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Friedrich Wilhelm II.

 
     
 
Unabhängig vom Urteil über Friedrich Wilhelm II. in der Geschichtsschreibung wäre eine Wiederherstellung seines Prunksarges aus kunsthistorischen Gründen wünschenswert. Der Sarg ließe sich leicht rekonstruieren. Die beiden gesondert gegossenen und verschraubten identischen Bildreliefs in der Mitte der Langseiten, von denen eines überdauert hat, sind der einzige aufwendige Schmuck. Sie zeigen jeweils unter einem von der Königskrone bekrönten Baldachin das von Schildhaltern mit Standarten flankierte Staatswappen. Die Löwen-Füße, der Eierstab-Rahmen und die Sterne am weitgehend glatt belassenen Sargkasten sowie die Inschrift am Kopfende der Deckelplatte sind erhalten.

Der Zinnsarg wurde 1798 angefertigt. Wie aus einem Brief von Stubenrauch, dem Direktor der Domänenkammer des Prinzen Ferdinand von Preußen, an den Königlich
en Assessor und Schloßbaumeister Bock vom 9. Mai 1803 im Geheimen Staatsarchiv Berlin hervorgeht, hat den Sarg Friedrich Wilhelms II. der Zinngießermeister Ernst Christoph Siercks im Auftrag des Hofmarschalls Valentin von Massow gefertigt. Das noch im Original erhaltene Meisterbuch der Berliner Zinngießerinnung im Märkischen Museum/Stiftung Stadtmuseum Berlin verrät, daß der aus Anklam gebürtige Siercks am 27. September 1786 - einen Monat nach dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms II. - das Meisterrecht erwarb. Von Siercks läßt sich sogar der genaue Wohnort ermitteln. In den „Berlinischen Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen“ vom 29. März 1803 heißt es anläßlich der Fertigstellung des Zinnsarges für den 1802 verstorbenen Prinzen Heinrich, den Bruder Friedrichs des Großen: „Seit einigen Tagen ist hier unter den Linden, in der Wohnung des Hofzinngießers Siercks der zinnerne Sarg zu sehen, der in der Pyramide, welche sich der verstorbene Prinz Heinrich von Preußen zum Grabmahl in seinem Garten zu Rheinsberg hat erbauen lassen, aufgestellt werden [...] soll.“ Und einen Brief an Prinz Ferdinand von Preußen, der Siercks mit der Anfertigung des Zinnsarges für seinen Bruder Heinrich beauftragen ließ, unterzeichnete der Zinngießer eigenhändig mit der Angabe „Linden no. 28.“

Mit dem Sarg des Prinzen Heinrich hat Siercks einen der letzten Vertreter in der langen Reihe der Gattung zinnerner Prunksärge gefertigt. Wie aus den genannten „Berlinischen Nachrichten“ und der Akte „Die Anfertigung des zinnernen Sarges und eisernen Gitters um das Tombeau des Prinzen Heinrichs, Königl. Hoheit betref“ im Geheimen Staatsarchiv hervorgeht, zeichnete und modellierte die gesondert gegossenen und vergoldeten Reliefs und den figürlichen Schmuck des Sarges der Bildhauer „Selvino“. Hier muß es sich um den Sohn von Giovanni Battista (Johann) Selvino (1744-1789), Johann Anton Selvino, handeln, der laut Thieme-Becker als „Wachsbossirer und kunstgewerblicher Modelleur“ für Silber- und Bronzewerkstätten und Sticker arbeitete. Vielleicht war Selvino im Jahre 1798 auch mit den Modellen der großen Wappenschilde des Zinnsarges König Friedrich Wilhelms II. betraut. Jedenfalls schuf er im Jahre 1793 eine halblebensgroße Gipsstatue des Prinzen Ludwig, des Sohnes König Friedrich Wilhelms II. - ehemals im Hohenzollern-Museum, Schloß Monbijou -, und wurde 1800 auf Empfehlung von Johann Gottfried Schadow auf Grund einer Reiterstatuette König Friedrich Wilhelms III. von Preußen Mitglied der Berliner Akademie. Daß die Zinngießer für ihre Arbeiten an den Särgen außer Bildhauern auch die Dienste anderer Handwerker wie Tischler, Schlosser, Ziseleure, Graveure und Vergolder heranziehen mußten, zeigen die im Falle des Sarges des Prinzen Heinrich erhaltenen Abrechnungen.

Der Sarg des Prinzen Heinrich aus der Grabpyramide im Park zu Rheinsberg wird zur Zeit in Potsdam-Sanssouci restauriert. Dabei hat man am Fußende des Sargdeckels unter dem aufgeschraubten figürlichen Schmuck die Si-gnatur des Zinngießers mit dem Herstellungsjahr 1803 entdeckt. Bei einer Prüfung der Reste des Sarges König Friedrich Wilhelms II. im Berliner Dom durch den Verfasser hat sich jedoch keine solche eingravierte Signatur des Siercks mit dem Herstellungsjahr oder eine eingepunzte Marke mit dem Jahr seiner Meisterwerdung ausfindig machen lassen. Die Meistermarke müßte nach Ausweis der noch erhaltenen zinnernen Meistertafel im Märkischen Museum als Bildzeichen ein Pferd mit Fahnenstange aufweisen.

Es bleibt zu hoffen, daß auch der zweite Prunksarg dieses Hofzinngießers in der Hohenzollerngruft bald in einem würdigen Zustand wiederersteht. Wenn der zuletzt an hochgradiger Atemnot leidende Neffe Friedrichs des Großen am Tag seines Todes wirklich stöhnend bemerkt haben soll: „Einen solchen Tod habe ich nicht verdient“, so wird man im Geiste der Toleranz und Aufklärung übereinstimmen: Einen solchen Sarg hat er nicht verdient! Heinrich Lange

 
     
     
 
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