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Dienen und Verdienen: Hitlers Geschenke an seine Eliten

 
     
 
Wovon lebte eigentlich de "Führer"? Obwohl Adol Hitler bis 1925 niemals und in den Jahren danach nur sporadisch als Steuerzahler in Erscheinung getreten war, konnte er sich bereits im Jahre 1928 das Haus auf de Obersalzberg kaufen. In seiner Münchener Zeit war er als Vorsitzender der NSDAP, durc Redenhonorare, veruntreute Anteile an Parteispenden, Zuwendungen aus geheimen Fonds de Reichswehr und Geschenke von wohlhabende
n Familien und Industriellen gut versorgt. Nac der Machtergreifung konnte er als Reichskanzler und Reichspräsident das doppelte Gehal einstreichen. Reich machten ihn jedoch – neben der jährliche "Adolf-Hitler-Spende der Deutschen Wirtschaft" – die Tantiemen, die er fü "Mein Kampf" und für die "Führer"-Briefmarken kassierte. Zuletz dürfte Hitler, der seit 1934 von allen Steuerzahlungen befreit war, mehrere Hunder Millionen Reichsmark Vermögen gehabt haben – nach heutiger Kaufkraft ei Milliardenvermögen.

Ueberschär, bis 1996 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Militärgeschichtliche Forschungsamt, und Vogel, Brigadegeneral a. D. und ehemals im Streitkräfteamt in Bonn tätig (und dort als Zuarbeiter des umstrittenen Reemtsma-Institutes in der Kritik) analysieren in ihrem Buch eine bisher wenig behandelte Seite de Nationalsozialismus: nämlich die Korruption im "Dritten Reich" und die schamlose Selbstbedienungsmentalität der Führungsschicht.

Es geht um Dotationen, das heißt um Schenkungen Adolf Hitlers an seine Paladine und a die politischen und militärischen Machteliten. Diese Dotationspraxis läßt sich bis in 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Könige vergaben Grundeigentum oder höhere Geldbeträg für besondere, vor allem militärischen Leistungen. Friedrich Wilhelm III. beispielsweis belohnte nach den Befreiungskriegen Blücher und Hardenberg jeweils mit 450 00 Talern, damals enorme Summen. Die bekanntesten königlichen Schenkungen durch Wilhelm I waren diejenigen an den Reichskanzler. Im Jahre 1867 erhielt Bismarck die Herrschaf Varzin, ein Rittergut, zu dem 11 000 Morgen Wald gehörten. Vier Jahre später bekam e den Domanialbesitz Schwarzenbek mit dem umliegenden, 25 000 Morgen großen Sachsenwald.

Solche Dotationen wurden in früheren Jahrhunderten noch in selbstverständliche Offenheit, oft sogar während eines Staatsaktes, als Zeichen fürstlicher Huld und Gnad vergeben. Aber bereits in der Weimarer Republik verfügte Reichspräsident von Hindenbur nur noch über bescheidene Haushaltsmittel, die er für "besondere Notfälle" einsetzen konnte. Adolf Hitler übernahm diese "Verfügungsmittel de Reichspräsidenten", außerdem setzte er die Finanzmittel, über die er als Reichskanzler gebot (das waren noch 1944/45 etwa 40 Millionen Reichsmark), für die systematische Korrumpierung von Machteliten ein. Die ehemals öffentlich herausgestellte kaiserlichen Dotationen wurden nun in aller Heimlichkeit vergeben – und änderte dadurch ihren Charakter.

Hitler nutzte von Anfang an die Dotationen als Machtmittel. Er achtete deshalb stren darauf, daß er über sie allein verfügen konnte. Zum Kreis der Dotationsempfänge gehörten Feldmarschälle, Generale und Admirale, Minister und Staatssekretäre NSDAP-Gauleiter und andere hohe Partei-Funktionäre, außerdem Künstler, Architekten un Freunde und Bekannte Hitlers. Einigen verschuldeten hohen Funktionären half Hitler aus um für die Partei peinliche Offenbarungseide zu verhindern. So wurde Reichswirtschaftsminister Walther Funk 520 000 Reichsmark (RM) gezahlt, weil er sich bei Ausbau seiner Sommerresidenz übernommen hatte.

Ueberschär und Vogel beschreiben – gestützt auf umfangreiche Archivstudie – sehr detailliert Dutzende solcher Schenkungen. Anhand zahlreicher Fallbeispiel belegen sie die nicht selten exzessive Geldgier einiger Parteigenossen. Besonders dreis ging etwa der SA-Stabsschef Viktor Lutze vor, der eine Dotation über 154 000 RM mit de Begründung als Darlehensschuld geltend machte, der "Führer" könne j jederzeit die Rückzahlung verlangen. Auf diese Weise erwirkte er über mehrere Jahre ein Befreiung von der Vermögenssteuer.

Häufig kam es zwischen dem für die Dotationen zuständigen Leiter der Reichskanzlei Hans-Heinrich Lammers, und den Auserwählten zu langwierigen Auseinandersetzungen übe Art und Umfang der Schenkungen. Vor allem als sich die Großzügigkeit Hitlers in de letzten Kriegsjahren in höchsten Kreisen herumgesprochen hatte, wandten sich viele soga direkt an Lammers. Noch im März 1943 sicherte sich Göring eine Schenkung von sech Millionen RM (der Facharbeiterlohn lag zu dieser Zeit bei etwa 80 Reichspfennig pr Stunde). Und Ribbentrop erhielt nur einen Monat später insgesamt eine Million Reichsmark.

Ueberschär und Vogel verzichten darauf, die vielen Einzelfälle systematisch zu ordnen. So bleibt unklar, welche Bedeutung die Dotationen für die Aufrechterhaltung de NS-Herrschaftssystems hatten. Eine umfassende Analyse der Korruption im "Dritte Reich" steht noch aus – die Autoren haben aber zweifellos eine bedeutend Pionierarbeit zu leisten. Frank Ufen

Gerd R. Ueberschär / Winfried Vogel: Dienen und Verdienen. Hitlers Geschenke an sein Eliten, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1999, 302 S., 44 Mark


 
     
     
 
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