletzt deswegen stark unterrepräsentiert, weil sie meist Nachfahren von „Kastenlosen“ sind, die zur Zeit islamischer Herrscher durch Konversion zum Islam dem Kastensystem zu entfliehen hofften.

 

Pakistan in Zahlen

Mit 166 Millionen Einwohnern ist Pakistan der zweitgrößte muslimische Staat (nach Indonesien). Über 96 Prozent der Pakistani sind Muslime, meist Sunniten.

Das Siedlungsgebiet der vier größten Volksgruppen Pakistans ist durch Staatsgrenzen geteilt: Von 100 Millionen Pandschabi leben 30 Prozent in Indien. Von 33 Millionen Paschtunen oder Pathanen leben 13 Millionen in Afghanistan, wo sie die größte Volksgruppe sind. Von 20 Millionen Sindhi lebt ein Teil in Indien, und von sechs Millionen Belutschen je ein Teil in Iran und Afghanistan. Amtssprachen sind Urdu und Englisch. Urdu, das in arabischer Schrift (ergänzt um einige Zeichen) geschrieben wird, ist allgemeine Verkehrssprache. Der Analphabetismus liegt zwischen 40 Prozent bei Männern und 70 Prozent bei Frauen.
 
     
     
 
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