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Die andere Vergangenheit

 
     
 
Die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Marienfeld (CDU), beklagt die Verunsicherung der Bundeswehrsoldaten.

An Gründen führt sie in ihrem kürzlich erschienenen Jahresbericht auf: Finanzielle Unterversorgung, überfällige Strukturreform der Bundeswehr, Ausrüstung und Positionsbestimmung der deutschen Armee in der demokratisch organisierten Gesellschaft und Überreaktion von Vorgesetzten bei soldatischem Fehlverhalten während der Friedensmission im Kosovo.

Frau Marienfeld scheidet nach fünfjähriger Amtszeit mit der Begründung aus, daß sie gehe, weil sie zum Teil wisse, was auf die Bundeswehr zukomme; der Spagat werde für sie zu weit.

Ein wesentlicher Punkt wurde in ihrem Bericht offenbar nicht erwähnt oder in Kommentaren vergessen zu behandeln: Die sogenannte Anti-Wehrmachtausstellung – offiziell firmierend: "Vernichtungskrieg – Die Verbrechen der Wehrmacht
1941–1945". Sie wurde zwar geschlossen; Bilder sollen abgehängt und Texte korrigiert werden; Termine für weitere Vorführungen – bisher stets öffentlich gefördert – wurden abgesagt.

Aber aus den USA hörte man bereits Ende 1999 von einem aus Israel stammenden amerikanischen Zeitgeschichtler namens Omer Bartow (45), daß die Antiwehrmachtschau nach ihrer Säuberung von falscher Dokumentation dringend nach New York kommen müsse, um dem amerikanischen Publikum, das die Angehörigen der Deutschen Wehrmacht für die tapfersten und fairsten Soldaten in der ganzen Welt hält, endlich die Augen zu öffnen: "80 Prozent von den Abermillionen deutschen Soldaten waren an den Massentötungen im Osten beteiligt oder haben davon gewußt", heißt es in der "Welt" vom 29. Oktober 1999.

Hierzulande weiß nun jedermann, zumindest jeder aufgeweckte, Zeitung lesende Bundesbürger, daß keine 80 Prozent der in der Reemtsma-Show gezeigten Bilder ("Fotomontagen" müßte man sagen) und Texte korrekte, sprich: echte, ernst zu nehmende Dokumente von Verbrechen deutscher Soldaten waren.

Unverständnis löst Omer Bartows Feststellung zumindest bei den Betroffenen in Deutschland aus, daß die Heimkehrer aus sowjetischen Kriegsgefangenenlagern "Kriegsverbrechen" – von denen sie zumeist nichts gewußt haben – "verdrängt" hätten. Von den in Rußland, aber auch in westalliierten Gefangenenlagern nach Kriegsende umgekommenen Soldaten und Zivilisten spricht niemand: Wer hält die Erinnerung an diese Verbrechen wach?

Sind hier nicht die Bundesregierung und selbstverständlich auch der Bundestag endlich aufgerufen, sich schützend vor die gefallenen und noch lebenden Soldaten des Weltkrieges II zu stellen, ihre grundgesetzlich garantierte Würde zu verteidigen und einen Auslandseinsatz der Volksverhetzung betreibenden Ausstellungsmacher Reemtsma und Gehilfe Heer zu verhindern?

Der Staatsminister Dr. Naumann – zuständig für Kultur im Bundeskanzleramt – hat auf Anfrage die Ausstellung als "Privatsache" und damit sich und die Regierung für unzuständig erklärt; auf weitere Hinterfragen hat er gar nicht mehr geantwortet – so reagieren Ämter auf Bürgeranregungen!

Aber es kommt noch schlimmer: Der Herr Kulturbeauftragte schweigt auch zu dem Vorschlag, eine Ausstellung gegen die Grausamkeit jeglichen Krieges und nachgewiesene Verbrechen einzelner oder von politischen Organisationen im und nach dem Kriege auf allen Seiten der Teilnehmerstaaten zu initiieren.

Quintessenz: Reemtsma und Heer dürfen die Deutsche Wehrmacht en bloc und damit zugleich jeden Soldaten und seine Angehörigen und Erben diffamieren. Wer sich als Zeitzeuge dagegen wehrt und Kritik anmeldet – etwa durch Strafanzeige gegen die beiden Veranstalter – wird in die rechtsradikale Ecke gestellt, zumindest aber von behördlicher Seite "abgeschmettert".

Hier haben wir es mit zweierlei Maß bei der grundgesetzlich garantierten Meinungsfreiheit zu tun – was wiederum "politisch korrekt" ist. Wehe dem, der gegen den staatlichen Stachel löckt!

Von Politikern kaum erkannt: Der bis heute unterbliebene Protest von Regierung und Parlament gegen die "Wehrmachtausstellung" hat angesichts breiter Ablehnung von Wehrpflicht und Militär schlechthin in Kreisen der im Reichstag residierenden Parteien ganz zwangsläufig auch Auswirkungen auf Anerkennung und Vertrauen zur Bundeswehr sowie Wohlbefinden oder Frustration der Soldaten aller Dienstgrade.

Hier sind Grundgesetzverletzungen im Gange, die schwerer wiegen und den Volkssouverän mehr bewegen als die Skandale von Schwarzen Konten: Regierung und Opposition müssen reagieren!

 
     
     
 
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