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Die Gesundheitswurzel Meerrettich kam einst im Gepäck von Händlern und Kreuzrittern aus Westasien

 
     
 
Die sich in unserer Heimat schon seit etwa 1000 Jahren wohl fühlende, anspruchslose Pflanze mit dem wissenschaftlichen Namen Amoracia rusticana wird felderweit angebaut, sie macht sich in Klein- und Bauerngärten breit, siedelt sich aber auch auf Schutthalden an und wird geschätzt, ja geliebt. In Deutschland heißt die Zugereiste zu Unrecht Meerrettich, denn sie gedeiht zwar auch in der dem Meer nahen Marsch gut, aber die Küstenbewohner sind nicht so erpicht auf das scharfe, zwieblige Aroma der Wurzel, das sie "Bauernsenf" nennen, wie etwa die Bayern, die unbedingt zu ihren geliebten Weiß- und Rostbratwürsten "Kren" verlangen.

Die sehr geschätzte Gewürz- und Heilpflanze mag einst im Gepäck der Händler und Kreuzritter aus Westasien und der Landschaft zwischen Wolga
und Don nach Mitteleuropa gekommen sein. Im Morgenland gehörte Meerrettich neben Koriander, Salat, Nessel und Andorn zu den fünf bitteren Kräutern, die am jüdischen Passah verzehrt wurden zu ungesäuertem Brot und Schaf- oder Ziegenlamm.

Die dicken, fleischigen Meerrettichwurzeln halten sich lange in feuchter Erde frisch. Weil bei uns winters der Boden gefriert, lagert man sie im frostfreien Keller in Sand. Vor dem Verbrauch wird die braune Haut abgeschält, die dann weiße Stange fein zerrieben und mit etwas Zitronensaft oder Essig beträufelt, damit das rohe Kren-Mus hell bleibt. Mit geschlagener süßer Sahne vermischt, ist es eine delikate Beigabe zu edlem Fisch, gebratenem oder gekochtem Rindfleisch und gibt pikanten Rahmsoßen die besondere Würze.

Am besten gedeiht der Meerrettich auf lockerem, nährstoffreichem Boden. Wer im Mai ein etwa acht Zentimeter langes Stück Meerrettichwurzel schräg-waagerecht in die Erde steckt, kann bereits im September die vielleicht vier Zentimeter dicke, sechzig Zentimeter lange Hauptwurzel ernten. Es ist ratsam, zwischendurch die sich bildenden Seitenwurzeln abzustechen. Das üppig sprießende Grün der riesigen, saftigen Blätter mit dicker Mittelrippe darf auch sehr bald gezupft, gehackt und rohen Salaten, Gemüse-Eintopf oder Suppen als vitamin- reiches Gewürz beigegeben werden. Frische Scheiben der Krenwurzel werden gern als Würze zum Einlegen von Gurken und Roten Beeten genutzt.

Daß Meerrettich den Appetit anregt und die Verdauung fördert, vermerkte bereits der römische Schriftsteller Plinius (79-24/23 v. Chr.) in seinen Aufzeichnungen, und im 12. Jahrhundert pries die heilkundige Äbtissin Hildegard von Bingen diese Pflanze in ihrer "Physica". Viele Mönche bereiteten Meerrettich-Medizin aus der Ernte in ihren Klostergärten. Heute wird vor allem in Franken diese robuste Droge für die Pharmazie angebaut und aus anderen europäischen Ländern und Nordamerika eingeführt. Sie wird eingesetzt gegen mikrobielle und gramnegative Erreger.

In der Volksheilkunde wurde das Wissen um die Heilkraft der unkompliziert anzubauenden, rasch wachsenden Wurzel von Generation zu Generation weitergereicht, und sie beweist ihre Heilkraft heute wie ehedem.

Das geriebene Wurzelfleisch des Meerrettichs, vermischt mit der gleichen Menge Bienenhonig oder Rohrzucker, ist wirksam gegen grippale Infekte, Erkrankungen der Atemwege, Harnwegsinfektionen, Verdauungsstörungen. Man nimmt davon dreimal täglich einen Teelöffel voll, aber nicht mehr, weil sonst die Schleimhäute angegriffen werden. In homöopathischer Verdünnung ist auch Meerrettichsaft ein gutes Mittel gegen Husten und Asthma, Nieren- und Blasenbeschwerden.

Die Wirkstoffe des Meerrettichs sind das Allylsenföl, Phenylsenföl und die Glycosinolate Sinigrin und Gluconasturtin.

Geriebener Meerrettich, vermischt zu gleichen Teilen mit Mehl und Schmalz oder Öl und auf ein Leinentuch gestrichen, gilt in der Volksmedizin als schmerzlinderndes Mittel gegen Gelenkschmerzen, Muskelrheumatismus und auch gegen Hautkrankheiten. Allerdings soll man eine solche Packung nicht länger als zehn Minuten auf der Haut belassen, damit diese nicht durch das scharfe Senföl angegriffen wird.

Der vitaminreiche Meerrettich putzt den Magen aus, tötet Kolibakterien. Darum ist diese beliebte Gewürz- und Heilpflanze eine sehr kostengünstige Medizin. Der Anbau im Hausgarten lohnt. - Man sollte ihr einen Platz einräumen, auf dem sie sich jahrelang ausbreiten darf. Denn selbst wenn man meint, gut geerntet zu haben, bleiben gewiß noch feine Haarwurzeln im Erd-reich zurück, die sich im nächsten Frühling wieder zu 80 bis 150 Zentimeter hohen Pflanzen entwickeln können. Zwischen Juni und Juli treiben ihre Blütenstände mit zahlreichen Trugdolden in die Höhe mit wohlriechenden Blüten auf fünf bis sieben Millimeter langen Stielen. Vier weiße Kronblätter, fünf bis sieben Millimeter lang und verkehrt eiförmig, umgeben die Staubblätter um eine breite, gewölbte Narbe. Die kleinen kugeligen Samen dieser Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler wachsen in Schötchen. Die sind glatt und springen weit, wenn sie ausgereift ihre Schutzhülle sprengen. Ab September kann die Krenwurzel geerntet werden, und in allen Monaten, die ein R in ihrem Namen tragen, also nicht im Mai, Juni, Juli und August. Anne Bahrs
 
     
     
 
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