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Die grauen Zellen in Gang halten

 
     
 
Inzwischen ist es auch der Bundesregierung aufgefallen: Immer mehr ältere Menschen werden von den Firmen in die Frühverrentung abgeschoben, so daß in Deutschland nur noch 38 Prozent der 55- bis 65jährigen in einem Arbeitsverhältnis stehen. Dies ist keineswegs EU-üblich, da zum Beispiel in der Schweiz noch 65 Prozent und in Schweden sogar 68 Prozent dieser Altersgruppe im Berufsleben stehen. Doch Deutschland wirft seine "Alten" einfach aus dem geschäftigen Alltagsleben hinaus, und obwohl man heute rein gesundheitlich und angesichts der gestiegenen Lebenserwartung
mit Mitte 50 keineswegs zum alten Eisen gehört, werden die Unternehmen am liebsten die "Senioren" los. Jung und dynamisch soll die Belegschaft sein, dabei wird fast immer vergessen, daß die "Alten" meist auch eine Menge an Berufserfahrung besitzen, doch die scheint heute nichts mehr wert zu sein.

Die Hamburger Personalagentur "FiftyPlus" sieht das anders. Die Agentur vermittelt "Interimmanager", das sind Führungskräfte, die über einen gewissen Zeitraum in bestehenden Firmen aushelfen. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, doch "FiftyPlus" hat das Potential der abgeschobenen "Alten" erkannt und vermittelt so ausschließlich Manager über 50 Jahre an Firmen mit Beratungsbedarf. Das Unternehmen hat zur Zeit rund 300 Personen "im Angebot", die als Führungskräfte in den unterschiedlichsten Bereichen aktiv waren, nun ohne Aufgabe dastehen, ihr Wissen aber noch gerne weitergeben wollen.

Die Gründe als Unternehmen mit den von "FiftyPlus" vermittelten Managern zusammenzuarbeiten sind vielfältig. So können beispielsweise Familienunternehmen von dem Wissen der erfahrenen Manager profitieren, wenn sie sich für den derzeitigen Markt fit machen wollen. Auch bei wirtschaftlichen Krisen im Unternehmen hilft "FiftyPlus" als "Feuerwehr" aus. Aber vor allem wenn eine Firma sich in neuen Bereichen ausprobieren will, kann "FiftyPlus" Wissen vermitteln.

So beispielsweise bei der Möbel-manufaktur "Phase 4". Das Unternehmen will sich von einem Handwerks- zu einem mittelständischen Industriebetrieb wandeln, doch das erfordert Kalkulationen, einen klaren Geschäftsplan sowie ein gutes Marketing. Während dieser Planungs- und Umsetzungsphase soll nun ein 61jähriger von "FiftyPlus" vermittelter Fachmann aushelfen. Dieser hat zuvor 32 Jahre als Manager bei einem großen Mineralölkonzern an den verschiedensten Standorten in Europa Erfahrungen sammeln können, doch mit gerade mal 56 Jahren wurde auch er in den Ruhestand verabschiedet. Zwar ist er, wie die meisten Manager bei "FiftyPlus", nicht auf die zusätzlichen Einnahmen angewiesen, doch "will er seine grauen Zellen in Gang halten".

Zwischen 350 und 1.300 Euro pro Tag plus Spesen muß ein Unternehmen für den Manager auf Zeit zahlen, dafür ist er aber auch auf Abruf bereit, gibt dem Unternehmen neue Impulse und kann mit seinen Erfahrungen auch noch helfen, Fehler zu vermeiden. Doch "was hinterherhinkt, sind die Anfragen seitens der Firmen, obwohl die Vorteile, einen Interimmanager einzusetzen, so sehr auf der Hand liegen", stellt der Geschäftsführer Jens-Uwe Köster mit Bedauern fest. Dies läge aber vor allem an dem mangelnden Bekanntheitsgrad der Problemlösung "Manager auf Zeit". Die Tatsache, daß vielen bestehenden Aufträgen später Anschlußaufträge folgen, ist für ihn jedoch ein Zeichen dafür, daß die Kunden mit den Leistungen der von ihm vermittelten Fachkräfte zufrieden seien.

Fritz Hegelmann

Hilfreiche Beratung: Ältere und erfahrene Fachleute unterstützen nicht nur junge Unternehmer
 
     
     
 
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