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Schnepfenjagd im Frühjahr

 
     
 
Ostdeutschland - und somit mein Heimatkreis Gerdauen - liegt im Verbreitungsgebiet der Waldschnepfe. Ein beliebtes Balz- und Brutgebiet war der Pentlacker Wald mit seinem hohen Laubholzanteil und dem für die Vögel entsprechenden Nahrungsangebot. Schnepfen lieben Würmer aller Arten. Weiterhin nehmen sie aus der Bodenstreu Insekten und Weichtiere auf. Der Schnabel wird in der Waidmannssprache „Stecher“ genannt. Kleine Löcher im Boden verraten die Gegenwart der Waldschnepfe. Die Waldschnepfe hat ein rotbraunes, schwarzgeflecktes Gefieder, ihr Bauch ist schmutzigweiß mit braunen Querlinien, was bei Aufenthalt auf dem Waldboden eine ausgezeichnete Tarnfarbe ist. Der ungefähr dreißig Zentimeter große Vogel ist hinsichtlich seiner Größe mit der Ringeltaube vergleichbar.

Wenn es Frühjahr wurde, freuten sich die Jäger - und damit auch mein Vater - auf die Schnepfenjagd. Nach der Schneeschmelze erwachte die Natur, die Zugvögel kehrten zurück. Bis Mitte April war es gesetzlich erlaubt, auf Schnepfenjagd zu gehen, danach jedoch begann die Brutzeit. Mein Vater liebte diese Jagdzeit. Gejagt wurde in den Abendstunden. Wenn er jagen ging, waren wir Kinder immer voller Begeisterung, allerdings in guter Deckung, dabei. Unser Vorstehhund „Lump“ war selbstverständlich auch immer an unserer Seite. Bei dem lauten Vogelkonzert zu dieser Tageszeit war es immer ein Kunststück, den Anflug einer Waldschnepfe herauszuhören. Nur mit viel Erfahrung konnte man die Balzlaute der Schnepfe erkennen. Waren nun ein oder zwei Waldschnepfen im Anflug, erlegte mein Vater sie mit seiner Schrotflinte meisterhaft. Es war danach die Aufgabe unseres ungeduldig wartenden Hundes Lump, die erlegten Schnepfen zu suchen und korrekt zu apportieren. Es waren bis zu fünf Schnepfen, die mein Vater je nach Witterungsverhältnissen erbeutete. Bei Dunkelheit und unheimlichem Eulengegurre, alle anderen Vögel ruhten um diese Zeit schon, machten wir uns auf den Heimweg
.

Als ich älter wurde, durfte ich als Jungjäger neben den Freunden meines Vater an der Jagd teilnehmen. Das Wildbret der Waldschnepfe war für die Gutsküche, aber auch für das Forsthaus eine außergewöhnliche Delikatesse. Die Jagd auf Schnepfen ist heute in Ostdeutschland nicht sonderlich populär, obwohl gerade aufgrund der Versteppung der ehemaligen landwirtschaftlich genutzten Gebiete besonders viele Waldschnepfen dort leben. Die Erinnerung an die Waldschnepfenjagd ist für mich eine ganz besondere, die ich immer mit meinem Vater verbinden werde. Willi Langer

 
     
     
 
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