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Oppeln: Leitfigur der Schlesier

 
     
 
Zu den größten Problemen der in der Heimat verbliebenen deutschen Oberschlesier zählt das Fehlen einer nennenswerten akademischen Elite. Diese mußte das Land entweder bereits im Zuge der Vertreibung verlassen oder siedelte in die Bundesrepublik Deutschland aus.

Geblieben sind vor allem ältere Leute und hier wiederum in erster Linie bäuerlich und handwerklich geprägte Schichten. Nur wenige Personen sind in der Lage, in eine Führungsrolle für ihre Volksgruppe hineinzuwachsen. Ausnahmen wie Blasius Hanczuch, der Ehrenvorsitzende des DFK-Bezirks Schlesien, bestätigen nur die Regel.

Um so mehr Bedeutung kommt in der traditionell tief religiösen Region der Stimme der katholisch
en Kirche zu. Als Glücksfall für die Deutschen erwies sich deshalb die Tatsache, daß mit Prof. Dr. Alfons Nossol einer der ihren am 25. Juni 1977 zum Bischof des Bistums Oppeln aufsteigen konnte.

Der am 8. August 1932 - also vor nunmehr 70 Jahren - in Broschütz (Kreis Neustadt) in Oberschlesien geborene Nossol zeichnet sich durch Klugheit und Geschick in seinem auch politisch nicht einfachen Amt aus. Nach einem Studium an der Hochschule in Neisse war er 1957 zum Priester geweiht und 1962 promoviert worden. Im Jahre 1976 hablitierte er sich zum Professor an der Katholischen Universität Lublin. Nossol liebte die wissenschaftliche Arbeit genauso wie sein Priestertum. Die Annahme des Bischofsamtes und der Abschied von Lublin seien ihm von daher nicht leicht gefallen, betonte rückblickend der langjährige Weggefährte und heutige Bischof von Gleiwitz, Jan Wieczorek.

Als Bischof von Oppeln war Nossol für fast zwei Millionen Gläubige zuständig, darunter ein beachtlicher Teil Deutsche. Für diese setzte er sich frühzeitig ein und bewies Mut, als er durchsetzte, daß ab dem 4. Juni 1989 nach mehr als vier Jahrzehnten wieder regelmäßig deutschsprachige Gottesdienste am St. Annaberg abgehalten werden konnten.

In einem Interview mit dem ZDF bemerkte er am 27. September desselben Jahres zum gewaltsamen Heimatverlust vieler seiner Landsleute nach dem Zweiten Weltkrieg: "Aber es war doch eine Vertreibung. Und das muß auch einmal beim Namen genannt werden." - Diese Äußerung, die uns heute beinahe selbstverständlich anmutet, war damals für einen polnischen Staatsbürger ein ungeheuerlicher Tabubruch.

Der im November 1999 zum Erzbischof ernannte Nossol sorgt sich bis heute um den Fortbestand seiner deutschen Volksgruppe in Oberschlesien, zumal die Abwanderung der Jugend zwar gebremst, jedoch nicht beendet ist. Bereits in besagtem ZDF-Interview mahnte er: "(...) in gewisser Hinsicht bange ich, wir gehen einem Schlesien ohne Schlesier entgegen."

Was das Schlesiertum für Nossol bedeutet, erläuterte er Ende 1997 gegenüber der Zeitung Rzeczpospolita: "(...) das Verbundensein mit der Arbeit, mit dem geliebten heimatlichen Boden, den Menschen, die Ehrlichkeit bei der Arbeit, der Glaube an den Anderen, die gegenseitige Hilfe im Gegensatz zum Individualismus, der all dies entbehrt."

Ergänzend zu seiner Heimatliebe prägt Nossol die Zuversicht, daß das neue Europa ein Europa der Vaterländer sein wird. In obigem Interview betonte er: "Auf Patriotismus brauchen wir gar nicht zu verzichten. Würden wir die Worte unseres großen Patrioten Cyprian Kamil Norwid transformieren, so könnten wir sagen, daß der Patriotismus die Gestalt der Liebe und nicht des Hasses hat."

Alfons Nossol hat zahlreiche Ämter und Titel inne: Mitglied des Ständigen Rates der Polnischen Bischofskonferenz, "Schlesier des Jahres" 1997, Träger des Schlesischen Kulturpreises des Landes Niedersachsen 2001, Ehrendoktor der Universitäten Oppeln, Münster und Mainz usw.

Nicht nur Schlesier werden dem vielfach geehrten geistlichen und oft auch weltlichen Hirten zum 70. Geburtstag alles Gute und noch ein langes segensreiches Wirken wünschen. Denn schon heute ist erkennbar, welch historisches Format dieser Mann ha
 
     
     
 
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