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Delegation aus Plön besuchte Ragnit

 
     
 
Der Kreis Plön beabsichtigt, mit dem Rayon Ragnit, dessen Territorium dem des Kreises Tilsit-Ragnit entspricht, einen Partnerschaftsvertrag abzuschließen.

Obwohl der Kreis Plön 1989 den Patenschaftsvertrag mit der Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit mit einer Stimme Mehrheit aufgekündigt hatte, bestanden weiterhin gute Kontakte zur Kreisverwaltung. Bei den letzten Gesprächen Ende letzten und Anfang dieses Jahres wurde uns mitgeteilt, daß die Patenschaft nicht wieder ins Leben gerufen würde, aber die Absicht bestehe, eine Partnerschaft mit dem Rayon Ragnit einzugehen.

Wir konnten den Kreistag von Plön überzeugen, daß sich eine Delegation vor Ort ein Bild vom Zustand machen sollte. Es lag auch eine Einladung zum Stadtfest und dem 715. Jahrestag der Ordensburg Ragnit von dem dortigen Landrat Alexander Melnikow vor. Dieses Fest sollte Ende Mai 2004 in Ragnit stattfinden.

Zwei Tage vorher war es dann soweit. Um 9.40 Uhr hob der Flieger von Hamburg nach Polangen ab. Die Delegation bestand aus sechs Mitgliedern des Kreistages Plön und mir als Kreisvorsitzenden von Tilsit-Ragnit. Delegationsleiter war der Landrat des Kreises Plön, Dr. Volkram Gebel. Die anderen Kreistagsmitglieder waren Wolfgang Reinhardt, Erster Stellvertretender Kreispräsident; Anne-

liese Schwalbe, CDU-Fraktion, Mitglied des Hauptausschusses; Bernd Biemann, Vorsitzender der SPD-Fraktion; Dr. Klaus Thies, Vorsitzender der FWG-Fraktion, und der Schulrat Lothar Kamb.

Nach der Ankunft in Ragnit wurden wir durch den Landrat Alexander Melnikow vom Rayon Ragnit und dessen Mitarbeiter empfangen. Bei den ersten Unterredungen wurde deutlich, wie viel Bedeutung die russische Seite diesem Besuch beimißt, und auch bei den abendlichen Gesprächen kam immer wieder zum Ausdruck, wie wichtig es wäre, einen Partnerschaftsvertrag abzuschließen. Dr. Gebel sagte, die Reise erfolge nicht nur wegen der historischen Verbindungen - viele Ostdeutschland hätten in Schleswig-Holstein
und besonders im Kreis Plön nach dem Zweiten Weltkrieg Zuflucht und eine neue Heimat gefunden -, sondern auch, um nach der EU-Osterweiterung mit dem Königsberger Gebiet gute nachbarliche Beziehungen zu pflegen.

In weiteren Gesprächen mit dem Landrat Alexander Melnikow stellte die Delegation aus Plön nicht nur Verständnis für die Heimatvertriebenen fest, sondern auch den Willen der russischen Offiziellen, am sehr schlechten Zustand der hinterlassenen Häuser und Kulturdenkmäler aus der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg etwas zu ändern. Allerdings gäbe es im gesamten Oblast keine Ziegelei.

Das Ergebnis der Reise: Es kam ein Memorandum zustande, in dem mögliche Ziele einer Partnerschaft formuliert wurden. Jetzt muß der Kreistag in Plön entscheiden. Die Beratungen sollen nach den Sommerferien aufgenommen werden.

Am zweiten Reisetag wurde eine Besichtigungsfahrt nach Königsberg unternommen. Die Route führte über Kraupischken, wo auch das vom örtlichen Schulleiter Juri Userzow eingerichtete Museum mit seinen interessanten Exponaten aus der Zeit vor und nach der Eroberung Ostdeutschlands durch die Rote Armee besucht wurde. Nach der Stadtbesichtigung und einem Besuch in der evangelischen Kirche in Königsberg hatten wir einen Termin in der Duma des Königsberger Gebietes. Empfangen wurden wir von dem Sprecher des Parlaments, Vladimir Nikitin. Die Gespräche dauerten rund eine Stunde. Nikitin erläuterte die Schwierigkeiten im mittleren Ostdeutschland. Wir konnten Fragen stellen, auch zur jetzigen Situation der Exklave nach dem Beitritt der unmittelbaren Nachbarn in die EU. Bei allen Fragen bekamen wir die Antwort, die Entscheidungen würden in Moskau getroffen.

Am darauffolgenden Tag begannen das Stadtfest und die Feierlichkeiten zur 715-Jahrfeier Ordensburg Ragnit. Zum Beginn wurde ein Bildnis vom Zaren Peter dem Großen, das an der Burgmauer angebracht ist, feierlich enthüllt und eingeweiht.

Danach folgte ein farbenprächtiger Umzug durch die Stadt mit allen Delegationen und Bürgern zum Stadion. Der deutsche Generalkonsul in Königs-berg, Dr. Cornelius Sommer, und der litauische Konsul nahmen an den Feierlichkeiten teil. Es folgten Festansprachen. Zu den Rednern gehörten unter anderem Dr. Cornelius Sommer, Landrat Dr. Volkram Gebel und ich, mit Übergabe eines Geschenks. Das vielfältige Programm mit farbenprächtiger Folklore und Ritterspielen zeigte das ungeheuer reiche kulturelle Leben in dem Rayon Ragnit.

Am Rande der Feiern hatte ich die Gelegenheit, mit dem Generalkonsul Dr. Sommer ein längeres Gespräch zu führen. Er hat mir zugesagt, beim Kinder- und Jugendaustausch bei der Visumbeschaffung behilflich zu sein. Am Abend, zum Abschluß der Feiern, fand an der Burgruine ein großes Feuerwerk statt.

Am anderen Tag reiste die Delegation aus Plön Richtung Bundesrepublik Deutschland ab. Die Delegationsteilnehmer waren von der Offenheit der russischen Gesprächsteilnehmer überrascht und waren sich einig, daß man die Verbindung nicht nur aus historischen Gründen, sondern auch wegen künftiger Entwicklungen nicht abbrechen sollte.

Unterzeichnung des Partnerschaftsmemorandums: Die Landräte von Plön und Ragnit, Dr. Volkram Gebel (2. von links) und Alexander Melnikow (2. von rechts) Foto: Preuss

 
     
     
 
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