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Der Dirigent Kurt Sanderling wurde 90 Jahre alt

 
     
 
Er gehört neben Günter Wand, der sich in Allenstein die ersten Sporen verdiente, und dem Tiessen-Schüler Sergiu Celibidache zu den legendären Dirigenten des Jahrgangs 1912: Kurt Sanderling, geboren im ostdeutschen Arys, Kreis Johannisburg, und in aller Welt geschätzt. Vor kurzem konnte er seinen 90. Geburtstag begehen - im Kreise seiner Söhne, die sich ebenfalls der Musik verschrieben haben, einer als Cellist, zwei als Dirigent
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Als 18jähriger war Kurt Sanderling nach Berlin gekommen und hatte seine Laufbahn als Korrepetitor an der Städtischen Oper Berlin begonnen. Otto Klemperer, Erich Kleiber, Leo Blech und Wilhelm Furtwängler waren seine künstlerischen Leitbilder. 1933 jedoch wurde Sanderling wegen seiner jüdischen Herkunft aus seiner Stellung entlassen; drei Jahre später entschloß er sich, in die Sowjetunion zu gehen. - "In Amerika mußte man etwas sein, in der Sowjetunion konnte man etwas werden", so begründete Sanderling einmal in einem Interview seinen Entschluß. Zunächst wurde der Ostpreuße als Assistent an den Moskauer Rundfunk verpflichtet, dann dirigierte er die Philharmonie in Charkow. Von 1942 bis 1960 leitete er schließlich die Leningrader Philharmoniker. Auch unterrichtete er 1945 und 1946 am Leningrader Konservatorium, wo er die Leitung der Dirigentenklasse innehatte. In dieser Zeit lernte er auch Dmitri Schostakowitsch kennen, dessen Musik er später in Deutschland einem interessierten Publikum nahebringen soll.

1960 kehrte Sanderling nach Berlin zurück und übernahm als Chefdirigent die Leitung des Berliner Sinfonie Orchesters im Ostteil der Stadt. Gleichzeitig wirkte er von 1960 bis 1967 als Chefdirigent der Dresdener Staatskapelle. Lange Jahre widmete sich der Ostpreuße ausschließlich Gastspielverpflichtungen im In- und Ausland. Reisen führten ihn in fast alle west- und osteuropäischen Länder, in die USA und nach Japan.

Seine besondere Liebe gehört den Werken Mahlers und Schostakowitschs. Seine musikalische Palette allerdings ist groß, davon zeugen seine Aufnahmen verschiedenster Komponisten auf Schallplatten - immer getreu seinem Motto: "Es kommt letztendlich darauf an, als nachschöpferischer Interpret unverhohlen seine eigene Wahrheit auszudrücken - allerdings unter strikter Wahrung des Werkcharakters."

Zum letzten Mal stand Kurt Sanderling am Pfingstsonntag offiziell am Dirigentenpult. Auf eigenen Wunsch verabschiedete er sich mit einem Konzert des Berliner Symphonie Orchesters, das er 17 Jahre lang als Chefdirigent geleitet hatte. Eine Ära ging zu Ende.

Seine besondere Liebe gehört unter anderem den Werken Mahlers: Prof. Kurt Sanderling ist seiner Maxime immer treu geblieben.
 
     
     
 
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