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Elfenbeinküste Blut für Kakao Paris hat traditionelle Interessen in Afrika

 
     
 
Seit September vorigen Jahres ist Frankreich in einen inneren Konflikt an der Elfenbeinküste verstrickt. Alle Versuche, ihn zu bereinigen, sind bislang erfolglos geblieben. Nach Ansicht des renommierten französischen Strategieexperten, General a. D. Pierre-Marie Gallois, der zu den Erzgaullisten gezählt werden kann, liege der Grund für die Ohnmacht Frankreichs seiner ehemaligen Kolonie gegenüber darin, daß nach der Meinung der Afrikabewohner Paris nicht mehr souverän sei, seitdem durch die Maastrichter und Amsterdamer Verträge
die einstige Kolonialmacht ihre Eigenständigkeit und die Mittel, eine unabhängige Afrikapolitik durchzuführen, an und für sich verloren habe.

Die Elfenbeinküste ist ein westafrikanisches Land mit einer Bevölkerung von rund sechzehn Millionen Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von zirka 700 US-Dollar jährlich. Sie ist der führende Weltproduzent von Kakaobohnen und mit der Europäischen Union durch die AKP-Verträge verbunden. Die Brüsseler Kommission hat ihr gerade eine Hilfe von 400 Millionen Euro gewährt.

Paris hat nach Abidjan Elite- truppen mit einer Stärke von mehr als 2.000 Mann gesandt, die damit rechnen, daß sie sich lange dort aufhalten müssen. Laut Gallois handelt es sich damit um ein risikoreiches Un-ternehmen für die französischen Staatsbehörden. Geschickt haben Chirac und sein Außenminister Villepin versucht, die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft CDAO in die Politik Frankreichs zu ver- wickeln. Dennoch scheint es beim Redaktionsschluß sicher zu sein, daß der altverdiente Partner Frankreichs in der Gegend, das heißt Senegal, sich nicht mit dem die Elfenbeinküste betreffenden Kompromiß zurechtfindet, der Ende Januar in einer Pariser Vorstadt zwischen den in der Elfenbeinküste kriegführenden Parteien beschlossen wurde. Abgesehen vom Konflikt zwischen ihrem muslimischen Nordteil und dem christlichen Süden wird die Elfenbeinküste gegenwärtig von der Einmischung ausländischer Truppen bedroht und geplagt, die aus den Nachbarländern Li-beria, Tschad und Burkina-Fasso stammen.

General Gallois meint, zur Zeit de Gaulles sah die französische Politik vor, nur kurzfristig in Afrika zu intervenieren. Seit der Unabhängigkeit der ehemaligen Kolonien wurden ungefähr siebzig Staatsstreiche in dieser Region registriert, so daß die ehemalige Ko- lonialmacht nicht fähig war, tatsächlich ihren eigenen Willen militärisch durchzusetzen. Allein unter Giscard d Estaing wurde Paris in einen langwierigen Konflikt in Tschad verwickelt.

Auf jeden Fall vertritt unser Gesprächspartner die Ansicht, die westlichen Staaten sollten große Politik ohne Verluste an Menschenleben machen, was nur mit hochentwickelter Militärausrüstung erreichbar sei. Das französische Militär und seine zwanzig alten Transportflugzeuge "Transal" werden von der jetzigen Krise in Westafrika überfordert.

Während unlängst erfolgter antifranzösischer Krawalle in Abidjan forderten Demonstranten eine Intervention der USA. Paris, das derzeit aufgrund der Irak-Krise den USA gegenüber distanziert wirkt, verlangt seinerseits, daß die Verei-nigten Nationen etwas unternehmen, damit die Lage an der Elfenbeinküste wieder unter Kontrolle gerät. Trotz der Anwesenheit des Generalsekretärs der Uno, Kofi Annan, bei den Verhandlungen zwischen Paris und den westafrikanischen Staaten in Marcoussis bleibt es derzeit fraglich, ob die westlichen Verbündeten von Frankreich Paris ihre Hilfe gewähren werden. Nur die USA, wenn ihre Interessen ins Spiel gesetzt würden und sie eine Destabilisierung der ganzen Region zu befürchten hätten, verfügten über ausreichende Militär- mittel, um die Elfenbeinküste zu befriedigen. Ob sie es tatsächlich wünschen, ist eine andere Frage. Von seinen europäischen Verbündeten dürfte jedenfalls Paris keine wirksame Hilfe erwarten.

Trotz seinen immerwährenden Unruhen sei nach Ansicht der Amerikaner Afrika der Kontinent des 21. Jahrhunderts, meint General Gallois. Von diesem Kontinent erwarten sie Rohstoffe in Überfülle und eine Unterstützung als Balance gegen-über dem bevölkerungsreichen Asien. Insofern könnte der derzeitige Konflikt an der Elfenbeinküste einen zukünftigen stärkeren Einsatz der USA auf einem Kontinent, der sich vom europäischen abwendet, voraussehen lassen.
 
     
     
 
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