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Sterntaler und Rumpelstilzchen

 
     
 
Über die Aufgeregtheit der jungen Leute in der Dis-kussion um die Festsetzung des Rentenalters auf 67 Jahre mag sie nur lächeln. Schließlich hat sie diese Grenze bei weitem überschritten und ist immer noch voller Schaffenskraft und mit viel Freude bei der Arbeit. Die Bildhauerin Erika Maria Wiegand schuf gerade erst eine etwa 75 Zentimeter hohe Bronze der Märchenfigur "Das tapfere Schneiderlein". "Sieben auf einen Streich", steht auf der Schärpe, die er sich umgelegt hat. Mit erhobenem Zeigefinger betont er die Wichtigkeit seiner "Heldentat".

Einfühlsam hat Erika Maria Wiegand auch hier die Figur erfaßt, die nur in der Phantasie der Kinder und der erwachsenen Märchenliebhaber lebendig ist. Es ist schließlich nicht die erste Märchenfigur, der die Bildhauerin eine handfeste Gestalt gegeben hat. "Der gestiefelte Kater" steht heute in Baunatal, während das "Rumpelstilzchen" auf einem Brunnen in Helsa tanzt. Der "Hans im Glück" hat eine Heimat vor einem Hotel in Hofgeismar gefunden, und "Sterntaler" ziert jetzt einen Ruheplatz am Radweg 1 in Baunatal / Guntershausen.

Erika Maria Wiegand ist fasziniert von den Märchen der Gebrüder Grimm
, denen sie natürlich auch schon ein Denkmal geschaffen hat. Es steht seit 1984 auf dem Grimmplatz in Kassel. Auch ein vielfach repliziertes Porträt der Märchenfrau Dorothea Viehmann, der die Grimms viele Märchen zu verdanken haben, hat die Bildhauerin geformt.

Märchen begeistern sie noch heute. "Schon als wir Kinder waren und uns die Märchen erzählt wurden, formten sich in unserer Phantasie die Bilder der handelnden Personen. So habe ich die kindlichen Vorstellungen dieser Märchenfiguren im Sinn behalten und die einzelnen Personen als Schlüsselfiguren des jeweiligen Märchens dargestellt, wie sie in meiner Vorstellung leben", erklärt die Künstlerin ihre Arbeitsweise. "Beim Schaffen ist man ganz allein. Der Künstler muß sich in das darzustellende Geschehen hineinfühlen und versuchen, diese Empfindungen durch den Druck der eigenen Hand dem noch weichen Tonmaterial einzuprägen. Nur so kann das Kunstwerk davon künden, was es ausdrücken und vermitteln soll."

Erika Maria Wiegand hat im Laufe ihres Lebens viele einfühlsame Arbeiten geschaffen. Ihre Porträtbüsten, meist sparsam gestaltet, zeigen den Cha-rakter, die Seele des Dargestellten. Auch in ihren religiösen Werken gelingt es ihr, das Wesentliche prägnant darzustellen. Die Künstlerin liebt das Gestalten mit dem weichen Ton; der gebrannte Ton strahlt schließlich warmrot leuchtend - vielleicht eine Reminiszenz an die Back-steingebäude ihrer ostdeutschen Heimat. Die am

5. Dezember vor 85 Jahren im samländischen Fischhausen Geborene wuchs in Allenstein auf. Dort besuchte sie die Schule und machte ihr Abitur. Nach Königsberg ging sie 1940, um an der dortigen Kunstakademie bei Prof. Hans Wissel Bildhauerei zu studieren. Nach der Flucht gelangte die Künstlerin nach Haldensleben bei Magdeburg, wo sie schon bald erste künstlerische Aufträge erhielt und Kunstunterricht für junge Lehrer gab. Kassel schließlich war die nächste Station im Leben der Ostpreußin; dort lebt und arbeitet sie noch heute unermüdlich.

Die Bildhauerin hat sich vor allem auch durch ihre religiösen Arbeiten, durch ein Copernicus-Relief für das Haus der deutschen Volksgruppe in Allenstein und die Büste des Bischofs Maximilian Kaller einen Namen gemacht. Bronze-Abgüsse dieses Porträts sind in den verschiedenen Orten von Kallers Wirken, in Frauenburg, in Allenstein, in Bergen auf Rügen und in St. Michael in Berlin-Mitte zu sehen, das Original, die Terrakotta-Büste steht im Ermlandhaus in Münster.

Wichtig ist der Künstlerin nicht zuletzt auch die Begegnung mit jungen Menschen, so im Europa Colleg (Sprachenschule Kassel), wo sie Gästen aus aller Herren Ländern mehr als zwei Jahrzehnte lang die deutsche Sprache und ein künstlerisches Umfeld nahebrachte. Begegnungen, die sie selbst jung erhalten haben.

Foto: "Märchenhafte" Gestalterin: Erika Maria Wiegand vor ihrer "Sterntaler"-Bronze
 
     
     
 
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