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Von der Fachwelt oft verkannt

 
     
 
Wenn in Kürze die Abgeordneten des Deutschen Bundestages in das auf Hochglanz gebrachte Reichstagsgebäude einziehen werden, wird kaum einer daran denken, daß es schon einmal Ziel handwerklicher An- und Eingriffe gewesen ist. Nachdem das 1894 fertiggestellte Bauwerk (nach Entwürfen des Frankfurter Architekten Paul Wallot) 1933 einem Brandanschlag zum Opfer gefallen und die Ruine 1945 von der Roten Armee
erstürmt worden war, schrieb man 1957 einen Wettbewerb zur Erhaltung des Gebäudes aus. Paul Baumgarten, ein in Berlin angesehener Architekt, erhielt schließlich 1961 den Auftrag zum Ausbau des geschundenen Gebäudes. Am 31. Dezember 1969 waren die Bauarbeiten abgeschlossen und auch der Plenarsaal fertiggestellt.

Paul Baumgarten wurde übrigens am 9. April 1900 in Tilsit geboren. Seine Jugend verbrachte er in Hohensalza, Provinz Posen, wo er auch die Schule besuchte. 1921 ging er nach Berlin; dort starb er am 8. Oktober 1984.

Seinen Bauten sagen Fachleute nach, sie trügen preußische Merkmale. So hat er sich auch nie auf Kompromisse eingelassen, die gegen seine Überzeugung gewesen wären. Annette Menting, Architektin (u. a. auch im Büro v. Gerkan, Marg & Partner), promovierte 1997 über Paul Baumgarten. Ein Resultat der Promotion ist das jetzt im Berliner Gbr. Mann Verlag herausgekommene und vom Landesdenkmalamt Berlin herausgegebene Buch Paul Baumgarten – Schaffen aus dem Charakter der Zeit (320 Seiten mit 255 Abb., davon 1 farbig, Leinen, 128 DM). Die Autorin stellt in dieser erstmals umfassenden Darstellung des Baumgartschen Werks eine Reihe ausgewählter Bauten vor. Von der Entwurfsidee bis zum Detail kann auch der Laie die Gedankenwelt des von der Fachwelt bisher oft verkannten Architekten verfolgen. Für Berlin schuf Paul Baumgarten neben Wohn- und Geschäftsbauten den neuen Konzertsaal der Hochschule für Musik an der Hardenbergstraße, den Theatersaal an der Fasanenstraße, das sogenannte Eternit-Haus im Hansaviertel, die Müllverladerampe an der Spree in Charlottenburg (heute ein Architekturbüro), den Ausbau des "Hotels am Zoo", für Tübingen die Mensa und für Karlsruhe das Gebäude des Bundesverfassungsgerichts. Viele der Bauten stehen heute unter Denkmalschutz, das mag auch daran liegen, daß sich Baumgartens Architektur durch "sachliche Qualität", aber auch durch den "Verzicht auf Repräsentationsvokabular" und durch "Sparsamkeit der Mittel" auszeichnet (Annette Menting), so finde Baumgartens Werk "seinen authentischen Ausdruck".

 
     
     
 
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