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Normal verrückt

 
     
 
Sind alles nur böse, von Feinden in die Welt gesetzte Gerüchte oder waren die römischen Kaiser Caligula, Nero und Elagabal wirklich wahnsinnige Herrscher? Dieser Frage geht der 1962 geborene Autor Theodor Kissel in "Kaiser zwischen Genie und Wahn" nach.

Obwohl, was interessiert uns Heutige eigentlich, ob die alten Römer alle Sinne beieinander hatten oder total durchgeknallt waren? Kissel offenbart uns, zu was Menschen fähig sind, und ganz nebenbei befriedigt der Autor auch die skandalsüchtige Seite seiner Leser. Söhne, die ihre Mütter umbringen
, ihre Schwestern schwängern, Feinde zerteilen lassen, Liebesknaben haben und ganz Rom zum Hurenhaus machen, üben durchaus einen gewissen Reiz aus.

Auch macht der Autor deutlich, daß trotz allem Fortschritt, der bei den Römern alltäglich war und der später wieder in Vergessenheit geriet, die "gute, alte Zeit" äußerst blutrünstig war. Ob aber wirklich Christen als lebende Fackeln einen Aussichtspunkt erhellten oder doch "nur" vor johlendem Publikum den Löwen zum Fraß vorgeworfen wurden, hinterfragt Theodor Kissel.

Neben der Vita der jeweiligen Kaiser versucht der Historiker Kissel auch ihre Taten hinsichtlich des Wahnsinnsfaktors zu hinterfragen. So begründet er das Reiten Caligulas über das Wasser (mit Hilfe von fünf Kilometer langen Pontons) nicht als Idee eines Verwirrten, sondern als eine durchkalkulierte Strategie zur Demonstrierung der eigenen Machtfülle. Auch sei Nero angeblich gar nichts anderes übriggeblieben, als seine Mutter umbringen zu lassen, da sie immer mehr die Macht an sich riß. Und für Elagabal sei es eine Selbstverständlichkeit gewesen, seine adlige römische Frau gegen eine Vestalin, eine römische, jungfräuliche Priesterin, zu tauschen.

Letztendlich, so das Fazit des Autors, seinen alle drei Kaiser Kinder ihrer Zeit gewesen und - gemessen an ihrem Umfeld - ganz normal verrückt. Fritz Hegelmann

Theodor Kissel: "Kaiser zwischen Genie und Wahn", Artemis und Winkler, Düsseldorf 2006, geb., 219 Seiten, 19
 
     
     
 
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