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Lincoln den Blick versperrt

 
     
 
Den Wert eines Volkes", so urteilte der französische Staatspräsident de Gaulle, "erkennt man daran, wie es seine Soldaten nach einem verlorenen Krieg ehrt". Sieger sind da natürlich noch besser dran, weshalb es sich die Amerikaner leisten können, für über 150 Millionen Dollar ein "Nationales Weltkrieg-II-Denkmal" entwerfen zu lassen, das dann in Washington errichtet werden soll.

Sechs Meter hohe Granitschilde, dick geflochtene Siegerkränze, Bronzeadler, Goldsterne, Wasserfontänen und schwungvolle Triumphbögen, so will es der Computerentwurf, das Gedenken soll nicht nur etwas kosten, sondern auch etwas dem Auge bieten. Das Geld ist längst vorhanden, Steven Spielberg und Tom Hanks, wer immer nach dortigen Maßstäben Rang und Namen besitzt, gaben Dollars in die Sammelbüchse. Und natürlich auch die zahllosen Veteranenverbände der ehemaligen Kriegsteilnehmer, die respektable Gründe haben, ihrer gefallenen Kameraden zu gedenken.

Die tröstenden Worte, die am "Memorial Day" gesprochen werden, sind schon gewählt und richten sich an die "großartigste Generation", damit sind die aktiven Kriegsteilnehmer gemeint, und an die Opfer, die "in den Tröstungen des Friedens und den Geschenken der Freiheit" gleichsam im Geiste immerfort sowieso gegenwärtig sind. So, als seien die Gründe für den Kriegseintritt der USA schon längst hinreichend geklärt, und als seien die Toten nach 1945 nicht längst größer als die des gesamten Zweiten Durchgangs.

Selbst die Springer
sche "Welt" spricht von "gnädigen Lügen und süße(r) Heldenverehrung", bei der den dortigen "Politikern die Stimmmen brechen und die Blicke umfloren". Doch sind dies vergleichweise geringe Probleme, die sich um das Monument ranken. Der Haupteinwand richtet sich gegen das Projekt, weil es den freien Blick Abraham Lincolns auf das Kapitol versperrt. Der Gründer der Union ist so etwas wie der Napoleon der Franzosen oder der Lenin der Bolschewisten. Wer hier störend die Hand anlegt, verfällt dem öffentlichen Bannfluch. Seitdem steht der Architekt Florian in einer Rechtfertigungspose. Gebaut wird, auch wenn das Monument noch gedreht werden muß, damit Lincoln freien Blick bekommt. Denn kommt es in Gottes eigenem Land nur auf die Freiheit an, unter Berücksichtigung offizieller bundesdeutscher Befindlichkeit in Sachen Soldatenehrung wußte schon Goethe: "Amerika, du hast es besser ..." P. F.

 
     
     
 
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