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Die Konvention von Tauroggen

 
     
 
Im Preußenjahr gelten unsere Gedanken auch jenem Ereignis, das vor 190 Jahren die Grundlage für die nationale Erhebung Preußens gegen die napoleonische Fremdherrschaft schuf.

Man schrieb den 30. Dezember 1812. In der Poscheruner Mühle, 25 Kilometer nordöstlich von Tilsit, standen sich der preußische General Yorck und der russische General Diebitsch gegenüber. Noch waren sie Gegner, doch Yorck war entschlossen, das erzwungene Bündnis mit Napoleon
zu lösen und mit seinem preußischen Armeekorps nicht mehr gegen die Russen zu kämpfen. Beide Generäle unterzeichneten einen Neutralitätspakt: die Konvention von Tauroggen.

Dieser denkwürdige Schritt leitete den Beginn der Erhebung Preußens gegen Napoleon ein. Yorck sprach an diesem Abend die richtungweisenden Worte: „So moege denn unter goettlichem Beistand das Werk unserer Befreiung beginnen und sich vollenden.“ Und seinem König schrieb er: „Das Werk, das ich getan, ist ohne Befehl Ew. Majestät geschehen. Die Umstände und wichtige Rücksichten müssen ihn aber für die Mit- und Nachwelt rechtfertigen.“

Clausewitz bezeichnete damals die Konvention von Tauroggen als eine der kühnsten Handlungen der preußischen Geschichte. Grund genug, um der Frage nachzugehen, welche Spuren dieses denkwürdige Ereignis hinterlassen hat.

Dem damaligen Brauch entsprechend pflanzte man im Jahre 1812 an der Poscheruner Mühle eine Linde. Ein Jahrhundert später, im Jahre 1912, wurde unter der inzwischen hundertjährigen Linde ein Denkmal errichtet. Es bestand aus einem Granitkubus mit den Maßen zwei mal zwei mal zwei Metern Kantenlänge, der auf vier Kupferkugeln von je 35 Zentimeter Durchmesser ruhte. Das Projekt entwarf Leopold von Kalck-reuth, die Bauausführung übernahm Baumeister Westphal aus Tilsit. In die Seitenflächen waren folgende Inschriften in deutscher und russischer Sprache eingemeißelt: „Convention von Tauroggen zwischen dem königlich-preußischen Generallieutenant von York und dem kaiserlich-russischen Generalmajor von Diebitsch in der Poscherunschen Mühle am 30/18 December 1812.“ und „Dem furchtlos treuen Diener seines Königs, dessen ruhmreiche That den Anstoß gab zu Preußens Erhebung und Befreiung der Urenkel.“

An den Einweihungsfeierlichkeiten nahm eine Abordnung des Ortelsburger „Yorckschen“ Jägerbataillons unter ihrem Kommandeur, Oberstleutnant Münter, teil. Als Vertreter des russischen Zaren war dessen Flügeladjutant, General von Rennenkampf, zugegen. Nur zwei Jahre später waren aus den einstigen Waffengefährten wieder Feinde geworden. Rennenkampf marschierte an der Spitze einer russischen Armee in Ostdeutschland ein.

Das Denkmal trotzte den Wirren der Zeit, nur fehlte es an der Denkmalspflege. Verfallserscheinungen zeigten sich. In einem im Jahre 1992 herausgegebenen litauischen Prospekt über Tauroggen findet sich erstaunlicherweise unter den abgebildeten Sehenswürdigkeiten ein Bild des Konventionsdenkmals. Sein Zustand ist arg lädiert und die deutsche Inschrift beschädigt. Man überließ den Stein seinem Schicksal und man sucht ihn heute vergeblich. Er ist buchstäblich vom Erdboden verschwunden. Über den Zeitpunkt gibt es nur widersprüchliche Angaben. Die deutsche Inschrift dürfte wohl kaum gestört haben. Schon eher wurden wohl die vier Kupferkugeln zum Opfer der Begierde.

Nicht unerwähnt soll bleiben, daß in den siebziger Jahren die Litauer einen eigenen Gedenkstein schufen. Er wurde von der litauischen Architektin Matschuleit entworfen und zwei Kilometer südwestlich von Tauroggen an dem Bach Eszerunis nahe der ehemaligen Poscheruner Wassermühle aufgestellt. So ist die Erinnerung an ein historisches Ereignis nicht vergessen. Bei Reisen ins Memelland und ins Baltikum sollte ein Abstecher zu der geschichtsträchtigen Stätte nicht fehlen! Hans Dzieran

Gedenkstein bei Tauroggen: Die Inschrift lautet in litauischer und russischer Sprache: „Hier, in der ehemaligen Poscheruner Mühle, unterzeichneten am 30. Dezember 1812 der königlich preußische Generalleutnant H. Yorck und der russische Generalmajor H. Diebitsch die Tauroggener Konvention zum gemeinsamen Handeln gegen die Armeen des französischen Kaisers Napoleon.“ Foto: Knobloch

 
     
     
 
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