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Scharon in kuriosen Nöten

 
     
 
Der israelische Premierminister Ariel Scharon hat bei seinen Landsleuten den Beinamen "Bulldozer" - einerseits im übertragenen Sinn, weil er gerne über alles drüberfährt und alles an sich abprallen läßt, anderseits ganz konkret wegen seines Umgangs mit palästinensischen Häusern.

Derzeit aber ist er neben den "normalen" Ärgernissen seiner Amtsgeschäfte
auch mit zwei außergewöhnlichen Problemen konfrontiert: Gegen seinen Sohn Omri wurde vom Generalstaatsanwalt Anklage eingebracht, und gegen ihn selbst wurde von jüdischen Extremisten ein "Todesfluch" ausgesprochen - dies deswegen, weil Scharon mit dem Abzug aus Gaza "jüdische Erde" preisgeben will.

Die Anklage gegen Omri Scharon lautet auf Falschaussage unter Eid, Dokumentenfälschung und illegale Finanztransaktionen im Zusammenhang mit dem Wahlkampf seines Vaters im Jahre 1999.

Ursprünglich war sogar Ariel Scharon selbst unter Beschuß, doch wurde die Anklage voriges Jahr fallengelassen.

Besonders pikant ist, daß die Finanzgeschäfte über Wien abgewickelt wurden und daß Omri Scharon trotz der dann bereits von Israel verhängten Sanktionen sich in Österreich mit hochrangigen Leuten von Yassir Arafat traf, um die Wiedereröffnung des Spielkasinos in Jericho zu besprechen.

Das von den "Casinos Austria" betriebene Etablissement im besetzten Westjordanland war fast ausschließlich von spielsüchtigen Israelis besucht worden, ehe es 2001 wegen der Eskalation der Ereignisse geschlossen werden mußte.

Die Verfluchungszeremonie gegen Scharon fand vorige Woche am Grab eines Mannes statt, der als "Märtyrer" verehrt wird: Er war 1938 von der britischen Mandatsmacht gehenkt worden, weil er einen Anschlag auf einen arabischen Bus verübt hatte. Die rituelle Verfluchung heißt "Pulsa denura", was aramäsch ist und etwa "Peitschenschlag mit Feuer" bedeutet. Sie soll innerhalb von 30 Tagen das Ableben des Verfluchten bewirken.

Der aramäische Name läßt vermuten, daß der "biblische Fluch" in dieser Form aus der Spätzeit des antiken Judentums stammt, als Hebräisch bereits ausgestorben und durch Aramäisch - die Sprache Jesu - ersetzt war. Kabbala-Verteidiger betonen jedenfalls, daß die "Pulsa denura" nichts mit der Kabbala zu tun habe.

Wie immer Scharon zur Religion seiner Väter stehen mag (auch bei christlichen und muslimischen Politikern ist dies ja nicht unbedingt an offiziellen Bekenntnissen und Verhaltensweisen abzulesen), gleichgültig kann ihm die Sache mit der "Pulsa denura" keineswegs sein: Denn auch der frühere israelische Premier Jitzhak Rabin war kurz nach einer solchen Verfluchung gestorben - durch die Kugeln eines israelischen Attentäters. Prof. Dr. Küssner
 
     
     
 
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