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Gedanken zur Zeit: Verherrlichung deutscher Kolonialzeit

 
     
 
Ein unternehmungslustiger Hamburger hatte eine Idee. Horst Jung, 67, Malermeister und Restaurateur sowie Vorsitzender des "Kulturkreises Jenfeld", will seinen Ortsteil, dem es nach seiner Meinung zur Zeit an einem eigenen Gesicht mangelt, kulturell beleben. Dazu schien ihm das dem Bund gehörende Freigelände, auf dem die inzwischen abgerissene Lettow-Vor-beck-Kaserne stand, geeignet.

Als die frühere Wehrmacht-, dann Bundeswehrkaserne verschwand, blieben einige bemerkenswerte Denkmale übrig, die von der Hansestadt Hamburg
zunächst sichergestellt wurden. Dazu gehört ein überlebensgroßes Relief aus dem Jahre 1939, das die Erinnerung wachhalten sollte an jene schwarzen Ostafrikaner, die im Ersten Weltkrieg als Askaris, also als Soldaten der deutschen Schutztruppe, unter dem Kommando des späteren Generals Paul von Lettow-Vorbeck vier Jahre lang gegen Engländer, Südafrikaner, Portugiesen und Belgier gekämpft hatten. Die Terrakotta-Figuren, Askaris und Träger sowie einen deutschen Unteroffizier zeigend, würden mit dem Weltausstellungspavillon Tansanias und zwei Ehrenmalen für die gefallenen Angehörigen der Schutztruppe sowie des deutschen Afrikakorps konzeptionell gut zusammenpassen, um in Jenfeld einen Tansania-Park entstehen zu lassen.

Der tansanische Präsident, mit dem Horst Jung Verbindung aufnahm, fand die Idee ausgezeichnet. Auch die Hansestadt Hamburg, damals noch unter einem SPD-Senat, konnte ihr einigen Reiz abgewinnen und sagte 25.000 Euro Unterstützungsgelder zu. In diesem Herbst sollte der Park eröffnet werden. Der tansanische Botschafter hatte sein Erscheinen zugesagt.

Dann aber schnupperten die Linken in Hamburg eine Gelegenheit, sich wieder einmal wichtig zu machen. Es gibt in Hamburg eine kleine, aber lautstarke antifaschistische (und das heißt: überwiegend kommunistische) Szene, die allergisch reagiert, wann immer es um Ehrenmale für deutsche Soldaten geht. Man erinnere sich ihres jahrzehntelangen peinlichen Kampfes gegen das Ehrenmal am Dammtor für die gefallenen Angehörigen des hambur- gischen Infanterieregimentes 76, das sie nicht müde wurden zu beschmieren und zu beschädigen.

Die einschlägigen linken Zeitungen schlugen dann auch Alarm, als das die ostafrikanischen Soldaten der deutschen Schutztruppe ehrende Denkmal wieder aufgestellt werden sollte. Damit werde der deutsche "Kolonialrevisionismus" wiederbelebt, es werde das "koloniale Unterdrückungssystem der deutschen Imperialisten" schöngeredet. Auf keinen Fall dürfe der Park jetzt eröffnet werden. Man müsse das Projekt zunächst "hinterfragen", ein "pädagogisches Konzept" entwickeln, die zeitgenössischen Denkmale den Zuschauern gebührend erläutern und überhaupt alles tun, damit sich die Besucher nicht ein eigenes Urteil bilden können. Es ist ja eine Vorliebe der Linken, stets dem in ihren Augen unmündigen Bürger klarzumachen, wie er die Dinge zu sehen und zu deuten habe. Das gilt erst recht, wenn hier ein Denkmal der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden soll, das 1939 ("faschistisches Denkmal!") errichtet worden ist und bei dessen Anblick man zu dem Schluß kommen könnte, daß die Deutschen damals doch wohl nicht so prinzipiell fremdenfeindlich gewesen sein können, wenn sie in einer würdigen Art die Afrikaner ehren, die auf ihrer Seite gegen die übrigen Kolonialmächte Großbritannien, Belgien und Portugal zu Felde zogen.

Die linken Einpeitscher fanden an der Hamburger Universität Unterstützung durch Professoren eines "Sonderforschungsbereichs 520", der die Umbrüche in afrikanischen Gesellschaften und ihre Bewältigung untersucht. Zwei Professoren schrieben an die parteilose Kultursenatorin Dr. Horakova sowie an die Bezirksversammlung Hamburg-Wandsbek einen offenen Brief, in dem sie Bedenken gegen den Tansania-Park erhoben. Sie verlangen ein "geschichtsdidaktisches Konzept", damit bloß niemand auf die Idee kommt, die Denkmale selbst zu bewerten. Sie sind ebenfalls dagegen, daß der tansanische Ausstellungspavillon von der EXPO 2000 dort aufgestellt wird, weil er einen "harmonisierenden und geschichtsverfälschenden Eindruck" erwecken könnte. Das Askari-Denkmal zeige "eine Truppe afrikanischer Soldaten, die scheinbar treu ergeben ihrem weißen Offizier folgen". Das sei natürlich ein falscher Blick auf die Herrschaftsverhältnisse des Kolonialregimes. Außerdem sei das von der Lettow-Vorbeck-Kaserne freigeräumte Gebiet "problematisch", weil dort vor 1945 ein "zentraler Ort der kolonialrevisionistischen Traditionspflege des Militärs" eingerichtet gewesen sei, was immer das heißen mag. Dann befürchten die Herren Professores, daß "der Askari-Park zur Pilgerstätte der Ewiggestrigen werden könnte". Man sieht, daß hier Professoren mißbraucht werden, die auf ihrem Fachgebiet Experten sein mögen, wobei es jedoch in diesem Falle nicht um Wissenschaft geht, sondern um Tagespolitik.

Es zeigt sich, daß der offenbar federführende Dr. Ludwig Gerhardt zwar Afrikanistik-Professor an der Hamburger Universität ist, sich dabei aber weniger mit der Geschichte befaßt hat. Hervorgetan hat er sich mit Untersuchungen über zentralnigerianische Klassensprachen, mit Forschungen über traditionelle afrikanische Musik, besonders auf dem Gebiet, in dem Sprache und Musik sich treffen. Sein Hauptinteresse gilt der historischen Sprachwissenschaft im Bereich der Afrikanistik. Da kann man keine gründlichen historischen Kenntnisse über die Kolonialgeschichte erwarten.

Deutschland war als letzter europäischer Staat in den fünf Jahrhunderten neuzeitlicher Expansion zu Kolonialbesitz gekommen, was allerdings nur 30 Jahre währte. Bismarck wollte keine Kolonien, weil er Konflikte mit England, das über ein Drittel der gesamten Welt gebot, fürchtete und weil er absah, welche immensen Kosten dem Reich durch Kolonien entstehen würden. Erst unter dem Druck der öffentlichen Meinung erklärte er schließlich die zunächst von privaten Gesellschaften und Vereinen erworbenen Gebiete Ostafrikas zur deutschen Kolonie. Das Deutsche Reich steckte unermeßliche Mittel in die Erschließung dieser Kolonie, deren Handelsbilanz bis zuletzt negativ blieb. Deutschland gab dem Gebiet den "Stoß in die Moderne", darin sind sich heutige Afrikanisten einig.

Natürlich gab es in der ungeordneten und unsicheren Anfangsphase Härten und Verstöße einzelner gegen das, was der moderne Mensch unter Menschenrechten versteht, doch alles in allem verhielten sich die deutschen Kolonialherren wesentlich zahmer als die anderen Kolonialmächte. Die Verstöße aber werden heute von den Linken nach vorne gezerrt, um einen weiteren Grund zu haben, die Deutschen zu Schuldigen zu stempeln.

Es ist auch absurd, wie es die 68er getan haben, den damaligen Reichskommissar für Deutsch-Ostafrika, den bedeutenden Afrika-Forscher Hermann von Wissmann, zu beschuldigen, er habe in blutiger Weise die Afrikaner bekämpft. Wissmann war es, der den 200 Jahre lang von Arabern in Ostafrika betriebenen Sklavenhandel ausrottete und sich dabei kämpferisch mit den Sklavenhändlern und ihren Hintermännern auseinandersetzen mußte. Der Sklavenhandel war damals die Geißel Afrikas. Die Sklavenhändler fingen die Schwarzen ein, Männer, Frauen und Kinder, fesselten sie aneinander, trieben sie mit Peitschenhieben zur Küste und brachten sie auf die damaligen Sklavenmärkte in den arabischen Ländern, wo sie verkauft wurden. Erst die deutsche Kolonialmacht beendete das unmenschliche Treiben.

Die Deutschen erforschten das Land; Hermann von Wissmann war nach Livingstone der bedeutendste Afrika-Forscher, was im Ausland niemand bestreitet. Die deutschen Linken aber haben Anfang der 70er Jahre dafür gesorgt, daß das Wissmann-Denkmal, das früher in Deutsch-Ostafrika stand und nach dem Ersten Weltkrieg seinen Platz im Garten der Hamburger Universität gefunden hatte, demontiert wurde und nun in einem Hamburger Magazin, verborgen vor der Öffentlichkeit, steht. Der jetzt geplante Tansania-Park wäre ein würdiger Platz, wo Hermann von Wissmanns Denkmal wieder seinen Standort finden könnte.

1984 hielt der frühere Bundestagspräsident Kai-Uwe von Hassel, selbst in Tansania geboren und aufgewachsen, einen bemerkenswerten Vortrag zum Thema "Europa und Afrika 1884 bis 1984", in dem er sich bemühte, der damaligen deutschen Kolonialmacht Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Er erinnerte an die Leistungen. Die Deutschen haben das Land verkehrsmäßig durch Eisenbahnlinien und Straßen erschlossen, sie haben Seuchen und Krankheiten bekämpft, sie haben sich bemüht, die ersten Schulen zu errichten (1914 besuchten in Deutsch Ostafrika insgesamt 114.700 Schüler die Missions- und staatlichen Schulen). "Dem deutschen Schulwesen stand zum damaligen Zeitpunkt nichts Vergleichbares in (den benachbarten britischen Kolonien) Kenia, Uganda und Nyasaland gegenüber", so Horst Gründers "Geschichte der deutschen Kolonien", Paderborn 1991.

Nachdem Deutschland den Ersten Weltkrieg verloren hatte, wurden ihm durch die Siegermächte die Kolonien mit der ehrenrührigen Begründung weggenommen, Deutschland sei als Kolonialmacht nicht geeignet. Dem widerspricht nicht nur die Tatsache, daß die Schutztruppe Deutsch-Ostafrikas, bestehend aus 3.000 Europäern und 12.000 ostafrikanischen Askaris, vier Jahre lang gegen britische, belgische und portugiesische Truppen (fast 100.000 Mann) durchhielt, sondern auch, daß Deutschlands Beziehungen zu seinen ehemaligen Kolonien in den dem Ersten Weltkrieg folgenden Jahrzehnten in keiner Weise belastet waren. Und in all diesen Jahrzehnten zahlte das Deutsche Reich seinen ehemaligen schwarzen Soldaten die zugesagte Rente.

Deutschland braucht sich seiner Kolonialgeschichte nicht zu schämen. Der Tansania-Park in Hamburg wäre eine gute Gelegenheit, endlich dieses Teils unserer Geschichte öffentlich zu gedenken.

Übrigens errichteten die Briten 1927 in dem nun zu ihrem Kolonialreich gehörenden Dar es Salaam ein Ehrenmal für ihre eingeborenen Soldaten. In drei Sprachen kann man lesen: "To the memory of the native African troops who fought: to the carriers who were the feel and the hand of the army: an to all other men who served and died for the king and country in Eastern Africa in the Great War 1914-1918". Und da steht es immer noch, und kein Linker plustert sich deswegen au
 
     
     
 
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