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Hochmeister des Deutschen Ordens: Ulrich von Jungingen

 
     
 
Ulrich von Jungingen (1407 - 1410) folgte seinem Bruder Konrad als Hochmeister nach seiner Wahl durch den Wahlkonvent zu Marienburg am 26. Juni 1407. Er hatte in den zwanzig Jahren seiner Zugehörigkeit zum Deutschen Orden eine erfolgreiche Laufbahn absolviert, die ihn vom Kompan (Adjutant) des Hochmeisters (1391/92) über den Ordensvogt von Samland (1393/96) und den Komtur der bedeutenden Komturei Balga (1393/1404) zum Obersten Marschall mit dem Range eines Großgebietigers aufsteigen ließ.

Wenn man Ulrich von Jungingen eher eine militärische Qualifikation
zuschreibt, so hat er doch bei einer Reihe von Gelegenheiten auch diplomatische Fähigkeiten bewiesen. Gleich nach seiner Wahl sandte er einen Boten an den König von Polen, um diesem seine Amtseinsetzung mitzuteilen. König Wladislaw Jagiello beauftragte Erzbischof Nicolaus von Gnesen und den Kastellan von Kalisch, dem Hochmeister seine Glückwünsche nach Marienburg zu überbringen. In der Folgezeit entwickelte sich zwischen dem Erzbischof und dem Hochmeister ein Vertrauensverhältnis, das diesen zum Vermittler bei schwierigen Missionen in den beiderseitigen Beziehungen machte.

In seiner Amtszeit als Komtur von Balga nahm Ulrich v. Jungingen an der amphibischen Unternehmung zur Besetzung der Insel Gotland teil und führte später die diplomatischen Verhandlungen mit Königin Margarethe von Dänemark über den Besitz der Insel. Nach langem Ringen entschied sich der inzwischen zum Hochmeister Aufgestiegene, angesichts der bedrohlichen Lage durch die Kriegsrüstungen der vereinigten Polen und Litauer, für die Räumung Gotlands gegen eine Ablösesumme von 9.000 englische Nobeln (37.000 Preußische Mark). Nach der Ratifizierung des Vertrages von Helsingborg vom 15. Juli 1407 und der Zahlung der Entschädigung räumten die Ordenstruppen die Insel am 1. November 1408.

Bereits als Komtur von Balga, aber auch als Hochmeister förderte er den weiteren Ausbau des Landes. Er gründete 1401 den Ort Seehesten als Zinsdorf, erteilte 1407 der neuen Stadt Nordenburg die Handfeste und erweiterte oder erneuerte in anderen Städten die Privilegien. Natürlich sorgte er auch für die Sicherheit des Landes und ließ 1398 in Lyck eine kleine Burg auf einer der Stadt vorgelagerten Insel errichten. Nun wurde auch die seit 1397 im Bau befindliche starke Grenzburg Ragnit fertiggestellt.

Zu den nach der politischen Lage unverzichtbaren Kriegsrüstungen gehörte auch die Anwerbung zahlreicher Söldner, um das Ordensheer auf die im Hinblick auf die Gegner dringend erforderliche Stärke zu bringen. Für die Besoldung der Soldaten wurden zusätzliche Finanzmittel gebraucht, so daß die Münzprägung gesteigert werden mußte. Aus den aus Funden überlieferten unterschiedlichen Arten der Schillingmünzen kann geschlossen werden, daß in der kurzen Amtszeit dieses Hochmeisters überdurchschnittlich viele Münzen geprägt worden sind; auch die neue Münzstätte Danzig war an der Herstellung der Münzen beteiligt. Der Feingehalt der Silber-Schillinge blieb jedoch mit 700/1000 nur geringfügig unter dem seines Vorgängers.

Die fremden Söldner wurden vorzugsweise mit ungarischen Gulden besoldet. Auf Antrag des Ordens erteilte der verbündete König Sigismund von Ungarn die Erlaubnis, während des Krieges in Preußen diese Gulden zu prägen. Aber die Niederlage von Tannenberg vereitelte die Nutzung des Entgegenkommens. In der Mitte des Jahres 1409 drangen Litauer unter Vorwänden über die Grenze bis nach Ragnit vor; sie stifteten Unruhe und wurden des Landes verwiesen. Fast gleichzeitig brach in Schamaiten ein Aufstand los. Großfürst Witowd richtete prahlerische Drohungen gegen den Orden, denn er war sich der Unterstützung durch Polen sicher. Auf ein Schreiben des Hochmeisters an König Wladislaw antwortete jener, daß er seinen verbündeten Vetter nicht verlassen, sondern ihn in jeder Bedrängnis mit aller Macht unterstützen werde. Dennoch ver- suchte der Hochmeister, Litauen in einem schnellen Winterfeldzug durch den livländischen Ordenszweig niederwerfen zu lassen. Doch der Landmeister von Livland weigerte sich, mit seinem Heer anzugreifen, weil er erst kürzlich einen Vertrag mit Witowd abgeschlossen hatte und an ein Zusammengehen Witowds mit König Wladilaw Jagiello nicht glaubte.

Am 6. August 1409 ließ der Hochmeister dem König von Polen den Fehdebrief überreichen und drang in die polnischen Grenzprovinzen ein. Nach Anfangserfolgen im Dobriner Land und nach Eroberung der Burgen Beberen und Zloterie kam der Angriff zum Stehen. Von polnischer Seite wurde durch den Erzbischof Nicolaus von Gnesen ein Angebot für einen Waffenstillstand unterbreitet. Als König Wenzel von Böhmen sich als Vermittler einschaltete und der König von Ungarn dem Orden Unterstützung zusagte, kam es zum Ausgleich, jedoch beide Seiten rüsteten weiterhin verstärkt für einen neuen Waffengang.

In Rehden handelte Erzbischof Nicolaus mit einer Ordensdelegation einen Friedensvertrag aus, der jedoch vom Polenkönig nicht ratifiziert wurde. Bei dieser Situation war der Krieg nun kaum mehr zu vermeiden.

Am Ende des Waffenstillstands bezog das Ordensheer in Erwartung des polnischen Angriffs eine Verteidigungsstellung an der Drewenz nahe Kauernik. Aber das polnische Heer stieß unerwartet aus dem Raum Plock über Soldau nach Nordosten vor und erreichte am 13. Juli Gilgenburg. Dort richteten Polen, Litauer und Tataren ein barbarisches Massaker an, dem fast die gesamte Einwohnerschaft der Stadt zum Opfer fiel.

Als der Hochmeister von diesen furchtbaren Untaten erfuhr, eilte er voller Zorn dem Feinde in Gewaltmärschen entgegen. Am 15. Juli 1410 kam es auf dem Felde von Tannenberg zu einer der größten Feldschlachten des Mittelalters. Nach anfänglichen Erfolgen unterlag das durch die Eilmärsche strapazierte Ordensheer den zahlenmäßig erheblich überlegenen vereinten Heeren der Polen und Litauer. Hochmeister Ulrich von Jungingen fiel nach überaus tapferem persönlichen Einsatz mitten im Kampfgetümmel. Mit ihm blieben mehr als 4.000 tote Ordensstreiter auf dem Schlachtfeld, darunter 203 Ordensritter. Großkomtur Kuno v. Lichtenstein, Marschall Fried-rich v. Wallenrod, Oberst. Trapier Albrecht Graf v. Schwarzenburg und Oberst. Treßler Thomas v. Merheim waren die vornehmsten Gefallenen im Range eines Großgebietigers; ferner fielen viele regionale Gebietiger, darunter zwölf Komture und drei Vögte. Auf Befehl des Polenkönigs und des Litauerfürsten wurden zwei gefangengenommene Komture hingerichtet. Damit war fast die gesamte Führung des Deutschen Ordens ausgefallen. Nach dem großen Sieg zog das vereinigte Heer in langen Märschen, die durch Plünderungen und Brandschatzungen verlangsamt wurden, durch das Ordensland in Richtung Marienburg. Dort aber hatte bereits der tatkräftig hinzugeeilte Komtur von Schwetz, Heinrich von Plauen, die Burg in Verteidigungsbereitschaft versetzt und alle verfügbaren Truppen zusammengezogen. Den Polen fielen unterwegs viele Burgen und Städte kampflos oder durch Verrat in die Hände, weil die Menschen nach der katastrophalen Niederlage des Ordens allen Mut und alle Hoffnung verloren hatten.

Der Leichnam des gefallenen tapferen Hochmeisters wurde vom siegreichen polnischen König achtungs- und ehrenvoll behandelt und nach Marienburg überführt. Neben seinen Vorgängern fand Hochmeister Ulrich von Jungingen in der St. Annengruft seine letzte Ruhestätte.

Schlacht von Tannenberg (Grunwald): Zum 550. Jahrestag im Jahre 1960 gedachte die polnische Post mit dieser Briefmarke der schweren Niederlage des Deutschen Ordens.

Wappen des Hochmeisters Ulrich von Junginge
 
     
     
 
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