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Kein Ort von Glückseligkeit

 
     
 
Das Rittergut Schönwiese war kein altes Gut. Es ist wohl erst im Zuge der Stein-Hardenbergschen Reformen und des Zerfalls der Schliebenschen Grundherrschaft Gerdauen (1831) aus einem einst zu Gerdauen gehörenden Bauerndörfchen entstanden. Doch weder über das Bauerndorf noch über die Entstehung des späteren Gutes liegen bisher Forschungen vor.

So beginnt die Geschichte Schönwieses mit Ernst Friedrich von Saucken (1791-1854), Herr auf Tarputschen im Kreis Darkehmen, der um 1831 Schönwiese zu seinem großen Besitz hinzuerwarb.

Ernst Friedrich von Saucken war einer der Führer der liberalen Bewegung in Preußen und einer der großen Politiker Ostdeutschlands nach den Befreiungskriegen
. Er saß in der deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche und stand vor der Revolution 1848 in einem lebhaften Briefwechsel mit dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV.

Noch vor seinem Tod übergab er Schönwiese dem jüngsten Sohn Franz von Saucken. Dieser baute nun sein neues Gut auf, indem er nicht nur Wirtschaftsgebäude, sondern auch das Gutshaus errichten ließ. Das neue und wohl erste Gutshaus in Schönwiese kann als ein besonders schönes Beispiel für ein ostdeutsches Gutshaus des Spätklassizismus mit neugotischen Formen aus der Zeit um 1850 bezeichnet werden. Zinnenreihen, kleine Ecktürmchen und der gartenseitige Rundturm zierten den Bau. Der Baumeister ist nicht bekannt.

Schon der Vater hatte mit dem Landschaftsgärtner Fürst Pückler-Muskau in Verbindung gestanden und auf dem eigenen Gut einen Landschaftspark angelegt. In den kommenden Jahren wurde auch auf Schönwiese ein großzügiger Garten geschaffen.

Erbe von Schönwiese wurde 1881 der Sohn Elimar von Saucken, der sich durch besondere Schönheit und Schneid, aber auch durch großen Leichtsinn auszeichnete. So trennte er sich 1893 von seiner Frau Magdalena, geborene Freiin von Wrangel, und heiratete 1894 in zweiter Ehe Chlotilde Hagar aus Hamburg. Sie war, so heißt es, mit ihrer Schwester Miterbin des Zirkus Renz und besaß ein beträchtliches Vermögen, das Elimar von Saucken mit vollen Händen ausgab. Als er das Geld seiner Frau durchgebracht hatte, ließ er sich erneut scheiden. Er ging dann nach Paris, wo er nochmals heiratete. Dort in Paris ist er dann wohl ziemlich elend 1912 in einem Krankenhaus verstorben.

In Schönwiese blieb seine Mutter, Berta von Saucken, zurück. Sie hatte jedoch keinen Bezug zur Landwirtschaft, und so kam es in der landwirtschaftlich schweren Zeit nach 1890 zum vollständigen Zusammenbruch, so daß Schönwiese mit allem Vermögen und Mobiliar verlorenging. Im Jahre 1891 wurde Schönwiese unter landwirtschaftliche Zwangsverwaltung gestellt.

Schönwiese gelangte nun in den Besitz von Dr. Krüger, der durch ein Veilchenduftpatent zu Geld gekommen sein soll und viel in Schönwiese baute. Bereits 1895 befand sich das Gut im Besitz der Familie Feistkorn. Über diese und die kommenden Besitzerfamilien liegen bisher keine Angaben vor. 1920 erwarb Friedrich Kullak-Ublick, der sein großes Gut Ublick im Kreis Johannisburg 1919 verkauft hatte, das Gut Schönwiese, mußte es aber noch vor 1927 wieder verkaufen.

Nun erwarb 1927 Karl Ortmann aus Berghausen bei Meschede das 637 Hektar große Gut Schönwiese.

Nach seinem Tod 1942 übernahm seine Witwe Eva Ortmann, geborene Perkuhn, die Bewirtschaftung des Gutes. Dabei half ihr der Bruder ihres Mannes, Dr. agr. Paul Ortmann.

Als am 19. Januar 1945 durch den Bürgermeister Franz Machmüller aus Wesselau der Fluchtbefehl für den kommenden Tag gegeben wurde, entschloß sich Eva Ortmann direkt zur Flucht. Von dem alten Kutscher Karl Kühn wurden sie und ihr einziger Sohn Karl im Coupé am späten Nachmittag zum Bahnhof Klein Gnie gefahren. Nach mancher Station gelangte man mit Zügen bis Berlin. Am 20. Januar 1945 ging auch die übrige Bevölkerung des Gutes Schönwiese geschlossen unter der Leitung Dr. Paul Ortmanns auf die Flucht. Der Gutstreck mit allen Bewohnern kam bei Schnee und strengem Frost bis zum Gut Groß Peisten im Kreis Preußisch Eylau, wo man etwa vier Wochen blieb. Man versuchte nicht, über das zugefrorene Haff zu fliehen, und wurde so in Groß Peisten von den Russen überrascht. Dr. Paul Ortmann und fast die gesamte Bevölkerung Schönwieses überlebten das Wüten der Roten Armee in Ostdeutschland nicht.

Die Gebäude Schönwieses wurden zur Zeit der sowjetischen Verwaltung vor 1989 vollständig abgetragen. Erkennbar ist heute vor allem noch der Park mit seinen alten Bäumen. Wulf D. Wagner

Gutshaus Schönwiese: Ein besonders schönes Beispiel für ein ostdeutsches Gutshaus des Spätklassizismus mit neugotischen Formen aus der Zeit um 1850 Foto: Wagner

 
     
     
 
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